In Reussegg/Sins entsteht ein neues Auengebiet, das von nationaler Bedeutung sein wird. Mit dem Spatenstich wird ein Projekt konkret, das eine lange Vorlaufzeit beanspruchte, aber Vorzeigecharakter hat, wie sich Baudirektor Stefan Attiger ausdrückte. Die Kosten für das Gesamtprojekt belaufen sich auf rund 10 Mio. Franken. Die Hälfte davon übernimmt der Bund, 1,9 Mio. Franken steuert das Elektrizitätswerk der Stadt Zürich (EWZ) aus einem Fonds bei und Pro Natura als Miteigentümerin leistet rund 800 000 Franken. Der Rest trägt der Kanton Aargau. Das neue Auengebiet soll bis 2023 fertiggestellt sein.

«Das ist ein Freudentag, ein ganz tolles Projekt», sagte Matthias Betsche, Präsident von Pro Natura Aargau. Das neue Auengebiet sei ein wunderbares Beispiel für eine gute Zusammenarbeit. Der Reussegger Schachen wurde 2001 als Bestandteil des Auenschutzparks Aargau im kantonalen Richtplan aufgenommen. Weil das Auenprojekt eine Landumlegung voraussetzte, war das Projekt 2005 Auslöser für eine moderne Melioration, die zur Verbesserung für die Reussegger Landwirtschaftsbetriebe geführt hat.

Mit dem Verkauf des Hofes durch Josef Huwiler, mit dem Land von Pro Natura im Sinser Schachen und schliesslich dem Ja der Wasserversorgungsgenossenschaft Auw zur Aufhebung der zwei bestehenden Grundwasserpumpwerke und dem Bau einer neuen Grundwasserfassung wurde der Weg frei, wie Projektleiter Thomas Egloff, Abteilung Landschaft und Gewässer beim Departement Bau, Verkehr und Umwelt, ausführte. Letzteres hatte zu einigen Diskussionen geführt. Mit der neuen Lösung werde der regionale Verbund bei der Trinkwasserversorgung verbessert; bei den heutigen Pumpwerken sei nicht einmal der Fassungsbereich hochwassersicher.

Auf dem Weg zum Ziel

Mindestens ein Prozent des Aargaus muss Auenschutzgebiet sein. So steht es seit 25 Jahren in der Verfassung. «Mit 0,96 Prozent sind wir nahe dran», erklärte Baudirektor Stephan Attiger, «und mit dem Reussegger Schachen kommen wir dem Ziel noch näher.» Hier würden Flachufer, Sand- und Kiesbänke, Tümpel und Weiher sowie Standorte für seltene Pflanzen entstehen. «Die Natur wird sich hier ihren Platz zurückerobern können und wir erhalten hier eine grosse Artenvielfalt», zeigte sich der Regierungsrat überzeugt. Auen gehören zu den Lebensräumen mit der grössten Artenvielfalt. Das beurteilt auch Betsche von Pro Natura so: «Dieses Auengebiet wird ein grossartiger Gewinn für die Natur.» Hier würden sich Biber, Laubfrosch oder der stark gefährdete Fisch Nase sowie viele weitere Tiere und Pflanzen ansiedeln oder überleben können. Aber auch für die Menschen sei das Gebiet ein grosser Gewinn: «Auenlandschaften sind sehr populär und werden gerne aufgesucht. Hier gibt es so etwas wie einen kleinen Amazonas vor der Haustür.» Entsprechend werde man mit einer entsprechenden Besucherführung dafür sorgen müssen, dass die Natur nicht übermässig gestört wird. Zusätzlich attraktiv wird dieses Naturerholungsgebiet, wenn im Reussegger Schachen Wasserbüffel weiden.

Weil die Auenlandschaft hier so wertvoll ist, engagiert sich auch das EW Zürich (EWZ) mit 1,9 Mio. Franken. Das mag verwundern. Aber Harry Graf, Mitglied der Geschäftsleitung, erklärte, dass das Geld aus dem sogenannten «naturmade star-Fonds» stammt, der von Stadtzürcher Stromkonsumenten freiwillig mit einem Rappen pro Kilowattstunde für Naturstrom gespeist wird. Dieses Geld wird unter anderem für Renaturierungen im Bereich von Kraftwerken der EWZ selber, aber auch für Renaturierungen an Fliessgewässern in der näheren Umgebung und allenfalls in der ganzen Schweiz eingesetzt.