Bezirk Bremgarten
Soziale Dienste neu unter einem Dach

Die Dienstleistungen des Vereins Jugendfürsorge Bezirk Bremgarten (JFV) und der Kinder- und Erwachsenenschutzdienst (KESD) werden auf Anfang 2016 zusammengefasst.

Toni Widmer
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Mit klarem Mehr wurde das KESD-Budget 2016 genehmigt und damit auch die Übernahme der Dienstleistungen des JFV.

Mit klarem Mehr wurde das KESD-Budget 2016 genehmigt und damit auch die Übernahme der Dienstleistungen des JFV.

Toni Widmer

Im Bezirk Bremgarten gibt es zwei Organisationen, deren Tätigkeiten im Bereich der Sozialen Dienste sich teilweise überschneiden: der Verein Jugendfürsorge Bezirk Bremgarten (JFV) und der Kinder- und Erwachsenenschutzdienst (KESD). Per 1. Januar 2016 werden die vom Kindes- und Erwachsenenschutzrecht vorgegebenen Dienstleistungen in einem regionalen Kompetenzzentrum zusammengefasst. Der JFV wird liquidiert, seine bisherigen Tätigkeiten sowie das verbliebene Personal werden vom KESD übernommen.

Am Mittwochabend hat die KESD-Abgeordnetenversammlung mit einer klaren Mehrheit von 23:9 Stimmen das Budgets 2016 und so die dafür notwendigen Mittel bewilligt.

Unter Zeitdruck gehandelt

Das Vorhaben ist nach wie vor umstritten und es ist nicht ausgeschlossen, dass eine oder mehrere Verbandsgemeinden gegen den Budget-Beschluss der Versammlung Beschwerde führen. Der Grund liegt im grossen Zeitdruck, unter dem das neue Konzept ausgearbeitet werden musste. Zudem sind noch nicht alle Umstände bis ins letzte Detail verbindlich geregelt. In verschiedenen Gemeinden fehlt es am nötigen Vertrauen. Sie wollten nicht schöne Versprechen hören, sondern klare Fakten sehen, erklärten deren Vertretungen an der Versammlung.

Das Misstrauen kommt nicht von ungefähr. Es gründet in einem unglücklichen Lokalwechsel des Jugendfürsorgevereins. Die Beratungsstelle zog 2013 ins Zufiker Sonnengut, der JFV fand jedoch keinen Nachmieter für die bisherigen Lokalitäten an der Zugerstrasse in Bremgarten. Für die nicht (mehr) genutzten Räumlichkeiten sind bis im Juni 2017 jährlich 45 000 Franken fällig. Diese Sache sorgte für einigen Wirbel und den Austritt mehrerer Gemeinden. So kam der JFV finanziell erst recht ins Trudeln, was letztlich in die am Donnerstag beschlossene Auflösung gemündet hat (siehe Box).

Gemeinden müssen zahlen

Die mit dem Beschluss der ausserordentlichen Mitgliederversammlung am Donnerstag eingeleitete Liquidation des Jugendfürsorgevereins Bezirk Bremgarten (JFV) kostet rund 184 000 Franken. Darin inbegriffen ist der Mietzins, der noch bis 2017 für die (leerstehenden) Räumlichkeiten an der Zugerstrasse berappt werden muss. Damit das Geld reicht, wurde von der Versammlung die Bildung einer zusätzlichen Rückstellung von 90 000 Franken beschlossen. Für die ordentliche Auflösung des Vereins wurde mit Rolf Fäs von der BDO AG ein Liquidator gewählt. Dem Liquidationsbeschluss wurde von 21 der 24 anwesenden Stimmberechtigten zugestimmt. (to)

KESD muss nicht zahlen

Der Kindes- und Erwachsenenschutzdienst wird zukünftig zwar die Dienstleistungen des Vereins Jugendfürsorge erbringen, aber keine finanziellen Verpflichtungen des Vereins übernehmen. Die bisherigen KESD-Gemeinden sollen laut dem an der Versammlung präsentierten Konzept, welches eine speziell gebildete Arbeitsgruppe in den letzten Monaten ausgearbeitet hat, durch die Integration und vor allem durch die Ausweitung des bisherigen JFV-Angebots nicht zusätzlich belastet werden. Weil die Organisation insgesamt wächst, wird allerdings der Sockelbeitrag leicht steigen.

Die Ausweitung des Dienstleistungsangebots betrifft die sogenannte immaterielle Hilfe im Bereich der Beratung für Jugendliche und Familien. Ein solches Angebot anzubieten, ist gesetzlich für jede Gemeinde vorgeschrieben. Geleistet hat diese Beratungen bisher der JFV, in den Statuten des KESD ist dieses Angebot nicht aufgeführt. Damit letztlich nur jene KESD-Gemeinden dafür bezahlen müssen, die dieses Angebot künftig auch nützen, will man für diesen Bereich künftig eine Spartenrechnung führen. Das heisst, die Kosten für die Familienberatung werden separat ausgewiesen und nur jenen Gemeinden berechnet, welche die Dienstleistung in Anspruch nehmen.

Streng rechtlich setzt das Anbieten von Beratung im Rahmen der immateriellen Hilfe durch den KESD eine Statutenänderung voraus. Weil es aber eilt und die betroffenen Hilfsbedürftigen ab 1. Januar nicht im Regen stehen sollen, hat man diese hinausgeschoben. Sie soll aber laut Vorstand zügig angegangen werden.

Renato Sanvido, der das neue Budget vorstellte, erklärte zudem: «Wenn wir nicht vorwärtsmachen, laufen wir auch Gefahr, dass die Fachkräfte vom JFV abwandern. Diese brauchen wir aber unbedingt, wenn wir die zusätzlichen Dienstleistungen anbieten wollen.»

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