Bremgarten
So wurden Hexen durch das Reussstädtchen gejagt

Es war wie anno dazumal: An einer Stadtführung wurden die Besucherinnen und Besucher ins Mittelalter versetzt und dabei originell über Hexenverfolgung, Zwangsarbeit, Ehren- und Todesstrafen informiert.

Dominic Kobelt
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Die Hexe wartet auf ihr Urteil, während der Schultheiss verliest, was ihr vorgeworfen und in welchen Punkten sie schuldig befunden wird.

Die Hexe wartet auf ihr Urteil, während der Schultheiss verliest, was ihr vorgeworfen und in welchen Punkten sie schuldig befunden wird.

Dominic Kobelt

Hunderte Schaulustige versammelten sich am Freitagabend in der Bremgarter Altstadt. Vor der Menge sass eine verängstigte Frau in einem Leiterwagen, ihre Hände und ihr Kopf waren mit einem Brett fixiert.

«Verbrennt die Hexe!», rief eine Frau aus der Menge. Der Schultheiss musste die Schaulustigen immer wieder zur Ruhe aufrufen. Neben ihm stand der Scharfrichter, sein Gesicht durch eine schwarze Kapuze bedeckt, in der Hand eine zweischneidige Axt, bereit, sein grausames Werk zu verrichten.

«Sie ist an meinem Haus vorbeigegangen, und bald darauf hat meine Kuh saure Milch gegeben», rief eine aufgebrachte Bäuerin. Aber es war zu spät, um noch weitere Anklagen wegen Hexerei vorzubringen.

Die Frau war nach ein paar Tagen im Hexenturm mit Daumenschrauben teilweise geständig. Schliesslich wurde das lang erwartete Urteil verkündet:

Weil sie offenbar lange versucht habe, gegen die Macht des Bösen anzukämpfen, fiel das Urteil milde aus: Tod durch Enthauptung. Viele waren enttäuscht. Sie hätten die Hexe lieber auf dem Scheiterhaufen brennen sehen.

Die Stadtführung durch Bremgarten fand grossen Anklang. Die Stadtführergruppe Bremgarten schaffte es, Fakten über Hexenverfolgung, Zwangsarbeit, Ehrenstrafen und Todesstrafen eindrücklich zu vermitteln. An den vier Schauplätzen wurden nicht einfach trockene Informationen heruntergelesen, sondern Wissenswertes mit kleinen Schauspieleinlagen illustriert.

So fand vor dem Rathaus ein Gerichtsprozess statt, in dem ein Mörder verurteilt wurde, auf dem Schellenhausplatz brach eine Gefängnisrevolte aus, und vor dem Spittelturm wurden Ehrenstrafen vollzogen. Zum Schluss wohnte die Menge einem Hexenprozess bei.

So konnten sich die heutigen Bremgarterinnen und Bremgarter in die damalige Zeit zurückversetzen. Zwischen 1574 und 1668 wurden vom Stadtgericht Bremgarten zwölf Frauen und ein Mann als Hexen angeklagt und hingerichtet.

Auch die Meuterei hat tatsächlich stattgefunden. 1842 weigerten sich die Arbeitshäftlinge des Schellenhauses, zur Arbeit auszurücken und mussten mit Gewehren in Schach gehalten werden.

Die Rädelsführer wurden schliesslich mit Stockschlägen bestraft, und die Wachtmannschaft wurde für ihr mutiges Verhalten mit einer Gratifikation belohnt. Die Gefangenen kamen beispielsweise beim Strassenbau zum Einsatz. So wurde eine Strasse zwischen Bremgarten und Hermetschwil von Häftlingen
gebaut.