In Bremgarten lebt ein Künstler, er heisst Biber. Wir sprechen hier nicht vom amerikanischen Sänger mit Vornamen Justin, sondern von einem Tier, das sich an einem Baum am Reussufer beim Isenlaufsteg austobt.

Rundherum knabberte der Biber an dessen Stamm, der dünner und dünner wurde – bis die Behörde eingreifen musste: Zu gross wäre sonst die Gefahr für Spaziergänger geworden, die am nahen Uferweg an der Reuss entlang gehen.

Die Sicherheit ging vor, der Baum wurde gefällt. Der stellvertretende Werkhofleiter Josef Huber begründet: «Nicht auszudenken, was alles passieren könnte.» Ausgeknabbert hat es sich für den Biber trotzdem nicht: «Wir haben extra das untere Stück des Baumes stehen lassen.» Somit kann der Biber seine Arbeit zu Ende führen.

Das Comeback des Kult-Bibers?

Es ist nicht das erste Mal, das sich ein Biber im Gebiet des Schulhauses Isenlauf herumtreibt. Bereits vor rund vier Jahren sorgte an dieser Stelle ein Biber für Furore. Ohne Scheu überquerte er damals am helllichten Tag das Schulgelände, um sich ein Bad im Biotop der Schule zu gönnen.

Dabei wurde er gefilmt. Auch diesmal blieben die Taten des Bibers nicht ungesehen. Einige Schulkinder beobachten, wie der Biber am Baum knabberte. Ob es sich um dasselbe Tier wie vor vier Jahren handelt, ist nicht bekannt.

Auch beim Kanton weiss man nichts Genaueres, wie Christian Tesini, Biberexperte und Fachspezialist der kantonalen Sektion Jagd und Fischerei, auf Anfrage sagt. Grundsätzlich gäbe es in dem Gebiet aber keine Probleme mit den Tieren: «Bäume werden gefällt, wenn sie drohen, auf die ‹falsche› Seite zu kippen und so Schäden verursachen könnten.»

In Bremgarten sorgte der Baum für Gesprächsstoff, vor allem der Entscheid, ihn zu fällen. Darob sind nicht alle glücklich, obwohl die Sicherheit vorgeht und die Behörde sinnvoll handelte.

So hing schon bald ein Plakat am übrig gebliebenen Baumstumpf, das die Entscheidung anprangerte: «Lieber Mitmensch. Es ist höchste Zeit, solche Versager-Aktionen zu stoppen.

Danke um eure Mithilfe, euer Nachbar und Mitbewohner der Erde.» Die Aufforderung war unterschrieben mit «Justin Biber». In Bremgarten musste vorher noch nie ein Baum wegen eines Bibers gefällt werden. Denn: «Solange niemand gefährdet ist, treffen wir keine Massnahme», sagt Huber.

Dem Biber gefällts an der Reuss

Wie viele Biber momentan an der Reuss heimisch sind, lässt sich schwer sagen, das letzte flächendeckende Biber-Monitoring wurde im Winter 2012/2013 durchgeführt. Im Raum Bremgarten wurden damals drei Einzel- oder Paarreviere eingezeichnet.

Im Freiamt fühlt sich der Biber nebst in Bremgarten auch in Fischbach-Göslikon wohl. Leser Rudolf Koch hat Bilder von einem Baum gemacht, den ein Biber gefällt hat. Eins steht fest: Er hat sich eine bessere Knabberstelle ausgesucht als sein Kollege in Bremgarten.

Der betroffene Baum in Bremgarten: Der obere Teil musste gefällt werden, um Spaziergänger nicht zu gefährden. Lorena Blaser/Facebook

Biber in Bremgarten