Arni

Starke Männer ersteigern sich in der Kälte «grünes Gold»

Forstwart Paul Strebel leitet die Versteigerung von Holz, das vor allem zum Feuern verwendet wird.

Forstwart Paul Strebel leitet die Versteigerung von Holz, das vor allem zum Feuern verwendet wird.

An der Brennholzversteigerung des Forstbetriebs Kelleramt wechselten nicht nur Holzhaufen die Besitzer. Wer kräftigt mitbot, wurde mit einem Stumpen belohnt.

«105 Franken zum Ersten, zum Zweiten, zum Dritten, verkauft!» Paul Studers Stimme zerschneidet die winterliche Stille im Arner Wald. Ausgerechnet der 13. Haufen an fein säuberlich aufgeschichteten Holzstämmen überschreitet die magische Grenze von 100 Franken. Die Forstwarte freuen sich, der zufriedene Käufer von Haufen 13 reibt sich die Hände, und kriegt nebst dem Recht auf den Ster Holz noch etwas anderes - ein «Meitschibei» - in die Brusttasche gesteckt. Die krummen Stumpen sind an der Brennholzversteigerung mit den Jahren zur Tradition geworden. Da und dort wird gepafft, Zigarrenrauch mischt sich in die Wölkchen kondensierter Atemluft.

81 Angebote

Die Gruppe zieht zügig weiter. Schliesslich sollen alle 81 Haufen aus Eschen-, Ahorn-, Buchen-, Eichen-, Kirschen-, Hagenbuchen-, Fichten- und Douglasienstämmen versteigert werden. Ausserdem warten im warmen Waldhaus Bier und Wurst. Für ein Spässchen reicht die Zeit allerdings doch: Als ein Käufer 80 Euro statt Franken bietet, wird allerorts gelacht, ein paar Sprüche und dem Mann auf die Schulter geklopft.

Ideale Affenkälte

Dank den Minustemperaturen bekommen die Holzkäufer zwar kalte Zehen, aber die Schuhe bleiben sauber - der Boden ist gefroren. «Viele mögen diese Affenkälte nicht, aber für uns ist sie ideal», hatte Forstwart Strebel vor dem Versteigerungsrundgang gesagt, sich gleich darauf ein Hustenbonbon in den Mund gesteckt und den Filzhut etwas tiefer in die Stirn gezogen. Trotz klirrender Kälte und Erkältung führte der Gantrufer sicher durch seine erste Versteigerung.

Drei Viertel werden verheizt

Manche der rund 30 Mitbietenden - die meisten sind starke Männer mit grauen Haaren - haben ganz einfach Spass am Holzhacken oder wollen Cheminée-Holz für gemütliche Winterabende. Andere kaufen, um zu heizen. Fritz Schwarzbach aus Zwillikon bietet bis zum Schluss kräftig mit. Er braucht 10 Ster, um sein Haus und das Treibhaus zu heizen.

Von den über 2100 Raummeter Holz, die jährlich in Jonen, Oberlunkhofen und Arni geerntet werden, nutzen die Konsumenten rund drei Viertel des Rohstoffes zum Heizen. Das freut Förster Urs Huber, der vor der Tour von ökologischer Verantwortung, erneuerbarer Energie und Nachhaltigkeit sprach. Ein Ster Brennholz gebe gleich viel Energie wie ein Fass Öl, beinhalte aber nur einen Bruchteil an grauer Energie. Und: «Wir haben den Rohstoff vor der Haustüre. Holz ist unser grünes Gold.»

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