Zum Tag des Schweizer Biers
Sommelier erklärt die Vorzüge von Freiämter Bier-Spezialitäten

Heute feiern wir den Tag des Schweizer Biers. Bier-Sommelier Marcel Riesen hat für uns aus diesem Anlass verschiedene Freiämter Bierspezialitäten degustiert.

Dominic Kobelt (Text)und Chris Iseli (Fotos)
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Toastig, mit Röstaromen, Zitrusnoten oder Schokolade – ein Bier kann viele Aromen mitbringen. Zum heutigen Tag des Schweizer Biers liessen wir Freiämter Bierspezialitäten vom Bier-Sommelier Marcel Riesen aus Bünzen degustieren. Auf eine Bewertung wurde bewusst verzichtet – «es ist schliesslich auch Geschmackssache», sagt Riesen. Kommt hinzu, dass nicht alle Menschen dasselbe schmecken: «Wenn zum Beispiel ein Koch den ganzen Tag Bouillon zubereitet, dann wird er diesen Geruch ausblenden und ihn nicht mehr wahrnehmen, wenn er am Bier riecht», erklärt Riesen.

Rund 80% des Geschmacks würden über die Nase aufgenommen, erklärt der Experte. Die Gläser, die er zur Degustation verwendet, sind deshalb auch keine Stangen-Gläser, sondern haben eine Tulpen-Form. «Das bewirkt, dass die Flüssigkeit eine grosse Oberfläche hat, wenn man das Glas schräg hält. So kann man den Geschmack gut aufnehmen.» Wer also ein Bier wirklich geniessen möchte, sollte es nicht aus der Flasche trinken. «Allerdings hat ein leichtes Lager auch keinen sehr komplexen Geruch. Um den Durst zu löschen, muss man nicht zwingend ein Glas verwenden.»

Bierwelt im Umbruch

Wer die Freiämter Biere im Restaurant geniessen möchte, der wird längst nicht in jeder Beiz fündig – so ist das Hauptabsatzgebiet für das Villmerger Erusbacher Bräu die Stadt Zürich. «Ich schätze, dass sich in unserer Region viele Biertrinker das Lagerbier gewohnt sind», meint Riesen. Im vergangenen Herbst hat er im Chillout in Boswil eine Degustation organisiert, der Rücklauf war eher enttäuschend. Trotzdem: «Seit das Bierkartell nicht mehr besteht, kommt Bewegung in die Sache, das sieht man daran, dass viel gebraut wird, oft auch nur für den Eigenbedarf.» Riesen gibt sein Wissen weiter, hält Referate, Braukurse oder berät Restaurants bei der Bier-Auswahl. Unter den jüngeren Biertrinkern gebe es eher das Verlangen, etwas Neues zu probieren, sagt er.

Schweizweit sind heute über 500 Brauereien aktiv. Die grössten zwanzig würden aber rund 95% des Umsatzes unter sich aufteilen. «Das Dosenbier von der Tankstelle wird wesentlich öfter getrunken als lokale Spezialitäten.» In den kleinen Brauereien steckt viel Idealismus, seinen Lebensunterhalt mit Bierbrauen zu verdienen, sei eine Herausforderung, erklärt Riesen. Ein Unterschied zwischen grossen und kleinen Brauereien: «Die grossen Produzenten überwachen den Brauprozess stärker, damit das Bier immer gleich schmeckt – die Frage ist, ob es das muss.»

Wer sich also auf ein neues Geschmackserlebnis einlassen möchte, der wird im Freiamt durchaus fündig. Was gilt es bei der Auswahl des Bieres zu beachten? «Das Bier sollte das Essen unterstützen. Entweder man geht mit dem Geschmack in die gleiche Richtung, oder man wählt etwas Gegensätzliches.» Ein Geheimtipp vom Experten: Ein Stück Zartbitterschokolade zu einem kräftigen Bier, wie etwa das Frühlingsbock von Erusbacher Bräu.

Und was für eine Temperatur hat das Bier idealerweise? «Leichte Biere serviert man bei etwa 5 Grad. Sehr dunkle Biere, die einen hohen Alkoholgehalt haben, dürfen bis zu 13 Grad warm sein. Man trinkt sie nicht als schnellen Durstlöscher, sondern wie Wein.»

Bierkultur fördern

Obwohl sich der Freiämter mit Bier sehr gut auskennt, bleibt es für ihn ein Hobby – seinen Lebensunterhalt verdient er in der Eisengussbranche. Wenn er allerdings von seiner Ausbildung zum Bier-Sommelier erzählt, strahlen seine Augen. «Da hat sich ein Universum geöffnet.» Sieben Tage lernte Riesen die Grundlagen über Wasser, Hopfen, Malz, über die Schweizer Bierszene, die Geschichte des Biers, über Trends und die verschiedenen Bierstile. Und natürlich wurde auch degustiert und die Sensorik geschult. Im Anschluss wurden die Probanden einen Tag lang geprüft. Zusätzlich hat Riesen die Ausbildung Diplom-Biersommelier bei Doemens in München gemacht.

