Edelkastanien

Spezielles Pilotprojekt: Gibt es bald heisse Marroni aus Niederwil?

Andreas Gauch kann die ersten Edelkastanien ernten.

Andreas Gauch kann die ersten Edelkastanien ernten.

Als Landwirt und Forscher zugleich züchtet Andreas Gauch auf seinem Betrieb in Niederwil Edelkastanien. Das Pilotprojekt ist aussergewöhnlich, werden Edelkastanien doch aussschliesslich im Süden angebaut. Der Versuch dauert bis 2016.

In Reih und Glied steht Bäumchen an Bäumchen. Tausend Edelkastanien befinden sich auf der zwei Hektaren grossen Plantage. Gibt es also bald heisse Marroni aus dem Freiamt? Zwar bräteln einige Marroni in der Küche der Familie Gauch, doch bis grosse Mengen Edelkastanien in den Verkauf gelangen, wird es noch eine Weile dauern. «Diese Marroni sind bloss ein Muster», erklärt Andreas Gauch.

Kein Wunder, die Bäumchen sind noch sehr jung. Vor sieben Monaten kamen sie von seiner Baumschule auf die Plantage. «Ich möchte mich nicht festlegen, wann diese Plantage welchen Ertrag bringen kann, denn es gibt keinen Erfahrungswert in unserem Gebiet», erzählt Andreas Gauch. Er habe von einer 15 jährigen Plantage im Piemont gehört, auf der vier Tonnen pro Hektare geerntet wurden. «Wir sind nun im ersten Jahr. Da geht es vor allem um das Anwachsen der Bäume. Ein grosser Teil der Bäume ist sogar erst im letzten Winter veredelt worden. Der Baum musste mit den Wurzeln anwachsen und gleichzeitig noch die Veredelung mit dem Edelreis, damit sie schneller Früchte tragen.»

Die Plantage gilt bis 2016 als Pilot-Projekt. Edelkastanien zu pflanzen, ist etwas ganz Spezielles. Mit der letzten Kleinen Eiszeit, welche etwa von 1650 bis 1780 dauerte, wurde diese Kultur in den Süden zurückgedrängt, weil die Früchte nicht mehr ausreiften. Seit dieser Zeit gab es nördlich der Alpen keine Edelkastanien-Pflanzungen mehr. Deshalb kann man den Betrieb Gauch auch als Pionierbetrieb ansehen.

«Ich bin sicher, dass das Projekt mein restliches Berufsleben begleiten wird», sagt Gauch. Bis 2016 wird sein Projekt von verschiedenen Stiftungen finanziell unterstützt. Er soll herausfinden, unter welchen Umständen eine Edelkastanien-Plantage am besten realisierbar ist. Dazu gehört das Sammeln von entsprechendem Wissen, über Sorten, Vermehrung der Pflanzen, Standortansprüche bis hin zur Erntetechnik und Verarbeitung. All dies möchte er an die Öffentlichkeit bringen und breit streuen. «Mein Projekt soll aber durch Umsetzung in der Praxis überzeugen», sagt Gauch.

Für die Nahrungsindustrie könnte die Kastanie mit einem erfolgreichen Projekt viel wertvoller werden. «Aus den Kastanien kann man viele Produkte herstellen, sie haben einen hohen Nährwert, vergleichbar mit einer Kartoffel, und sie sind gut verdaulich und sättigend», weiss Andreas Gauch.

Die Edelkastanien in der Baumschule darf Andreas Gauch nicht verkaufen (siehe Box). Dafür aber sein zweites Projekt, die Haselnuss-Bäumchen. Auch diese veredelt er auf seinem Landwirtschaftsbetrieb selber. Ein Teil dieser jungen Haselnuss-Bäume wird im kommenden Frühling auf die Plantage von Mathias Schär aus Brittnau kommen. Denn auch bei Haselnussanbau gibt es noch viel zu erforschen und verbessern.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1