Wohlen
Spanner filmt heimlich junge Frauen und stellt Videos auf Pornoseite

Ein Spanner filmt in Wohlen seit Monaten junge Frauen in engen Jeans, knappen Shorts oder Minijupes mit versteckter Kamera - am Bahnhof wie in der Badi. Und er stellt die Videos auf eine Pornoseite. Mehrere Frauen meldeten sich bei der Polizei.

Toni Widmer / Nadja Rohner
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Der Spanner stellte Dutzende Filme ins Internet.

Der Spanner stellte Dutzende Filme ins Internet.

Screenshot

Er nennt sich Mrcandid und stellt seit rund einem halben Jahr Filmchen ins Internet, die er in Wohlen mit versteckter Kamera gedreht hat. Die Frauen, die er ins Bild rückt, sind bekleidet. Dennoch stehen unredliche Motive hinter seinen Videos. Die Frauen werden als aufreizende Sexsymbole dargestellt.

Mrcandid filmt vorzugsweise auf der Wohler Bahnhofstrasse, auf dem Banhofperron, aber auch in der Badi oder in der Migros. Sein Ziel sind gutgebaute junge Frauen in engen Jeans, knappen Shorts oder Minijupes. Das Objektiv fokussiert er aber auch gerne auf üppige Oberweiten. Mit seiner versteckten Kamera verfolgt er die Frauen während Minuten. Nicht selten sind die Opfer seines verwerflichen Tuns problemlos zu erkennen. Auf den Filmchen wird ihr Gesicht im Profil oder gar frontal gezeigt.

Seine Videos publiziert Mrcandid auf einer Internetseite, die auf Pornofilmchen spezialisiert ist. In diesem Kontext werden die bekleideten Frauen als aufreizende Sexsymbole dargestellt. Es ist bekannt, dass es viele Männer gibt, die auf solche Filmchen stehen und sich durch sie Befriedigung verschaffen.

Kantonspolizei ermittelt

Die Kantonspolizei Aargau weiss seit Anfang Woche vom Treiben des Hobby-Filmers: „Es sind mehrere betroffene Frauen auf dem Polizeiposten in Wohlen vorstellig geworden“, erklärte Kapo-Mediensprecherin Barbara Breitschmid.

Die Polizei würde auch ermitteln, obwohl es schwierig sei, dem Filmer überhaupt eine strafbare Handlung nachzuweisen: „Wir haben die rechtliche Seite abgeklärt und sind zum Schluss gekommen, dass allenfalls Ehrverletzung vorliegen könnte.“ Eine Einschätzung, welche von der Aargauer Staatsanwaltschaft geteilt wird.

Breitschmid rät den betroffenen Frauen, auf dem Polizeiposten in Wohlen Anzeige zu erstatten. Minderjährige müssten dies in Begleitung tun. „Wir sind aber auch froh um Hinweise auf die mögliche Täterschaft“, sagt Breitschmid weiter. Junge Frauen, die in Wohlen unterwegs seien, sollten vermehrt auf ihre Umgebung achten. „Allenfalls“, sagt Breitschmid, „können wir den Filmer so ermitteln.“

Obwohl Mrcandid auf der erwähnten Pornoseite einen Account hat und regelmässig Filme auf die Plattform lädt – er war auch am Freitagmorgen aktiv –, könnte es laut Kapo schwierig werden, seine Identität zu klären. „Man kann von überall her auf das Netz zugreifen. Jemand, der geschickt genug vorgeht, kann seine Spuren weitgehend verwischen“, erklärt Breitschmid.

Wohler sind entsetzt: Via Facebook Kopfgeld ausgesetzt

Die Wohler reagieren entsetzt auf die Nachricht, dass ein Spanner im Dorf sein Unwesen treibt, junge Frauen filmt und die Aufnahmen dann auf einschlägigen Pornoseiten veröffentlicht.

Auf Facebook diskutieren sie den Fall in der Gruppe „Du bisch vo Wohlen AG wenn..“. Der Aufruf: Wer sich auf den Bildern erkennt, solle sofort zur Polizei gehen und Anzeige erstatten. „Die Polizei unternimmt nichts, die Betroffenen müssten sich selber melden, heisst es“, schreibt eine Userin. „Wie denn, wenn sie nicht mal wissen, dass sie gefilmt worden sind?“

Die Kommentatoren, mehrheitlich ebenfalls junge Frauen, zeigen sich besonders bestürzt darüber, dass die Gesichter der Betroffenen zu erkennen sind. Und sie sind sich einig darüber, was vom Urheber der Bilder zu halten sei: „Krankes Schwein!“ Der Freund eines Opfers soll via Facebook bereits ein Kopfgeld von 100 Franken für Hinweise auf den Filmenden ausgesetzt haben, berichtet «Blick».

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