Muri
Steht das Kloster noch im Dorf? Eklat in der Baukommission in Muri

Die Fachkommission Bau und Planung in Muri verliert auf einen Schlag mehr als die Hälfte ihrer Mitglieder. Drei von fünf Personen treten zurück. Sie kritisieren den Gemeinderat. Was ist passiert?

Dominic Kobelt
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Das Kloster Muri

Das Kloster Muri

Alex Spichale

Die Fachkommission Bau und Planung verliert auf einen Schlag mehr als die Hälfte ihrer Mitglieder. Drei von fünf Personen treten zurück. Es sind dies der Präsident Robert Häfner sowie Patrick Rymann und Balz Käppeli. Die Kommission berät die Abteilung Bau und Planung und den Gemeinderat Muri.

Auch persönliche Gründe

Patrick Rymann und Balz Käppeli wollten sich zu ihrem Rücktritt nicht äussern, Robert Häfner war nicht erreichbar, weil er in den Ferien weilt. Aus den Rücktrittsschreiben, die der az vorliegen, wird aber klar, dass nicht nur fachliche, sondern auch persönliche Meinungsverschiedenheiten zu Unmut geführt haben. So schreibt Häfner: «Für eine konstruktive Zusammenarbeit deckt sich mein Aufgabenverständnis als Präsident der Fachkommission zu wenig mit dem Aufgabenverständnis des Leiters Bau und Planung, Heinz Fischlin, und den Erwartungen des Gemeinderates.» Die Fachkommission habe oft den Eindruck gehabt, sie werde als «überflüssig und als blosse Behinderung» wahrgenommen. Und Balz Käppeli schreibt: «Leider hat sich Muri in der Abteilung Bau und Planung seit der Neuanstellung des Leiters Heinz Fischlin und mit der gleichzeitigen Neubesetzung der Ressortleiterin Christine Brun um mehrere Jahre zurückentwickelt.» Diesen Vorwurf weist Gemeindepräsident Hanspeter Budmiger entschieden zurück.

Rymann kritisiert: «Warum gerade bei den gemeindeeigenen Bauten und zugunsten einer nachhaltigen Investition von Steuergeldern auf die angebotene fachliche Unterstützung durch die Kommission für Bau und Planung verzichtet wird, ist nicht nur für Robert Häfner und Balz Käppeli, sondern auch für mich schwer nachvollziehbar.»

Laut Budmiger war es nicht ein bestimmtes Problem, sondern ein «langer Prozess», der zum Vertrauensschwund geführt hat. Es seien auchzwischenmenschliche Probleme gewesen, die die Arbeit behindert hätten. «Schlussendlich waren wir total blockiert. Deshalb haben wir eine Auslegeordnung gemacht und die Kommission angefragt, wer noch bereit ist, uns zu unterstützen.» Der Gemeindepräsident und die Kommissmitglieder stimmen darin überein, dass personelle Veränderungen nötig geworden sind.

Die Kommissionsmitglieder äussern aber noch weitere Bedenken. Rymann schreibt, die öffentliche Hand werde von einem Teil der professionellen Bauherrschaften zunehmend unter Druck gesetzt. Häfner weist in seinem Schreiben darauf hin, dass mit der Bahnhofplanung, der LUWA-Überbauung und der Schulhausplanung wichtige Projekte anstehen, und weiter: «Um die Interessen der Murianer zu wahren, sollten solche Geschäfte nicht einfach möglichst speditiv abgearbeitet, sondern aktiv mitgestaltet werden. Der Abteilung Bau und Planung fehlen meines Erachtens jedoch die personellen und die fachlichen Ressourcen, um mit den hoch professionellen Investoren und Bau- und Planungsfachleuten auf Augenhöhe verhandeln zu können.»

Möglicherweise sei ein Ortsplaner, also ein spezialisiertes Planungsbüro, eine hilfreiche Unterstützung, so Häfner. «Das ist eine Überlegung, die wir uns machen», sagt Budmiger. Man wolle aber auch die Fachkommission Bau und Planung rasch wieder besetzen. «In den nächsten Tagen und Wochen führen wir Gespräche mit Kandidaten.»

Neuanfang auch eine Chance

Man bedauere den Know-how-Verlust, sagt Budmiger, betont aber: «Wir haben ja bei der Gemeinde auch Fachkompetenz. Und wir alle verfolgen die gleichen Interessen, wir wollen das Beste für Muri herauszuholen.» Den Neuanfang, den die Kommission nun bewältigen muss, sieht er auch als Chance. «Gerade weil viele Grossprojekte anstehen, müssen wir die fachliche Qualität halten. Wir brauchen aber wieder ein Klima des Vertrauens.»

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