Schwierige Situation für das Schwerstbehindertenheim Roth-Haus in Muri: Es müsste ein Annexbau erstellt werden, um den räumlichen Anforderungen zu genügen und um auch finanziell in Zukunft über die Runden zu kommen. Dem stehen allerdings Sparmassnahmen des Kantons entgegen. Mitten in den Planungsarbeiten erreichte die Stiftung Roth-Haus das Baumoratorium des Kantons.

Heimleiter Uwe Tischer zeigt im Haus selber, wo die Probleme liegen: «Die Richtlinien der IV definieren genau, wie viel Raum wir zur Verfügung stellen müssen. Eine Überprüfung ergab, dass uns bei gleicher Belegung 800 bis 1000 Quadratmeter fehlen», stellt er fest. Der bestehende Raum ist zudem nicht mehr zeitgemäss: «Für die neuen Elektrorollstühle sind die Durchgänge und die ganzen Platzverhältnisse sehr eng.»

Man sieht es an den abgeschlagenen Kanten bei Möbeln oder den Kratzspuren an den Türrahmen. Es sind weitere Mängel vorhanden, etwa der fehlende Bettenlift. «Die schweren Pflegebetten müssen wir jeweils mit vier Mann über das Treppenhaus hinauf- oder hinuntertragen». Nicht zuletzt fehlen die Einzelzimmer für die Bewohnerinnen und Bewohner, die mehr und mehr verlangt werden. «Das hat den Stiftungsrat bewogen, einen Annexbau ins Auge zu fassen. Er würde am Südklosterrain, anstelle des früheren Bühlerhauses, zu stehen kommen.» Beides zusammen, Annexbau und Umbau Roth-Haus, müsste unter einem Kreditdach von 6 Mio. Franken realisiert werden.

Existenziell wichtig

Die fehlenden Einzelzimmer können «bei unserem kleinen Betrieb schnell einmal zu existenziell bedrohlichen Einnahmeverlusten führen», stellt Stiftungsratspräsident Harold Külling fest. Wird ein Platz in einem Doppelzimmer frei, fehle oft die geeignete Ersatzperson. Für nicht belegte Betten gibt es kein Geld.

Auch deshalb ist der Stiftungsrat aktiv geworden und hat mit der Planung eines Annexbaus begonnen, der Platz schaffen würde, um in den Räumlichkeiten des bestehenden Roth-Hauses die benötigten Einzelzimmer zu realisieren und die Infrastruktur anzupassen. Ende 2014 hat der Kanton denn auch grünes Licht für das Vorhaben gegeben, sodass 2015 das Raumprogramm erarbeitet wurde. Doch dann erreichte das Roth-Haus der Sparbeschluss der Regierung: Kürzung der Ausgaben um zwei Prozent, Moratorium für das Bauvorhaben. «Schwer traf uns das Baumoratorium», macht Külling deutlich.

Trotzdem will der Stiftungsrat an seinen geplanten Bauvorhaben festhalten, wie er im Jahresbericht festhält. Und die Zuversicht überwiegt: Der Stiftungsrat ist der Überzeugung, das Vorhaben «auch im Rahmen der Sparbemühungen des Kantons verwirklichen zu können, zumal die Finanzierung gesichert ist und keine erheblichen Mehrkosten resultieren.» Mit der Verwirklichung des An- und Umbaus würden Einnahmeausfälle verringert und somit die finanzielle Sicherheit für das Roth-Haus vergrössert.

Nicht nur der finanzielle Aspekt sei entscheidend: «Zahlreiche Rückmeldungen belegen uns, dass sich die Bewohnerinnen und Bewohner unseres Heimes hier wohlfühlen und ihre Angehörigen die Betreuung sehr schätzen.» Wie hoch das Ansehen des Roth-Hauses in der Öffentlichkeit ist, zeigten zudem die zahlreichen grossen und kleinen Spenden.

Auf Kosten der Klienten

Für das Schwerstbehindertenheim Roth-Haus bedeutet der Sparentscheid der Regierung auch, dass bei der Planung für das Budget 2016 deutliche Kürzungen vorgenommen werden mussten. «Einerseits mussten im Betreuungsbereich 40 Stellenprozente gestrichen werden und andererseits musste auch beim Sachaufwand massiv gekürzt werden», hält der Heimleiter fest. Tischer macht kein Hehl daraus, was das heisst: «Im Roth-Haus werden in erster Linie die Klienten die Sparmassnahmen spüren.»

Angebote, welche eine personalintensive 1-zu-1-Begleitung erfordern, müssten reduziert oder sogar gestrichen werden. «Es bleibt zu hoffen, dass die Klienten, ihre Angehörigen und die Mitarbeitenden das notwendige Verständnis für diese Massnahmen und die entsprechenden Qualitätseinbussen aufbringen werden.»