Sarmenstorf
Spiegel blickt zurück auf gelungenen Neustart

In den letzten 20 Jahren erschuf Adrian Spiegel in seinem Atelier in der Alpinit ein umfangreiches Werk. Am Wochenende zeigte er es im Rahmen einer Retrospektive.

Susanna Vanek (Text und Foto)
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Adrian Spiegel mit einem seiner Rosenbilder. Die Blüten hat er aus Eierschachtelkartons hergestellt.

Adrian Spiegel mit einem seiner Rosenbilder. Die Blüten hat er aus Eierschachtelkartons hergestellt.

Es war Liebe auf den ersten Blick: Als Adrian Spiegel die Räumlichkeiten in der Alpinit sah, wusste er sofort, dass er hier wirken wollte. Dabei waren diese damals alles andere als einladend: Ein Grossbrand hatte 1994 das Fabrikgebäude zerstört, die Spuren waren noch nicht beseitigt worden. Aber vielleicht passte gerade das dem Künstler, der damals einen radikalen Neuanfang plante.

Der Grafikdesigner hatte nach einem schweren Schicksalsschlag beschlossen, auf die Kunst zu setzen. Also richtete er in Sarmenstorf sein Atelier ein. Seither wurde die Alpinit zu einem attraktiven Wohngebäude umgebaut, Spiegel konnte sich als vielseitiger Künstler etablieren. Am Wochenende zeigte er mit der Ausstellung «arteFakt» einen Querschnitt durch sein Schaffen der letzten 20 Jahre.

Spiegels umfangreiches Werk lässt sich in drei Bereiche gliedern: In 3-D-Collagen, Zeichnungen und Fotografien. «Im Aufbau seiner Bilder erkennt man den Grafiker, und das soll und darf man sehen», erläuterte der Publizist Stefan Kessler anlässlich seiner Laudation bei der Vernissage. Inspirieren lässt sich der Künstler, der mit seiner Partnerin Susanne Mauerhofer in Seengen lebt, und so, wie er schmunzelnd berichtet, täglich vom reformierten Aargau in den katholischen pendelt und umgekehrt, von Alltagsgegenständen, von Menschen und von Reisen. Weil es anfänglich in den Räumlichkeiten der Alpinit sehr kühl war, trank er viel Tee. Das brachte ihn auf die Idee der Teebilder, bei denen er Teebeutel auf die Leinwände anbrachte und diese bemalte. Tee kam auch bei den Kolorationen zum Einsatz, etwa Schwarz- oder Hagenbuttentee. Aus Eierkartonschachtel fertigte Spiegel Rosen an, mit denen er im Jahr 2012 farblich stimmige Rosencollagen komponierte.

In der Regel widmete sich Spiegel ein Jahr lang einem Thema, im 2011 war es Wasser, im 2012 beschäftigten ihn Steine und 2013 der Farbklang.

Der Kreis schliesst sich

Letztes Jahr verfasste der vielseitig Talentierte mit «Sandy Knaller» seinen ersten Erzählband, mit dem er bewies, dass er nicht nur mit Farben, sondern auch mit Worten gekonnt und witzig umzugehen versteht. Letztes Jahr unternahm er auch eine Reise nach Santorini. Zurück im Atelier verarbeitete er die Eindrücke nicht nur mit Collagen, sondern auch zeichnerisch. Zu Beginn seiner Karriere hatte das Zeichnerische einen grossen Stellenwert für ihn, später hatten die 3-D-Collagen den Lead übernommen. Indem er beides auf einer Leinwand verband, schloss sich der Kreis.

Musikalisch untermalt wurde die Vernissage am Freitagabend durch Kurt von Arx. Daneben hatte Spiegel zwei Holzreliefs seines Onkels Cäsar Spiegel aufgehängt. Dieser war selber ein Künstler gewesen und hatte im Heranwachsenden die Liebe zur Kunst geweckt.