Villmergen

Spannendes Schaufenster vielfältigen Kunstschaffens

Yolanda Bernhauser, Gabriel Schwarzenbach, Vreni Schiess, Marie Louise Cadosch, Momo Toure, Doris Hochstrasser, Ruschy Hausmann (von links nach rechts). Auf dem Foto fehlt Ursula Hirt, die an der Vernissage nicht teilnahm.

Yolanda Bernhauser, Gabriel Schwarzenbach, Vreni Schiess, Marie Louise Cadosch, Momo Toure, Doris Hochstrasser, Ruschy Hausmann (von links nach rechts). Auf dem Foto fehlt Ursula Hirt, die an der Vernissage nicht teilnahm.

Zum 14. Mal präsentiert sich das ehemalige Armenhaus als Kunstgalerie und stellt Holz- und Steinskulpturen, Bilder oder Fotos aus: Die 14. Austragung von «S’Armehuus stellt uus» zeigte eine grosse Vielfalt.

Zwei Models räkeln sich um einen Tisch voller Cupcakes. Die Szene könnte natürlich wirken, tut es aber nicht. Die Süssigkeiten scheinen fehl am Platz zu sein. Tatsächlich spielt sich die Szenerie in einem Garten ab, unter einem Baum, in dem ein Kronleuchter hängt. Man ahnt: Süssspeisen passen nicht zum Leben der beiden Schönen. Auf einem anderen Bild trägt eine Frau ein Kleid, das aus Haar hergestellt wurde. Ihr eigenes Haar ist lang, sie hat es zu einer Schnur geflochten, die sie wie Zaumzeug um den Hals eines Pferdes gelegt hat. Man könnte meinen, dass sie es führt. Aber tut sie das wirklich? Marie Louise Cadosch, die Fotografin, räumt ein, dass sie mit ihren Bildern gerne Geschichten erzählt. Sie hat die Gartenszenerie im Garten ihrer Mutter in Villmergen aufgenommen, publiziert wurde sie in einem amerikanischen Fashionmagazin.

Ihre Bilder plant und komponiert Cadosch sorgfältig bis ins Kleinste Detail. In ihren Anfängen hat sie, die gelernte Theaterschneiderin ist, die Kleider für ihre Bilder sogar selber genäht. Mittlerweile hat Cadosch in Amerika den Durchbruch geschafft, daher tragen ihre Models nun die Kleider bekannter Designer. Die würden ihr gerne vorschreiben, wie sie die Mode zu fotografieren habe, erzählt Cadosch, aber das lasse sie nicht zu, lacht sie.

Hausherr mit vielen Talenten

Die gebürtige Villmergerin ist eine der Ausstellenden der aktuellen Ausstellung «S’Armehuus stellt uus». Es handelt sich bereits um die 14. Austragung, und einmal mehr überrascht Hausherr Ruschy Hausmann, einer der heutigen Bewohner des ehemaligen Villmerger Armenhauses, mit ganz neuen Facetten. Er, der unglaublich Vielseitige, zeigte neben grossformatigen Porträtaufnahmen und Steinskulpturen immer wieder auch Werke aus Holz, häufig hat er es geschwärzt. Neu versieht er das Holz mit Rinnen oder gar Durchbrüchen und findet so eine andere künstlerische Sprache als bisher. Er, der ursprünglich Schreiner gelernt hat, zeigt weiter ein Möbelstück, einen Tisch mit zwei daran befestigten Bänken, das er mit der Kettensäge aus einem einzigen Stamm gesägt hat.

Der Pastor und das Holz

Mitorganisatorin und Armenhaus-Mitbewohnerin Vreni Schiess präsentierte Objekte aus Speckstein und Zebrastein. Ebenfalls Steinobjekte zeigte Yolanda Bernhauser. Das Besondere dabei ist, dass sie in den Bergen Kalksteine sammelt, die sie bearbeitet, formt und ganz glatt schleift. Es ist nicht nur interessant, zu sehen, wie kostbar die Steine nach der Bearbeitung dann wirken, sondern auch, wie verschieden Gesteine aus verschiedenen Regionen der Schweiz sind. Ebenfalls Stein- und Holzskulpturen zeigte Ursula Hirt, die am Samstag mit der Kettensäge demonstrierte, wie sie arbeitet.

Gabriel Schwarzenbach, der als Pastor in Dottikon tätig ist, absolvierte nach seiner Schreinerlehre eine Ausbildung als Holzbildhauer. Neben Holzskulpturen brachte er auch abstrakte Bilder mit an die Ausstellung.

Doris Hochstrasser aus Hägglingen dagegen bevorzugt die gegenständliche Malweise. Auf ihren Werken verewigt sie Blumen, Landschaften oder aber auch Menschen zum Beispiel bei einer Marktszene.

Momo Toure, der in Afrika geboren wurde und heute in Villmergen lebt, hat ein Computerprogramm weiterentwickelt, mit dem er Fotos grafisch umzusetzen vermag. An der Ausstellung führte er vor, wie das geht.

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