Es ist fast unfassbar: Sie nehmen einen ungeordneten Zauberwürfel in die Hand, die kleinen bunten Quadrate verschwimmen vor Geschwindigkeit, und nur Sekunden später legen sie den Würfel säuberlich nach Farben geordnet wieder auf den Tisch. Zauberei? Computerbearbeitung? Nein. Die jungen Würfelmagierinnen und -magier sind tatsächlich so schnell. Das beweisen sie dieses Wochenende im Hermetschwil-Staffler Gemeindesaal, wo zum ersten Mal im Aargau eine Speedcubing-Meisterschaft stattfindet.

Von den 39 angemeldeten Teilnehmerinnen und Teilnehmern stammt niemand aus dem Freiamt. Das bedeutet jedoch nicht, dass es hier keine Cuber gibt. Der 30-jährige Cédéric Winkler aus Muri beschäftigt sich seit 2010 intensiv mit den Zauberwürfeln. Er sagt: «Jeder kann Cubes lösen, aber wer richtig schnell sein will, muss viel trainieren.»

Tipps für Anfänger

«Natürlich hatte ich als Kind auch ab und zu solche Würfel in der Hand», erinnert sich Winkler. «Aber so richtig interessiert hat es mich erst, als vor etwa acht Jahren ein Freund von mir damit begonnen hat. Er zeigte mir Tricks zum Einstieg. Von da an stachelten wir uns gegenseitig an.»

Wer ein paar Dinge weiss, hat eine gute Chance, einen Würfel überhaupt lösen zu können. Winkler erklärt: «Als Erstes muss man wissen, wie ein Cube aufgebaut ist. Die mittleren Teile auf jeder Seite, sogenannte Center Pieces, sind unbeweglich, die bleiben immer an Ort und Stelle. Das bedeutet, man weiss immer schon von Beginn an, wo welche Farben hinkommen.» Bei normalen Würfeln liegen sich immer weiss und gelb gegenüber, genauso wie rot und orange, blau und grün. «Es ist nicht so willkürlich, wie sich das viele vorstellen.»

Hat man das verstanden, kann man loslegen: «Man löst erst eine Oberseite, indem man sich dazu eines der Mittelteile aussucht und die Reihen so lange dreht, bis man mit derselben Farbe um die Mitte ein Plus gelegt hat. Danach folgen die Ecken.» Hat man diese erste Farbe richtig gelegt, sollte auf den Seiten die oberste Reihe bereits stimmen. Es folgt die zweite Reihe. «Am Ende die Unterseite zu lösen, ist das Schwierigste. Dafür muss man, um schnell zu sein, gewisse Algorithmen auswendig lernen. Aber man kann natürlich auch einfach ausprobieren.»

Militär: viel Zeit zum Üben

Verbessert hat er seine Fähigkeiten im Militär. «Wir hatten sehr viel Zeit totzuschlagen. Einige von uns begannen damals zu rauchen, ich trainierte mit dem Rubik’s Cube», erinnert sich Winkler lachend. «Einmal zitierte mich ein Feldweibel in sein Büro. Ich fragte mich, was ich angestellt hätte. Aber er sagte nur, ich soll ihm zeigen, wie man diesen Würfel löse.» Schmunzelnd schüttelt er den Kopf.

Warum nimmt er nicht am Wettbewerb teil? «Irgendwann kam ich an den Punkt, an dem ich nicht mehr schneller werden konnte, ohne sehr viel zu trainieren. Da ich noch viele andere Hobbys habe, entschied ich mich gegen Speedcubing.» Noch immer macht es ihm Spass.

«Ungelöste Würfel machen mich wahnsinnig»

Dabei ist es eigentlich nur Aufräumen: «Wenn ich an einem ungeordneten Würfel vorbeigehe, kann ich nicht anders, als ihn zu lösen. Ungelöste Würfel machen mich wahnsinnig», fügt er grinsend hinzu. «Wenn ich einen Film schaue, fällt mir in einer Wohnung immer als erstes auf, wenn ein ungelöster Zauberwürfel herumliegt.» Winkler schaut sich auch gerne Videos von guten Cubern an. «Letztens habe ich eines gesehen, in dem jemand mit drei Rubik’s Cubes jongliert und sie gleichzeitig gelöst hat. Das ist unglaublich. Wieder andere lösen sie mit den Füssen.»

Wer diese Würfelmagie selber erleben möchte, kann am kommenden Wochenende den Cubern jeweils von 9.30 bis 18 Uhr im Gemeindesaal Hermetschwil-Staffeln live beim Zaubern zuschauen.

Wollen Sie sehen, wie schnell man einen Zauberwürfel lösen kann?