Sonntagnachmittag in Waltenschwil. Bei Familie Gfeller dreht sich der Plattenspieler. Vater Reto hat eine seiner Bluesplatten aufgelegt und spielt dazu Gitarre und Bass. Seine Kinder, Corinne und Stefan, tanzen zur Musik, die ihnen so gut gefällt. Das war Ende der 80er-, Anfang der 90er- Jahre.

Damals begann die Karriere des Musikerduos ZiBBZ, der gemeinsame Weg von Co und Stee Gfeller. Mutter Käthi war Schlagzeugerin in einer Band, Vater Reto spielte in einer anderen Band Gitarre. Eine Freizeitbeschäftigung, die leidenschaftlich gepflegt wurde.

Wen wundert’s da, dass Co den Weg als Tänzerin und Musikerin wählte? Mit 16 trat sie in die Laine-Theatre-Arts-Schule in London ein und wurde professionelle Musicaldarstellerin. Ihr Bruder zog nach und studierte am Winterthurer Institut für aktuelle Musik (WIAM) Schlagzeug, Klavier und alles, was dazugehört, wenn man populäre Musik produzieren will.

In jener Zeit entstand auch der erste, gemeinsam komponierte Song der Geschwister. «Ich studierte damals noch in London», erzählt Co, «Stee wohnte noch bei unseren Eltern in Boswil, wohin wir umgezogen waren. Wir sassen beide am Klavier und spielten uns übers Telefon unsere Ideen vor. Damals hatten wir noch kein Handy.»

Aus diesem ersten Lied sind im Laufe der vergangenen 15 Jahre mehrere dutzend geworden. ZiBBZ haben, im Blues und Rock, aber auch in den Balladen ihrer Kinderzeit fussend, ihren eigenen Stil entwickelt. Die Wurzeln sind auch auf der neuen CD immer noch erkennbar. Aber Coco und Stee verstehen es, die technischen Möglichkeiten von heute mit der Harmonik und Melodik der Rock-Urväter zu verknüpfen.

Der Name ist Programm

Das englische Wort sibling heisst nichts anderes als Geschwister. Die Jugendsprache neigt zu lässigen Abkürzungen. Das ist in Amerika nicht anders als im Freiamt. Aus sibling machen die Jugendlichen englischer Zunge darum «zibbz», die stimmhaften S als Z geschrieben, wie bei kids oder eben kidz. ZiBBZ passt jedenfalls perfekt zu zwei Geschwistern, die von Kindsbeinen an zusammen Musik gehört und Musik gemacht haben.

Der Name ist aber nicht der einzige Grund, aus dem die AZ ZiBBZ eine halbe Zeitungsseite widmet. Es ist vielmehr der Umstand, dass diese zwei Ausnahmetalente übermorgen ihre zweite CD veröffentlichen und dass es sich dabei um ein Werk von internationalem Format handelt. Unter dem Titel «It Takes A Village» präsentiert diese Silberscheibe die 13 besten Stücke, welche Stee und Co im Laufe der vergangenen vier Jahre komponiert haben. Sie haben sich die Zeit gelassen, die es gebraucht hat, bis «ihr Kind» reif war; und das hat sich gelohnt.

«Der Titel des Albums passt perfekt», sagt Stee und spielt damit auf das afrikanische Sprichwort an, das gerne in Englisch zitiert wird: It takes a village to raise a child – es braucht ein Dorf, um ein Kind zu erziehen. Auch ZiBBZ haben ein ganzes Dorf zusammengetrommelt, um ihre CD produzieren zu können. «Wir haben ja keinen Vertrag mit einer Plattenfirma», erklärt Co, «darum mussten wir irgendwie das Geld für die CD zusammenbringen. Ein Freund hat uns dann auf die Idee mit dem Crowdfunding gebracht.»

Über das weltweite Netz boten ZiBBZ also Dienstleistungen an, um das Geld für die Produktion zusammenzukratzen. Coco erinnert sich: «Wir haben verschiedene Dinge versteigert: Wohnzimmerkonzerte, T-Shirts, Studiotage mit uns, Schlagzeugstunden mit Stee, Gesangsstunden mit mir, Musikvideos als Geschenke und vieles mehr. Das lief super gut. Am Ende haben wir doppelt so viel eingenommen, wie wir erwartet hatten.»

Und so konnte die wunderbar vielschichtige, tanz- und singbare Musik von ZiBBZ nicht nur auf CD gebrannt, sondern auch in Vinyl gepresst werden. Die DJs dies- und jenseits des grossen Wassers dürfen sich freuen, denn mit diesen Stücken kann jeder «Plattenleger» nach Herzenslust spielen. Spielfreude, die Liebe zur Musik, eine seriöse Ausbildung und disziplinierte Arbeit sind der Mix, der ZiBBZ im Musikgeschäft noch weit bringen wird.

Die Songs auf «It Takes A Village» hat man nicht gehört, wenn man sie einmal gehört hat. Erst beim zweiten und dritten Durchgang eröffnen sich dem Ohr die tieferen Schichten. Faszinierend ist das Zusammenspiel der elektronischen Tonerzeugung mit der Naturgewalt, welche aus Cos Gesang über einen kommt. Von sensiblen Bitten bis zum markigen Schrei bringt die Sängerin alles ein, was die Gefühle eines Menschen ausdrückt. Die Welt ist zum Glück ein Dorf. So sind ZiBBZ dem Freiamt mit ihrer Kunst nahe, auch wenn sie schon lange mit ihren Partnern in Los Angeles leben.