«Das Wesen und die Bedeutung der heiligen Beichte.» – Vorträge zu solchen und ähnlichen Themen findet man im Programm der Frauengemeinschaft Oberwil-Lieli nicht mehr. Heute gibt es Anlässe wie Kochkurse und Führungen. «Es besteht nicht mehr der Anspruch, jeden Monat etwas besonders Frommes anzubieten», sagt Barbara Weinbuch, Vorstandsmitglied der Frauengemeinschaft.

Die Zeiten und die Themen haben sich geändert, nicht aber die grundmenschlichen Bedürfnisse nach Austausch, Begegnung und Nähe der Frauen. Es sei das Netzwerk von Frauen, die miteinander das Leben teilen, das Verbundensein miteinander, was die Frauengemeinschaft ausmache, führt Weinbuch weiter aus.

«Wir leben im Augenblick, wollen das ‹Jetzt› gut gestalten, wir nehmen jedes Jahr, wie es kommt», erklärt Barbara Weinbuch. Der Verein stehe gut da und habe eine konstante Zahl von rund 60 Mitgliedern. Mal seien es etwas mehr, mal etwas weniger. 1990 sei diesbezüglich ein ungewöhnliches Jahr gewesen, da habe man 13 neue Mitglieder gewonnen, das komme heute leider nicht mehr vor.

Sonntags daheim bleiben

Dass sich die Frauen so selbstverständlich versammeln dürfen, wie sie das heute können, war nicht immer so. Als 1955 der konservative Pfarrer Ernst Trost in die Gemeinde kam, verbot er den Frauen die sonntäglichen Zusammenkünfte. Er befand, dass die Frauen dann zu Hause bei ihren Familien bleiben sollten, das gehöre sich so. Der nächste Pfarrer hat diese strenge Praxis dann zur Freude der Frauen aber doch wieder gelockert.

Aus den drei Vereinen Marianische Jungfrauenkongregation, dem Mütterverein und dem Frauenbund, der 1944 gegründet wurde, entstand ab etwa 1945 die Frauengemeinschaft, wie sie heute noch existiert. Ab diesem Datum sind gemeinsame Vorstandssitzungen protokolliert. 1946 wurde ein Monatsbeitrag von 20 Rappen beschlossen. Die Frauen waren immer zur Stelle, wenn es etwas zu tun gab.

1947 stand die Renovation der Kirche an und dafür wurde Geld benötigt. Die Vereinsmitglieder strickten, bastelten, buken und erwirtschafteten an einem Basar einen Reinerlös von 6000 Franken. Zwei Jahre später, 1949, mussten neue Kirchenbänke angeschafft werden. Auch dafür legten sich die Frauen wieder mächtig ins Zeug und erzielten – wiederum an einem Basar – einen Reingewinn von über 7400 Franken. Das war eine Menge Geld für die damalige Zeit.

Vom Hochwasser überrascht

Verena Schillig, 71, ehemaliges Vorstandsmitglied von 1995 bis 2003, kann sich noch an ein paar Höhepunkte und Anekdoten der vergangenen Jahre erinnern. So seien sie einst zu einer Maiandacht mit dem Car nach Boswil gereist und hätten anschliessend noch das Zusammensein in einem Gasthaus in Geltwil genossen. Auf dem Heimweg seien sie dann vom Hochwasser überrascht worden.

Weil die Reussbrücke in Rottenschwil nicht mehr passierbar gewesen sei, habe man einen längeren Umweg fahren müssen. Eine lustige Anekdote erzählt Schillig auch von einem Ausflug auf den Klausenpass. Dort hätten die Frauen nach der Mittagsrast den Carchauffeur suchen müssen und wecken – er hatte sich auf einer Wiese schlafen gelegt.

Zu einem besonderen Höhepunkt im Jubiläumsjahr soll ein Festgottesdienst im September werden. Das Thema ist noch offen, der Akzent soll aber auf Frauenanliegen gesetzt werden. Die Idee ist es, auf irgendeine Weise den Frauen in der Bibel besondere Beachtung zu schenken. Der Gottesdienst wird vom Jodelchor Mellingen umrahmt werden, und geplant ist auch ein anschliessender Apéro riche.

«Es ist ein schönes Zusammenarbeiten im Vorstand, wir haben alle unterschiedliche Talente und Begabungen und ergänzen uns wunderbar», hält Ursula Fleischli vom Vorstand fest. Das sind gute Voraussetzung dafür, dass die Frauengemeinschaft Oberwil-Lieli noch lange bestehen bleibt.