Muri
Sparpläne des Kantons: Der Wohnhaus-Ausbau liegt jetzt auf Eis

Sparmassnahmen beim Kanton haben bei Murimoos werken und wohnen einen Leistungsabbau bei der Betreuung der Klienten zur Folge. Zudem wird der Arbeitsdruck beim Personal steigen, befürchtet Direktor Hans Däpp.

Eddy Schambron
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Hans Däpp, Direktor von Murimoos werken und wohnen, sieht konkrete Ausbaupläne in unklare Ferne gerückt.

Hans Däpp, Direktor von Murimoos werken und wohnen, sieht konkrete Ausbaupläne in unklare Ferne gerückt.

Eddy Schambron

Die Ausbau- und Sanierungspläne von Murimoos werken und wohnen ruhen auch noch unbestimmte Zeit. Mehr noch: Die geplanten Sparmassnahmen des Kantons zwingen zum Leistungsabbau bei der Betreuung der Klienten. Dabei kommt diese Murianer Institution im Vergleich zu anderen mit sozialem Auftrag noch einigermassen glimpflich davon: «Weil wir durch unsere Produktions- und Dienstleistungsbetriebe eine hohe Eigenwirtschaftlichkeit aufweisen, können wir versuchen, die Auswirkungen der Sparmassnahmen etwas zu mildern», sagt Murimoos-Direktor Hans Däpp.

Kein Stellenabbau

Der Kanton will jährlich ein 100-Millionen-Defizit vermeiden. Deshalb unternimmt er für 2016 Sparanstrengungen, die auch Institutionen mit sozialem Auftrag treffen. «Konkret heisst das, dass wir bei einem Budget von rund 8 Millionen Franken rund 190 000 Franken weniger erhalten», stellt Däpp fest. Das hat zur Folge, dass das heutige Leistungsangebot vor allem im Bereich der Freizeitbetreuung für die Murimoos-Männer eingeschränkt werden muss. «Immerhin müssen wir kurzfristig keine Stellen abbauen.»

Im Murimoos sind gegenwärtig 90 Mitarbeitende in 70 Vollzeitstellen beschäftigt. Etwas Spielraum erhält Murimoos werken und wohnen durch die Eigenwirtschaftlichkeit von rund 50 Prozent, die dank den marktorientierten Produktions- und Dienstleistungsbetrieben erreicht wird. «Wir werden versuchen, durch eine höhere Produktion und intensivierten Verkäufen die vom Kanton vorgegebenen Sparmassnahmen etwas zu kompensieren.» Aber Däpp lässt keinen Zweifel aufkommen: Der Arbeitsdruck beim Personal wird steigen.

Rücklagen nur für Notfälle

Unangetastet bleibt der Rücklagenfonds, der im Laufe der Jahre auf 1,2 Mio. Franken angewachsen ist. «Dieser Fonds ist für Unvorhergesehenes, für Notfälle gedacht und nicht für den Ausgleich von langfristigen finanziellen Entwicklungen», erklärt Däpp. Jedes Unternehmen brauche eine gewisse Reserve, um einmalige Ereignisse abdecken zu können. Kommt hinzu, dass Murimoos werken und wohnen eigentliche grosse Entwicklungsprojekte mit einem erheblichen Investitionsbedarf verfolgt. Nur: Diese sind mit einem kantonalen Moratorium für Neu- und Sanierungsbauten in ein heute noch unklare Entfernung gerückt.

Eigentlich verfolgt Murimoos mit der Strategie 2018 eine Entflechtung zwischen Wohnen, Arbeiten, Freizeitaktivitäten und Verkauf mit entsprechenden baulichen Massnahmen. Damit soll einerseits mehr Ruhe im Wohnbereich für die Bewohner, andererseits mehr Sicherheit im Arbeits- und Produktionsbereich erreicht werden. Zudem haben die heutigen, 30-jährigen Wohnbauten erheblichen Sanierungsbedarf und für den Plan, künftig auch Frauen aufzunehmen, müsste die Wohnsituation ebenfalls entsprechend angepasst werden.

«An all das ist mit dem Moratorium vorderhand nicht zu denken», stellt Däpp fest. Trotzdem soll versucht werden, mit kleinen baulichen Veränderungen Verbesserungen zu erzielen. Auch die Aufnahme von Frauen ist nicht vom Tisch; entsprechende Wohnmöglichkeiten sollen allenfalls mit einer Aussenwohngruppe realisiert werden. Selbst wenn das Murimoos im Vergleich zu anderen Institutionen mit sozialem Auftrag dank seiner guten Eigenwirtschaftlichkeit noch etwas Spielraum hat, ist Däpp besorgt über die Entwicklung: «Schliesslich sind es die heute schon Benachteiligten, die unter dem Spardruck zu leiden haben.»

Qualitätseinbussen bei der Betreuung

Noch stärker von Sparmassnahmen betroffen sind Institutionen mit einem sozialen Auftrag, die keine oder nur eine geringe Eigenwirtschaftlichkeit aufweisen. «Die Sparmassnahmen wirken sich insbesondere im Personalbereich aus. Darunter leidet die Qualität für die Betreuung der Klienten massiv», stellt Esther Gebhard, Präsidentin des Aargauischen Verbandes Unternehmen mit sozialem Auftrag (AVUSA), mit «grossem Unbehagen» fest. In einem Schwerstbehindertenheim beispielsweise machen die Personalkosten bis 75 Prozent des Aufwandes aus. «Sie haben, im Gegensatz zum Murimoos, wo wir versuchen können, die Produktion und den Verkauf zu steigern, keinen Spielraum auf der Ertragsseite», macht Murimoos-Direktor Hans Däpp, ebenfalls Vorstandsmitglied dieses Verbandes, deutlich. Die Sparmassnahmen führten damit zwangsläufig zu einer Reduktion des Personalbestandes und damit zur Verschlechterung des Angebotes, «gerade in schwierigen Betreuungssituationen eine ganz schlechte Entwicklung». Auch wegen des Stopps von Neu- und Sanierungsbauten hofft der Verband, dass der Grosse Rat die Sparmassnahmen im Bereich der sozialen Institutionen nochmals kritisch beurteilt. Der AVUSA vertritt die Interessen von 55 Sozialunternehmen im Kanton Aargau, in denen rund 6300 Menschen mit unterschiedlichsten Beeinträchtigungen betreut werden. (es)