Bremgarten
Städtchen will langsam grösser werden und plant sein Wachstum

Bremgarten will nur langsam wachsen – Stadträtin Doris Stöckli gibt Auskunft zur Planungssituation.

Dominic Kobelt
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167 Wohnungen in der Überbauung «Am Ufer» – am Donnerstag war die traditionelle Aufrichte.

167 Wohnungen in der Überbauung «Am Ufer» – am Donnerstag war die traditionelle Aufrichte.

Dominic Kobelt

Am Donnerstag war das traditionelle Aufrichte-Fest für die Überbauung «Am Ufer». Da, wo vor ein paar Jahren Fabrikhallen vom Rost zerfressen wurden, entsteht in bester Lage ein neues Quartier, 167 Wohnungen, die einst geschätzten 400 Bewohnerinnen und Bewohnern ein Zuhause geben sollen. Wie begleitet die Stadt Bremgarten ein solches Projekt, und worauf nimmt sie Einfluss?

Stadträtin Doris Stöckli, Vorsteherin des Ressorts Planung, Bau und Umwelt, erklärt: «In den meisten Fällen kommen die Eigentümer oder die Bauherrschaft zuerst auf uns zu und fragen, was überhaupt möglich ist. Dann arbeiten sie einen ersten Entwurf aus.» Die Verantwortlichen bei der Stadt stehen beratend zur Seite. «Ob beispielsweise grosse oder kleine Zimmer, Miet- oder Eigentumswohnungen erstellt werden, können natürlich nicht wir entscheiden. Aber weil sich die Leute, die Wohnungen suchen, bei uns erkundigen, können wir abschätzen, was gefragt ist.»

Hochwasserschutz inbegriffen

Bereits 2012 begann das Büro DSS Architekten mit der Planung, musste sie dann allerdings nochmals überarbeiten, nachdem sich die Familie Schaufelberger, der das Grundstück gehört, dazu entschlossen hatte, einen Teil davon an die Avadis Anlagestiftung aus Baden zu verkaufen. Im Januar 2015 wurde dann die Baubewilligung für den ersten Bauabschnitt erteilt. Nun stehen bereits die Häuser eins bis vier, nächste Woche beginnt der zweite Teil der Aushubarbeiten. Diese müssen ausgeführt werden, wenn die Reuss wenig Wasser hat. Überhaupt musste die Reuss in die Planung einbezogen werden, wie Stöckli erklärt: «Die Hochwasserschutzmassnahmen wurden ins Projekt integriert. Unterhalb und oberhalb gab es ja schon entsprechende Massnahmen.»

Schlechte öV-Anbindung

Was die potenziellen künftigen Mieter aber offenbar mehr beschäftigt, ist die Erschliessung durch den öffentlichen Verkehr. «Viele der Interessenten würden gerne auf ein Auto verzichten. Die nächsten Stationen, die BD-Haltestelle Obertor und die Bushaltestellen Kaserne und Waage, sind aber recht weit weg.» Eine Lösung, wie das Quartier und die ganze Altstadt besser an den öV angeschlossen werden kann, ist noch nicht in Sicht. «Der Stadtrat tauscht sich über mögliche Lösungen regelmässig aus», sagt Stöckli. Es hänge aber auch davon ab, was bei der Revision der Nutzungsplanung herauskomme.

Revision der Nutzungsplanung

Wie sich Bremgarten in Zukunft entwickelt, hängt wesentlich von der Nutzungsplanung ab, die zurzeit revidiert wird. In der Begleitgruppe sind verschiedene Kommissionen vertreten, etwa die Baukommission, die Altstadtkommission, aber auch die Landwirtschaftskommission. «Wir wollten die Begleitgruppe breit abstützen, aber auch mit Fachpersonen besetzten», erklärt Stadträtin Doris Stöckli.

Thema ist auch der öffentliche Verkehr. Die Altstadt ist autofrei, in der Unterstadt gibt es kaum ein Durchkommen für einen grossen Bus. Das Problem sei herausfordernd, könnte aber für die Altstadt eine echte Aufwertung bringen, sagt Stöckli. Möglich wäre ein Ortsbus. Es kam sogar schon die Idee auf, einen selbstfahrenden Bus einzusetzen – ob dies je realisiert werden kann, ist aber noch völlig offen. (kob)

Ebenfalls in die Planung einbezogen werden die jüngsten Bewohnerinnen und Bewohner. «Es gibt regelmässige Treffen mit der Schulleitung, bei der die Schulraumplanung besprochen wird.» Anhand der Wohnungsgrössen geht die Gemeinde von rund 80 Kindern aus, die sich über die verschiedenen Altersklassen verteilen.

«Das ist für eine grosse Gemeinde wie Bremgarten nicht so ein Problem», sagt Stöckli. Auch in der Freizeit sind die Kinder gut untergebracht, das neue Quartier verfügt über zwei Spielplätze.

Bremgarten ist also bereit für 400 Neuzuzüger. Aber wie gross möchte das Reussstädtchen noch werden? «Es wäre nicht gut, wenn alle Gemeinden rundherum wachsen würden und Bremgarten nicht», erklärt Stöckli. «Wichtig ist aber, dass es verträglich und massvoll geschieht. Dies wird in Zukunft vor allem durch verdichtetes Bauen geschehen – die Baulandreserven sind nicht mehr sehr gross.»