Ungewohnter Sound auf der Wohler Kartbahn: Statt des Kreischens der hochgezüchteten Kartmotoren war am Dienstagabend für einmal der deutlich sattere Ton eines Abarth-1,4-Liter-Triebwerks zu vernehmen.

Eingebaut ist die rund 160 PS starke Maschine im Formel-4-Monoposto des 17-jährigen Fabio Scherer. Zusammen mit seinen Eltern hatte der in Aesch LU wohnhafte Rennfahrer zu einem Sponsoren-Anlass auf die Kartbahn geladen.

Der gewählte Ort kommt nicht von ungefähr: Lange bevor Fabio auf dem Gokart seinen Gegnern um die Ohren fuhr (er wurde 2014 und 2015 Schweizer Meister und im letzten Jahr zudem als bestes Schweizer Motorsporttalent ausgezeichnet), hat Vater Patrick auf den kleinen Flitzern Sieg an Sieg gereiht.

Mit viel Lärm: Fabio Scherrer gibt auf der Wohler Kartbahn Gas.

Mit viel Lärm: Fabio Scherrer gibt auf der Wohler Kartbahn Gas.

Er wurde während seiner 15 Jahre dauernden Aktivzeit achtmal Schweizer Meister. «Die Kartbahn Wohlen», sagt denn auch Mutter Karin, «war für uns über Jahre hinweg wie ein zweites Zuhause. Hier haben wir schon viele Wochenenden verbracht.»

Erster Sieg als Rookie

Fabio Scherer fährt seit dieser Saison für das Team von Andreas Jenzer, Lyss, in der ADAC Formel 4. Diese Highspeed-Schule stösst auf besonders grosses Interesse, seit Mick Schumacher, der Sohn des legendären Formel-1-Weltmeisters Michael Schumacher, dort mitfährt.

Fabio Scherer ist in dieser Formel, in der mit identischen Chassis und Motoren gefahren wird, sehr gut gestartet. Auf dem Lausitz-Ring holte sich der Rookie seinen ersten Sieg. Insgesamt hat sich das Nachwuchstalent kurz vor Saisonende im vorderen Drittel der Rangliste klassiert.

Damit ist der ehrgeizige Rennfahrer zufrieden: «Als Neuling in dieser Serie gleich im ersten Jahr einen Sieg zu erringen, das hat neben mir bisher nur Mick Schumacher geschafft. Das macht mich schon etwas stolz.»

Seine Erwartungen, ab und zu in die Punkteränge zu fahren, seien mit diesem Sieg und der aktuellen Platzierung sicher übertroffen worden. Dennoch ist der junge Mann auch selbstkritisch: «Ich bin gut beim Start, stark in den Zweikämpfen und fahre recht konstant. Aber ich muss mich im Qualifying noch stark verbessern, da liegt im Hinblick auf die nächste Saison Potenzial brach.»

Allerdings nicht nur bei Fabio selber, sondern auch beim Auto. Er könne – zum Beispiel – das Zeitfahren nicht immer mit neuen Reifen in Angriff nehmen, weil die finanziellen Mittel begrenzt seien, stellt er nüchtern fest.

Hauptsponsor aus Muri

Eine Saison in der Formel 4 kostet viel Geld, und das kann die Familie Scherer – neben Fabios Eltern engagieren sich weitere Leute aus der Verwandtschaft – nicht alles selber aufbringen. Man ist auf Sponsoren angewiesen und darf diesbezüglich bereits auf grosse Unterstützung zählen.

An vorderster Front engagiert sich als Hauptsponsor die Firma Stobag aus Muri: «Ich kenne die Familie Scherer und Fabio, der auch als Skirennfahrer ein grosses Talent ist, schon seit vielen Jahren. Unsere Firma unterstützt nicht nur ihn, sondern ebenso junge Golfspieler in der Schweiz und wir sponsern auch auf lokaler Ebene in Muri, unter anderem die Handballer.

Unser Engagement beruht auf dem Glauben an sein grosses Talent und auch auf dem Umstand, dass seine ganze Familie hinter ihm steht», erklärt Stobag-CEO und Inhaber Gianni Gremaud.

Der Event auf der Kartbahn galt als Dankeschön der Familie Scherer an die Sponsoren. Diese konnten sich mit Mietkarts auf die Strecke wagen, mit dem Nachwuchsrennfahrer über den bisherigen Saisonverlauf diskutieren und waren auch zu einem Imbiss geladen: «Wir sind dankbar für jeden Franken, den wir bekommen haben, und auch in der nächsten Saison auf Sponsoren angewiesen», erklärte Vater Patrick Scherer.