Sollen ältere Menschen zu Hause gepflegt werden oder ins Altersheim? Beides kann die richtige Lösung und Entscheidung sein, wie ein Nachmittag im Zentrum Aettenbühl in Sins zeigte. Sicher ist: Die Freiwilligenarbeit, schon heute wichtig, wird an Bedeutung gewinnen. Organisiert vom Zentrum Aettenbühl und der Spitex Oberfreiamt, zeigte der gut besuchte Anlass, dass Freiwilligenarbeit alle etwas angeht.

Die Dienstleistungen der Spitex sind gefragt, wie Yvonne Haller, Präsidentin der Spitex Oberfreiamt, festhielt. Im Aargau beziehen rund 14 000 Menschen Spitex-Leistungen, 75 Prozent von ihnen sind älter als 64 Jahre. «Die Spitex ist eine zentrale Säule für die Altersversorgung, wenn die Menschen zu Hause leben.» Dieser professionelle Dienst beschränkt sich nicht auf Pflegedienstleistungen, sondern hat das erklärte Ziel, Gesundheit und damit die Selbstständigkeit so weit wie möglich zu fördern. Aber sie kann nur ein Teil der Probleme lösen. «Wir brauchen noch andere Mitspieler.» Freiwillige Helferinnen und Helfer, zum Beispiel. Bei ihnen geht es nicht darum, sich im Kerngeschäft der Spitex, der Pflege, zu engagieren, sondern Menschen bei alltäglichen Verrichtungen behilflich zu sein, Angehörige zu entlasten oder Einsamkeit zu vermindern. Ziel ist immer, Menschen so lange wie möglich ihr gewohntes Umfeld zu erhalten.

Ergänzende Angebote

Spitex und Altersheim verstehen sich nicht als Konkurrenz. «Es sind zwei verschiedene Angebote, die nebeneinander Platz haben», wie Zentrumsleiter Paul Villiger erklärte. Er ist sich bewusst, dass «niemand ins Altersheim will». Doch der Eintritt ins Heim kann auch mehr Entlastung als Belastung sein. Auch im Heim ist die Freiwilligenarbeit nicht wegzudenken. Im Aettenbühl sind 65 freiwillige Helferinnen und Helfer engagiert, sie leisten jährlich rund 6000 Stunden. «Das ist der Gegenwert von 3,5 Hundertprozentstellen», machte Villiger klar. Auch hier geht es nicht darum, Aufgaben des professionellen Personals zu übernehmen. «Sie stehen für die Entlastung von Angehörigen, für soziale Kontakte. Unsere Bewohnerinnen und Bewohner haben immer sehr Freude an unseren freiwilligen Helferinnen und Helfern.»

Freiwilligenarbeit hat einen Wert. Susanna Fassbind, Co-Präsidentin Verein Kiss Zug, und Marianne Marchello-Gisler, Geschäftsleiterin Kiss Obwalden, informierten über «die Altersvorsorge ohne Geld», die Idee, dass man eine Gutschrift auf ein Zeitkonto erhält, wenn man in der Freiwilligenarbeit etwas leistet, und abbucht, wenn man sie bezieht. Diese «geldfreie 4. Säule» ergänzt die heutige dreisäulige Altersvorsorge, ist schweizweit identisch vernetzt und über die eigene Region hinaus anwendbar. Weiter stellte der Dietwiler Gemeindeammann Pius Wiss das Projekt Mehrgenerationen-Wohnen in Dietwil vor. Nachdem eine Umfrage bei den über 60-Jährigen ein entsprechendes Bedürfnis zeigte, wurde auf einem Grundstück der Ortsbürgergemeinde ein Projekt mit 16 unterschiedlich grossen Wohnungen ausgearbeitet.