Muri
Sonst erntet er 8000 Kilo Kirschen, dieses Jahr sind zwei Drittel der Chriesi erfroren

Die Frostnächte im April richteten in der Landwirtschaft teilweise grosse Schäden an. Landwirt Stefan Frey konnte nun zwar mit der Ernte beginnen, doch: die Qualität ist gut, die Quantität miserabel

Toni Widmer
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Obstbauer Stefan Frey beim Kirschenpflücken in seiner Plantage im Murianer Gebiet Greuel – die Ernte ist deutlich geringer als in früheren Jahren.

Obstbauer Stefan Frey beim Kirschenpflücken in seiner Plantage im Murianer Gebiet Greuel – die Ernte ist deutlich geringer als in früheren Jahren.

Toni Widmer

Rund 8000 Kilo Tafelkirschen kann der Murianer Stefan Frey in einem normalen Jahr in seiner Plantage im Gebiet Greuel pflücken. Dieses Jahr ist es noch rund ein Drittel. Eine Folge der Frostnächte im April: «Damit muss man als Obstbauer leben. Die Kirschenplantage ist nur ein Standbein auf unserem Hof, und ich arbeite zum Glück nebenbei noch auswärts.» Der Ernteausfall – Frey spricht von mehreren 10 000 Franken, die in einer einzigen Nacht vernichtet wurden – sei zwar schmerzlich, aber keine existenzielle Bedrohung. Immerhin könne er bei den Kirschen noch etwas ernten. Bei seiner Birnenplantage müsse er für dieses Jahr mit einem Totalausfall rechnen.

Es gibt keine Versicherung

Stefan Frey ist nicht allein. Der Schweizer Obstverband schätzt, dass dieses Jahr in der Schweiz lediglich etwa 809 Tonnen Kirschen gepflückt werden können. Das entspricht lediglich 25 Prozent einer normalen Ernte.

Die Ernteausfälle müssen die Obstbauern selber tragen: «Gegen Frostschäden können wir unsere Kulturen nicht versichern», sagt Stefan Frey. Und eine mechanische Vorsorge sei nur schwer machbar: «Wir haben die Möglichkeit in Betracht gezogen, die Kulturen mit Frostkerzen zu schützen. Aber erstens waren diese bereits ausverkauft, und zweitens hätten wir dafür pro Frostnacht mit Kosten zwischen 5000 und 7000 Franken rechnen müssen. Ob sich diese Investition dann letztlich auch gelohnt hätte, muss offenbleiben.»

Hagel und Vögel sind chancenlos

Für andere Naturereignisse ist die 2009 erstellte, 8000 Quadratmeter grosse Kirschenplantage jedoch gut gewappnet. Gepflanzt hat Frey 520 sogenannte Kirschspindeln. Diese werden nur rund vier Meter hoch und können mit Netzen und Folien vor Regen und Hagel sowie vor Vogelfrass in der Erntezeit geschützt werden. Für den Bauern hat die Niederstammkultur weitere Vorteile: «Unsere Erntehelfer müssen nicht auf Leitern steigen, sie können die Kirschen vom Boden aus pflücken. Das vermindert die Unfallgefahr bei der Ernte massiv», erklärt Frey.

Erntezeit deutlich kürzer

Seine Kirschen – in der Plantage wachsen sieben verschiedene Sorten – sind wegen des warmen Frühlings in diesem Jahr rund zehn Tage früher reif als üblich. Die Erntehelferinnen und -helfern sind schon tüchtig im Einsatz. Zudem verkürzt sich die Erntezeit wegen der anhaltenden Hitze von normalerweise sechs auf rund drei bis vier Wochen. Für Stefan Frey nicht nur ein Nachteil: «So können wir die Kirschen in unseren Hofläden noch vor den Sommerferien anbieten, das ist gut für den Absatz.»

Verkauft werden die Chriesi im eigenen Hofladen in Muri und in jenem der Familie Vollenweider in Benzenschwil. Einen Teil der Ernte liefert er an die Obsthalle Sursee. Weitere Infos: www.stefanfrey.ch.

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