Jonen

Solaranlage auf Scheunendach produziert Strom für zwölf Haushalte

Doris und Robert Haas: «Es ist ein gutes Gefühl, umweltfreundlichen Naturstrom zu produzieren.»

Doris und Robert Haas: «Es ist ein gutes Gefühl, umweltfreundlichen Naturstrom zu produzieren.»

Doris und Robert Haas betreiben in Jonen seit letztem Dezember eine Photovoltaikanlage – der Entscheid zum Bau fiel eine Woche vor Fukushima.

Es ist früher Nachmittag, die Sonne scheint vom nicht ganz wolkenlosen Himmel. Ein idealer Tag, um die Sonnenenergieanlage von Doris und Robert Haas in Jonen zu besuchen. Die 300 Quadratmeter grosse Photovoltaikanlage auf dem Scheunendach ist seit Dezember 2011 in Betrieb und produziert Solarstrom für zwölf Haushalte in Jonen.

Da das gesamte Dach durch die Anlage überdeckt wird, fällt sie kaum auf. «Die Scheune steht genau richtig. Das Dach ist nach Süden gerichtet und weist eine Neigung von 30 Grad auf. Also optimal um Solarstrom zu erzeugen», freut sich Robert Haas.

Weil mit der Scheune die nötigen Voraussetzungen gegeben waren, informierte sich Robert Haas an Veranstaltungen über Solarenergie und besuchte Landwirte, die bereits solche Anlagen betreiben. Schliesslich entschieden sich er und seine Frau Doris für eine Photovoltaikanlage – eine Woche vor der Atomkatastrophe im japanischen Fukushima.

Das Bewilligungsverfahren verlief ohne Probleme, da sich der Hof in der Landwirtschaftszone befindet. Im Joner Dorfkern ist der Bau von Photovoltaikanlagen jedoch nicht erlaubt.

Anlage in zwei Wochen montiert

Innerhalb von zwei Wochen war die Anlage installiert. 232 Module wurden auf dem Dach montiert, in der Scheune drei Wechselrichter angebracht, Stromleitungen durch die bereits vorhandenen Rohre gezogen und am Hausverteiler ein zusätzlicher Zähler montiert. «Kein Graben, kein Beton, kein Quadratmeter Landverlust», betont Robert Haas.

Der auf dem Scheunendach produzierte Gleichstrom wird in die Wechselrichter geleitet, dort in Wechselstrom umgewandelt und gelangt schliesslich ins Wohnhaus. Was die Familie Haas nicht benötigt, wird ins Stromnetz geleitet. Umgekehrt gelangt der Strom vom Netz zum Hof, wenn nicht genügend Solarstrom produziert wird.

Die Erwartungen übertroffen

Seit Dezember 2011 ist die Photovoltaikanlage, die jährlich eine Leistung von 52000 Kilowattstunden erbringt, in Betrieb und produziert Naturstrom für zwölf Haushalte in Jonen. In dieser Jahreszeit arbeitet die Anlage von 6.30 Uhr bis 20.30 Uhr, mit reduzierter Leistung auch bei bedecktem Himmel oder Regen. Per Computer lassen sich Ertragskurven, Statistiken und vieles mehr abrufen. «Ich kann mich laufend über die aktuelle Leistung der Photovoltaikanlage auf dem Dach informieren», erklärt Haas weiter.

So konnte er feststellen, dass im Monat März mehr Solarstrom erzeugt wurde, als dies beispielsweise für den Sommermonat Juli erwartet werden kann. Auch dass im Winter an zwei halben Tagen kein Strom produziert wurde, da die Anlage mit Schnee bedeckt war. «Der Schnee rutscht schnell weg und reinigt gleich noch die Module», hat Haas festgestellt.

Auf der Warteliste des Bundes

Um in den Genuss der kostendeckenden Einspeisevergütung (KEV) zu kommen, musste Robert Haas seine Photovoltaikanlage beim Bund anmelden. Zurzeit werden jedoch keine Zahlungen geleistet, da die vorhandenen Mittel erschöpft seien. «Wir sind auf der Warteliste, wie Tausende andere Naturstromproduzenten», meint er kurz. Derzeit verkauft Haas seinen Strom bei der Naturstrombörse. Diese fördert Produktion und Verkauf von Naturstrom aus Solar-, Wind-, Wasser- und Biogasanlagen.

Auf der Website www.naturstromboerse.ch können Interessierte mithilfe einer Landkarte feststellen, wo in ihrer Umgebung welche Art von Naturstrom erzeugt wird und diesen per Mausklick direkt beim Naturstromproduzenten einkaufen.

Im letzten Jahr bezogen lediglich 7 der rund 900 Haushalte bei der Elektra Jonen den etwas teureren Naturstrom. Mit dem «dorfeigenen» Solarstrom hat sich die Zahl auf 20 erhöht, was den innovativen Landwirt Robert Haas freut. «Dies ist zwar ein kleiner Schritt, aber ein Umdenken findet allmählich statt.»

Mit der Photovoltaikanlage auf dem Scheunendach möchte die Familie Haas einen eigenen Beitrag an die zukünftige natürliche Stromproduktion in der Schweiz leisten. «Es ist ein gutes Gefühl zu wissen, dass der tägliche Strombedarf sauber und umweltfreundlich produziert wird», freut sich Robert Haas.

Zwei Anlagen bewilligt

Gemeindeammann Béatrice Koller teilt mit, dass Einwohner von Jonen bisher zwei Gesuche für den Bau von Photovoltaikanlagen eingereicht hatten und diese auch bewilligt wurden. «Wir sind offen für Solarstrom, doch ist der Joner Dorfkern geschützt, sodass wir nur in beschränktem Masse Bewilligungen erteilen können», betont Béatrice Koller.

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