Ganz bescheiden, unter «Diverses», erwähnte es Stadtammann Raymond Tellenbach noch zum Schluss der Einwohnergemeindeversammlung von Bremgarten: «Die ‹Stadtberger Spätlese 2018› wurde vom Branchenverband Aargauer Weine zum besten Ortsbürgerwein des Kantons ernannt.» Erst folgte ein ehrfürchtiges Schweigen im Saal, dann brandete der Applaus auf.

Nun ist es also offiziell: Der Blauburgunder, der als Spätlese im Weinberg am Mutschellen, gleich unterhalb des Belvédère, gewonnen wird und seine klare, direkte Frucht durch den Ausbau in alten Barriques gewinnt, ist der Sieger dieser ersten Ortsbürgerweinprämierung des Branchenverbandes.

Produziert wird der edle Tropfen von der Nauer Weine AG in Bremgarten, deren Geschäftsführer, Patrik Nauer, selber Ortsbürger und darüber hinaus auch noch Präsident der Finanzkommission der Ortsbürgergemeinde ist. «Diese Auszeichnung freut mich sehr», sagt Nauer, «denn sie bestätigt unsere Bemühungen, noch weiter rauf zu kommen. Die Jury hat aber nicht uns den ersten Platz zugesprochen, sondern allen, die sich an der Produktion unserer Ortsbürgerweine beteiligen.»

Rebberg zu den Bürgern

Sein grosses Ziel sei es, den Rebberg zurück zu den Bürgern zu bringen. Darum seien nicht nur die Ortsbürger von Bremgarten, sondern alle Interessenten aus der Region jederzeit eingeladen, mitzuhelfen. «Wir wollen, dass die Leute einen Bezug bekommen zur Produktionsweise und daran teilnehmen können, sei es im Rebberg oder auch hier in der Trotte.»

Der stadteigene Wein gehört zu Bremgarten wie der Spittelturm und die Reuss. Die Trotte, das Lokal unter dem Kellertheater am Schellenhausplatz, hat seinen Namen tatsächlich vom uralten Handwerk, das darin betrieben wurde.

Aus jener Zeit stammt vielleicht auch die nunmehr von fachkundiger Seite widerlegte Anekdote, dass der Siegrist von Bremgarten nach den Gemeindeversammlungen nachts an die Türen der Ortsbürger geklopft habe, damit sie wach wurden und sich umdrehten. So sei verhindert worden, dass der Ortsbürgerwein Löcher in die Magenwände der Versammlungsteilnehmer ätzte.

Die Stadtberger Spätlese überzeugt heute «durch eine dichte Fruchtaromatik mit gewissen Würzeanteilen und einer Note von reifen Himbeeren», so Nauer. Die 600 Flaschen, die das Jahr 2018 erbracht hat, sind erfahrungsgemäss schnell ausverkauft. Wer keine mehr ergattern kann, bekommt vielleicht noch eine vom zweitplatzierten Badener Stadtwein oder aber vom drittplatzierten Murianer Klosterfelder.