Bremgarte
Stadtmusik lässt es krachen und spielt Handy-Nummern

Das Publikum gibt Standing Ovation für aussergewöhnliches und experimentelles Konzert

Roger Wetli
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Die Stadtmusiker aus Bremgarten legten an ihrem Konzert viel Einsatz an den Tag, um das Publikum mitzureissen. Roger Wetli

Die Stadtmusiker aus Bremgarten legten an ihrem Konzert viel Einsatz an den Tag, um das Publikum mitzureissen. Roger Wetli

«Alles wird anders», «Alles ist erlaubt!», «Und Sie mittendrin!», so kündigte das Grusswort im Programmheft das diesjährige Jahreskonzert der Stadtmusik Bremgarten an. Grosse Erwartungen wurden geschürt, welche aber vollends erfüllt werden konnten.

Dirigent Niki Wüthrich stellte den Abend mit Tom Ryser zusammen. Dieser ist Hausregisseur von Ursus & Nadeschkin. Die Stadtmusikanten wurden aufgefordert, aus ihrer eigenen Komfortzone auszubrechen und neues auszuprobieren.

«Mut brauchte das Konzept eigentlich nicht», stellte Wüthrich nach dem Freitag-Konzert fest. «Denn die musikalische Basis und vor allem, dessen Niveau stimmt. Zum Teil brauchte es aber etwas Überzeugungsarbeit.» Einzelne finale Feinheiten seien denn auch erst bei der allerletzten Probe bestimmt oder noch kurzfristig abgeändert worden.

Ein musikalisches Experiment

Ungewöhnlich war bereits der Beginn des Konzertes. Das Publikum wurde mit einem «Achtung! Achtung! Vermisst werden ...» begrüsst. Stadtmusik-Präsident Roger Russenberger fand anschliessend doch noch seriöse Worte, kündigte das Ganze aber als Experiment an.

Dieses bestand am offensichtlichsten aus Showeinlagen wie «spontanen» Diskussionen und Rebellionen, welche jeweils die Musikkommission wieder beruhigte. Das Publikum wurde auf eine Achterbahn der Gefühle mitgenommen, bei welcher sich immer wieder laut und leise, schnell und langsam abwechselten.

Das Programm war zum Teil mächtig und ergreifend, und dann doch wieder herzhaft komisch. Dies galt auch für die Musik. Da wurde zum Beispiel das Aargauerlied «Im Aargäu sind zwöi Liebi» fein angespielt, um fast unbemerkt in den Pop-Klassiker «Sweet Dreams» überzuleiten.

Die Stadtmusiker wechselten bald ihre Position und spielten ein ruhigeres Stück liegend oder am Boden sitzend. Bei «Extrem Beethoven» stahl sich ein Teil der Musikgesellschaft von der Bühne, um kurz darauf als kleine Marschformation durchs Publikum zu schreiten.

Nach der Pause kündigte Präsident Russenberger an, dass sie nun nach Ziffern weiterspielen würden. Jede Ziffer hatte dabei eine eigene kleine bekannte Melodie. Nach ein paar Beispielen wurde das Publikum nach einer Natelnummer gefragt und diese Nummer anschliessend erspielt.

Für Begeisterung sorgte auch eine «Techno-Blues-Oper»-Nummer, bei der zu jeder Musik ein spezielles Element präsentiert wurde. So überzeugte einer der Stadtmusiker gar mit klassischem Operngesang. Als weiterer Höhepunkt entpuppte sich das diesmal rückwärtsgespielte im «Aargäu sind zwöi liebi».

«Wir waren uns nicht sicher, wie unsere Idee beim Publikum ankommen wird», gestand Niki Wüthrich nach dem Konzert. Der tobende Applaus und die Standing Ovation sprachen für sich!