Wohlen
«Sofortiger Ausstieg aus der Kernenergie ist unrealistisch»

Die Industriellen Betriebe Wohlen AG (IBW) empfehlen umweltfreundliche Energieträger und effiziente Geräte, um die Umwelt zu schonen und zu schützen. Ein sofortiger Ausstieg aus dem Atomstrom sei unrealistisch, sagt Geschäftsführer Peter Lehmann.

Jörg Baumann
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Keystone

Für die Industriellen Betriebe Wohlen AG kommt der schnelle Ausstieg aus der Kernenergie nicht infrage. Dieser sei unrealistisch, sagte Geschäftsführer Peter Lehmann an der zehnten Generalversammlung des Unternehmens. Stattdessen fördere die Firma «im grossen Stil» vorhandene umweltfreundliche Technologien der Energiegewinnung und behalte die Entwicklung neuer Technologien im Auge.

Ausschlaggebend sei, dass die Kundschaft effiziente Geräte kaufe und die abgegebene Energie sinnvoll anwende, erklärte Lehmann. Um mit ihrer Strategie glaubwürdig zu sein, setzten die IB Wohlen AG stärker denn je auf den Verkauf von Ökostrom aus Wind- und Wasserkraft sowie Sonnenenergie.

Ökostrom im Vormarsch

Nach der AKW-Katastrophe in Japan müsse man «weltweit umdenken», betonte IBW-Verwaltungsratspräsident René Meier. Aber dennoch müsse man «vernünftig bleiben». Mit ihrem Angebot an alternativen Energieträgern wie dem Erdgas und dem Ökostrom seien die Industriellen Betriebe gut aufgestellt. Er sei davon überzeugt, dass der Ökostrom noch einen gewaltigen Aufschwung nehmen werde.

Gar nicht zufrieden zeigte sich Meier über den Verlauf, den die Öffnung des Strommarkts in der Schweiz im vergangenen Jahr genommen hat. Leider werde der Markt nun strengstens reguliert statt von seinen Zwängen befreit. Das bringe für die Industriellen Betrieben Wohlen einen grossen administrativen Aufwand mit sich.

Stromverbrauch steigt

Im Absatzgebiet der IB Wohlen AG stieg der Stromabsatz im vergangenen Jahr um 2,8 Prozent auf 72,3 Millionen Kilowattstunden (in der Schweiz um 4 Prozent). Davon bezogen die Kunden 2,3 Millionen Kilowattstunden Ökostrom, was 2,3 Prozent des Stromverbrauchs ausmacht – 69 Prozent mehr als 2009.

Der Erdgasverkauf nahm um 14,2 Prozent auf 135 Millionen Kilowattstunden zu. 1,5 Millionen Kilowattstunden oder 1,2 Prozent des gesamten Absatzes wurden als Autotreibstoff verkauft. Mit der Firma Alporit AG in Boswil konnten die IBW einen neuen, potenten Erdgaskunden für sich gewinnen. Wer Erdgas verbrauche, vermeide grosse Mengen an Schadstoffen, betonte Lehmann. Der Wasserverbrauch stieg um 1,2 Prozent auf 1,2 Millionen Kubikmeter und betrug 186 Liter pro Person.

Uneinigkeit über Dividende

Das Unternehmen erzielte 2010 einen Umsatz von 32,1 Millionen Franken, eine halbe Million mehr als letztes Jahr, und ein konsolidiertes Jahresergebnis von 1,9 Millionen Franken. Die Gemeinde Wohlen als Alleinaktionärin beanspruchte eine Dividende von 12 Prozent, die IB Wohlen AG wollte ihr 8 Prozent (letztes Jahr 10 Prozent) zugestehen.

Die Gemeinde setzte sich mit ihrem Antrag durch. Verwaltungsratspräsident René Meier monierte, das Unternehmen möchte die erwirtschafteten Mittel lieber wieder selber in die Firma investieren. Leider dienten die IB Wohlen AG mit dieser hohen Dividende nun als «Löcher stopfendes Finanzunternehmen». Gemeinderat Toni Schürmann versuchte, als Vertreter der Aktionärin, Meier zu beruhigen: Die Gemeinde lasse die Industriellen Betriebe «nicht ausbluten». Das Unternehmen sei auch weiterhin «gut kapitalisiert». Einigkeit herrschte schliesslich bei der Wiederwahl des Verwaltungsrates. Dieser wurde für ein weiteres Jahr bestätigt.