Tägerig
Sportpaket spaltet das Dorfund auch die Ortsparteien

Das Referendumskomitee und die SVP nehmen Stellung zur Abstimmung vom 13. September.

Lukas Schumacher
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Rund 190 Junioren spielen beim Fussballclub Tägerig mit.Archiv/az

Rund 190 Junioren spielen beim Fussballclub Tägerig mit.Archiv/az

Lukas Schumacher

Im Reusstaldorf Tägerig sorgt das Sportpaket für reichlich Gesprächsstoff. Über die vierteilige Vorlage wird bei der Referendumsabstimmung vom 13. September an der Urne entschieden, und zwar separat über jeden Teil des Pakets. Weil die Vorlage an einem Informationsanlass im Mai sowie an der Gemeindeversammlung Anfang Juni zahlreiche Dorfbewohner mobilisierte, rechnet man am 13. September mit einer beachtlichen Stimmbeteiligung. Es würde nicht überraschen, wenn die deutliche Mehrheit der rund 930 Stimmberechtigten den Abstimmungszettel ausfüllt.

Die vier Vorlagen auf einen Blick

Das vierteilige Sportpaket schlägt mit Kosten von 1,1 Millionen Franken zu Buche. Grösster Brocken mit 535 000 Franken ist die Vergrösserung des Fussballplatzes Kleinzelg. Das Spielfeld muss auf die Mindestmasse 100 × 64 Meter erweitert werden und künftig auf allen Seiten über einen 3 Meter breiten Schutzraum zum Spielfeldrand verfügen. Ohne vergrösserten Platz darf das Fanionteam des Fussballclubs Tägerig nicht mehr in der 3. Liga spielen.
Die zweite Vorlage hat die Infrastruktur-Verbesserung des Sportvereins zum Ziel. Für 170 000 Franken will man den Hartplatz mit einem Kunststoffbelag versehen und zudem ein Beach-Volleyballfeld anlegen. Dritter Paketteil ist eine zusätzliche Duschanlage für den FC im Mehrzweckgebäude. Kostenpunkt: 65 000 Franken. 335 000 Franken schliesslich kostet die Parkplatzerneuerung bei der Schul- und Sportanlage. Nebst der Gemeinde und den beiden Vereinen finanziert der Kanton Aargau das Paket mit. Gut 300 000 Franken macht der Kanton via Swisslos-Fonds locker. Alle vier Projekte waren an der «Sommergmeind» deutlich durchgekommen. Gegen diese Beschlüsse wurde erfolgreich das Referendum ergriffen. (sl)

Das Sportpaket polarisiert. Befürworter und Gegner findet man auch bei den Ortsparteien. Sowohl in der CVP als auch in der SP sind Vorstandsangehörige unterschiedlicher Auffassung. Daher geben die zwei Lokalparteien keine Stellungnahme ab. Ist wohl vernünftiger, als wenn man die Dorfbewohner und die Parteimitglieder mit dem Ratschlag «Stimmfreigabe» beglücken würde.

SVP: «Dorf soll attraktiv bleiben»

Stellung bezieht als einzige Ortspartei die SVP. Per Flyer in alle Haushaltungen wirbt sie für vier Ja. Das Dorf müsse attraktiv bleiben für Jung und Alt, schreibt die Partei. Tägerig könne bei der Schul- und Sportanlage eine neue Begegnungszone schaffen. Wenn die Erweiterung und Modernisierung der Sportanlagen am 13. September durchkomme, sei hier künftig auch die Erstellung eines Kinderspielplatzes und allenfalls auch eines Vereinslokals denkbar, teilt die SVP mit.

Die Finanzierung des Sportpakets hält die Lokalpartei für durchaus lösbar. Sie geht von einer Steuerfuss-Erhöhung um 3 Prozentpunkte aus, befristet auf zehn Jahre. Die 3 Prozentpunkte mehr würden bei einem verheirateten Tägliger mit einem steuerbaren Einkommen von 80 000 Franken eine Zusatzbelastung von lediglich 101 Franken im Jahr ausmachen. Im Weiteren erhalte die Gemeinde Tägerig fürs Jahr 2016 rund 166 000 Franken mehr aus dem kantonalen Finanzausgleichstopf.

Für ein Ja zum Sportpaket spricht laut SVP auch das grosse Engagement des Fussballclubs und des Sportvereins Tägerig: «Die zwei Vereine tragen, inklusive Eigenleistungen und Subventionsbeiträgen, rund 300 000 Franken der Investitionskosten. Ausserdem müssen die Vereine geradestehen, falls es zu einer Kostenüberschreitung ihrer Projekte kommt.»

Komitee: «Unausgereift und vage»

Das Referendumskomitee hält das vierteilige Sportpaket für «unausgereift und vage». Es empfiehlt vier Nein. Das Komitee – ihm gehören Heinz Oppliger (SP), die frühere CVP-Gemeinderätin Helena Zimmermann, Hans Lutz sowie Patrick Oldani an – bezeichnet die Entwicklung des Steuerfusses im Zusammenhang mit dem Sportpaket als unklar. Einerseits sei in Tägerig der vom Kanton vorgeschriebene Finanzplan nicht vorhanden. Andererseits kopple der Gemeinderat die Vorlagen an eine zu tief angesetzte Steuererhöhung von 3 Prozentpunkten. Gemäss Komitee stagnieren die Tägliger Steuereinnahmen seit Jahren. Zudem habe die Gemeinderechnung 2014 mit einem Defizit von 221 000 Franken abgeschlossen, obwohl die Gemeinde vom Kanton 211 000 Franken Finanzausgleich erhielt. Diese unerfreuliche Situation werde sich in naher Zukunft nicht verbessern.

Weiter führt das Komitee aus, die Wünschbarkeit der vier Projekte sei absolut nachvollziehbar. Offen seien aber einige Fragen, die der Gemeinderat trotz eines offenen Briefs seit Ende Juli nicht beantwortet habe. So unter anderem die Frage, wer denn allfällige Mehr- und Folgekosten bei der geplanten Vergrösserung des Fussballplatzes trage. Oder die Frage, weshalb der Gemeinderat einen Beschluss vom August 2013 nicht umsetze; damals habe der Gemeinderat entschieden, dass der Fussballclub neue Duschen selber finanzieren solle.

Insbesondere kritisiert das Komitee Teil vier des Sportpaktes, die Erneuerung der Parkplätze bei der Schul- und Sportanlage für 330 000 Franken. Zusätzliche Parkplätze würden dadurch kaum geschaffen, auch fehle ein Verkehrskonzept für den Kleinzelgweg.