Zwei Trends haben den Organisationen der Spitex in den vergangenen Jahren viel Arbeit beschert. Der Wunsch von vielen älteren Menschen, möglichst lange den Eintritt ins Seniorenzentrum aufzuschieben, und die zunehmende Praxis der Spitäler, Patienten wenn möglich ambulant zu behandeln. Die Folge: Mehr Menschen sind zu Hause auf Pflege angewiesen. Sprich häufig auf die örtliche Spitex.

Umso überraschender die Mitteilung an der vergangenen Generalversammlung der Spitex Bremgarten. Deren Leiterin Pflege und Hilfe, Corinna Ganzoni, verkündete das erste Mal seit mehr als zwei Jahrzehnten einen Rückgang der Pflegestunden. Die Organisation hat 2018 während 11'555 Stunden Bewohnerinnen und Bewohner aus Bremgarten, Eggenwil und Zufikon gepflegt. Dies sind 900 Stunden weniger als im Vorjahr, oder anders ausgedrückt, ein Rückgang von 8,5 Prozent.

Man dürfe in die Zahlen nicht zu viel hineininterpretieren, betont Ganzoni auf Nachfrage und erklärt den Rückgang mit einer natürlichen Schwankung. «Im vergangenen Jahr sind gleich mehrere unserer Kundinnen und Kunden ins Heim eingetreten oder verstorben.» Dafür spricht gemäss der Leiterin Pflege und Hilfe auch, dass die Spitex Bremgarten seit Anfang Jahr bereits wieder viel mehr zu tun hat.

Niemand muss Däumchen drehen

Bremgarten war nicht die einzige Spitex in der Region, die sich plötzlich mit ungewohnten Zahlen konfrontiert sah. Auch die Spitex Kelleramt verzeichnete im letzten Jahr einen Rückgang. 2017 leistete das 13-köpfige Team 4310 Einsatzstunden in der Pflege, im vergangenen Jahr waren es noch 3945. Dies führte dazu, dass der Vorstand um Präsident Eduard Schwab versuchte, den Grund zu ermitteln. Ihre erste Vermutung: mehr Konkurrenz durch private Anbieter. «Unsere Abklärungen in diese Richtung haben dies aber nicht eindeutig bestätigt», sagt Schwab. So geht auch er von Zufall aus. «In einer kleinen Spitex-Organisation haben bereits zwei, drei Abgänge von Klienten grosse Auswirkung auf die Einsatzstunden.» Dank der engen Zusammenarbeit mit anderen Spitex-Organisationen in der Region kommt es aber nie so weit, dass die Pflegerinnen Däumchen drehen müssen. Die Spitex-Organisationen unterstützen sich bei Bedarf gegenseitig. So halfen etwa 2017 zwei Mitarbeiterinnen der Spitex Kelleramt in Birmensdorf und Heitersberg aus.

Fusion nicht ausgeschlossen

Eine Umfrage bestätigt, dass der Rückgang in den beiden genannten Spitex-Organisationen gegen den Trend steht. Die meisten anderen Spitexen leisteten 2018 mehr Einsatzstunden als im Vorjahr. Darunter die Spitex Freiamt, deren Einzugsgebiet die Gemeinden Wohlen und Waltenschwil umfasst. «In den vergangenen Jahren nahm die Arbeit für unsere Pflegefachpersonen stetig zu», sagt Geschäftsleiterin Christine Kaspar Frei. Sie begründet dies unter anderem mit früheren Austritten der Klienten aus den Spitälern und dem erweiterten 24-Stunden-Angebot.

Eine ähnliche Tendenz zeigt die Spitex Muri. 2018 registrierte diese 369 berechnete Einsatzstunden mehr als im Vorjahr. Die Zunahme in den letzten Jahren liegt auch darin begründet, dass Muri für andere Spitex-Organisationen die palliative und psychiatrische Grundversorgung übernahm. Beispielsweise auch für die Spitex Kelleramt.

Diese will zukünftig noch stärker mit anderen Spitex-Organisationen zusammenarbeiten und prüft mögliche Kooperationen – auch interkantonale. Das hat der Vorstand gemeinsam mit den Ammännern der angegliederten Gemeinden beschlossen. «Unsere Organisation ist schlicht zu klein, um langfristig alle Bedürfnisse rund um die Uhr, also zu Hause bei den Klienten, abzudecken», steht dazu im Jahresbericht. «Eine Fusion ist nicht das anvisierte Ziel», ergänzt Eduard Schwab. Ganz ausschliessen könne er diesen Schritt aber nicht.