Mit seinem Wissen möchte Riesen im Freiamt die Bierkultur fördern: Im Herbst möchte er eine Degustation im Restaurant Hirschen in Bünzen organisieren, ebenfalls in Planung ist ein Hirschen-Bier. Ein Bier-Kochkurs und eine regelmässig stattfindende Bier-Reise sind ebenfalls Projekte, die Riesen gerne umsetzen würde.

Was ist denn das Wichtigste, wenn man ein Bier probiert? «Dass man möglichst unvoreingenommen ist.» Wer jetzt durstig ist und sich über die Angebote von Marcel Riesen informieren möchte, kann das unter www.beer-cool-tour.ch.

Lindenberg Bräu: Huus-Bier

Lindenberg Bräu: Huus-Bier

Chris Iseli

Duft/Aussehen: Lindenbergbräu Huusbier hat eine schöne Schaumkrone, ein naturtrübes Bier, in der Nase dominiert Hefe, es ist nur leicht gehopft. Es riecht leicht nach Gewürzen, Zitrone, nach Getreide und Früchten.
Geschmack: Es beinhaltet Weizenmalz, es geht Richtung Witbier (wie z. B. das belgische Hoegaarden). Eine recht deutliche Säure, die gut zum Zitrusduft passt, es ist erfrischend, mit einer leichten Bitternote, ein natürlicher Geschmack und viel Kohlensäure.
Essen: Lauchgerichte, fruchtigen Desserts, Speisen mit Zitrusaroma.

Reuss Schlaufe Naturtrüb

Reuss Schlaufe Naturtrüb

Chris Iseli

Duft/Aussehen: Das Reussschlaufe-Bier ist naturtrüb und hat einen leicht cremefarbigen Schaum, riecht malzig, toastig, mit leichten
Röstaromen.
Geschmack: Ein Bier, das sich als Durstlöscher, aber auch zum Geniessen eignet. Der Geschmack ist Ale-ähnlich, es hat wenig Kohlensäure. Ein wohltuender Abgang, süffig, die toastige Note kommt gut hervor. Das Bier hat wenig Hopfen, es ist eher malzbetont.
Essen: Zu gutbürgerlicher Schweizer Küche, würzigem Poulet.

Lindenberg Bräu: Rauch-bier

Lindenberg Bräu: Rauch-bier

Chris Iseli

Duft/Aussehen: Das Rauch-Bier von Lindenberg Bräu hat eine schöne Schaumbildung, der Rauch dominiert. Leichter Duft nach Röstmalz mit einer Holznote.
Geschmack: Man erwartet ein schweres Bier, es ist aber eher leicht und wässrig, hat reichlich Kohlensäure, hat einen rauchigen Geschmack, wie man ihn von rauchigen Whiskys kennt.
Essen: Für sich alleine, zu einer Zigarre, zu geräuchten Gerichten.

Erusbacher Bräu: Iis Bier

Erusbacher Bräu: Iis Bier

Chris Iseli

Duft/Aussehen: Das Erusbacher Iis-Bier riech ganz leicht nach Caramel, der Malzkörper überwiegt, auch Stroh- und Grasnoten sind auszumachen. Ein filtriertes, untergäriges Bier.
Geschmack: Ein leichtes Bier, mit Lagerbiercharakter. Beim Trinken tritt nur eine leichte Säure zum Vorschein, es ist spritzig und sprudelnd. Ein mehrheitsfähiges Bier gegen den Durst.
Essen: Eignet sich als Apéro, zu leichten, nicht zu stark gewürzten Speisen, Salat.

Erusbacher Bräu: Frühlingsbock

Erusbacher Bräu: Frühlingsbock

Chris Iseli

Duft/Aussehen: Das Erusbacher Frühlingsbock hat einen grobporigen, leicht cremefarbenen Schaum, ein unfiltriertes Bier, mit komplexem, ausgewogenem Duft.
Geschmack: Es schmeckt mild, getreidig, nach Caramel, Röstmalz und Honig, ein feiner Ovo-Geschmack. Es ist sanft gehopft. Es geht in Richtung Ale, hat wenig Kohlensäure, im Gaumen kommt deutlich die Süsse zum Vorschein.
Essen: Zu Zartbitterschokolade, zu dunklem Fleisch wie Braten, zu schweren, eher fettigen Gerichten.

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