Bremgarten

Stadtammann Tellenbach: «In Zukunft werde ich einen Medienprofi beiziehen»

Stadtammann Tellenbach verschafft seinem Ärger über die Medien Luft und zieht daraus Konsequenzen.

Stadtammann Tellenbach verschafft seinem Ärger über die Medien Luft und zieht daraus Konsequenzen.

Am Bremgartener Firmentreffen erklärte Stadtammann Tellenbach dem Gewerbe, wie er die Medienschlacht ums Asylzentrum überstanden hat. Beleidigungen und unzählige Telefone waren an der Tagesordnung.

Fast zwei Wochen lang haben das kürzlich eröffnete Asylzentrum beim Waffenplatz und das vermeintliche «Badi-Verbot» die Stadt Bremgarten beschäftigt. Am Firmentreffen, das der Stadtrat als Austauschplattform fürs hiesige Gewerbe organisiert, nutzte Stadtammann Raymond Tellenbach die Gelegenheit, dem Gewerbe seine Sicht der Dinge direkt zu schildern.

Keine Chance zur Einsprache

Dass in Bremgarten möglicherweise ein Dreijahreszentrum für Asylsuchende entstehen könnte, erfuhr der Stadtrat aus der «NZZ». «Die Zeitungen waren besser informiert als wir», so Tellenbach. Anfang Jahr habe es nach einer längeren Funkstille wieder Gespräche mit dem Bundesamt für Migration (BFM) gegeben.

Selbstverständlich habe die Stadt alle Einsprachemöglichkeiten abgeklärt und mit Juristen diskutiert, sagte Tellenbach. «Ich sage es ungern, aber das Truppenlager eignet sich wirklich hervorragend für die Unterbringung von Asylsuchenden.» Dazu kommt: Die Unterkunft gehört dem Bund, und dank dem neuen Asylgesetz konnte dieser über die Immobilie frei verfügen. Dass die Reuss für die Asylbewerber gefährlich sein könnte und auf dem Waffenplatz scharf geschossen wird, spielte bald keine Rolle mehr. «Ich halte fest, dass die Informationen nur sehr spärlich zu uns geflossen sind. Was wir erfahren haben, haben wir weitergegeben», sagte Tellenbach. Und von den Rayons war bereits an der Info-Veranstaltung im Casino die Rede gewesen.

Absolutes Badi-Verbot gab es nie

Nach der Eröffnung platzte dann die grosse Bombe. Die Medien hätten sich gegenseitig aufgepeitscht, dazu habe eine Kommunikationsschwäche zwischen dem BFM und ihm selbst Unsicherheit ausgelöst. Der Fokus hat sich von der Rechtmässigkeit der Rayons auf das Badi-Verbot verschoben.

«Warum das so war, habe ich noch nicht herausgefunden», so der Stadtammann. Nach wie vor gilt: «Wenn einzelne Asylbewerber in die Badi wollen, ist das kein Problem. Wenn grössere Gruppen baden wollen, kann das – in Begleitung eines Betreuers – ebenfalls erfolgen. Das sei auch in anderen Zentren so, zum Beispiel in Nottwil. Nachdem die internationalen Medien das Thema aufgegriffen hätten, seien unzählige Telefone bei ihm eingegangen. «Nazi-Scheisser war noch eine der höflichen Beleidigungen», sagte der Stadtammann.

Sein Fazit nach dem Mediengewitter ist klar: «Sobald wir feststellen, dass das Medieninteresse explodiert, werden wir in Zukunft einen Medienprofi beiziehen. Offenbar kann man ab einem bestimmten Moment nur noch stichwortartig kommunizieren. Erklären wird unmöglich.»

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