Bildung

So wirkt Wohlen dem Mangel an Naturwissenschaftlern entgegen

Biologielehrer Erich Bühlmann beobachtet Vanessa Janknecht (links) und Laura Wertli bei ihren Wasseruntersuchungen.

Biologielehrer Erich Bühlmann beobachtet Vanessa Janknecht (links) und Laura Wertli bei ihren Wasseruntersuchungen.

Das Wohler Trinkwasser ist sauber: Das haben 31 Schülerinnen und Schüler an der Kantonsschule Wohlen herausgefunden. Sie arbeiten in einem Forscherteam im Akzentfach Enatech zusammen.

Letztes Jahr führte die Kantonsschule Wohlen das neue Akzentfach Enatech (Experimentelle Naturwissenschaften und Technologie) ein. Seitdem ist an der Schule ein wahres Forscherfieber ausgebrochen. Enatech verbindet Wissenschaften und Technologie in vier Disziplinen: Chemie, Mathematik/Informatik, Chemie und Biologie. «Das grosse Interesse am neuen Fach hat uns alle überrascht. Nächstes Jahr rechnen wir mit noch mehr Teilnehmern. Es liegen bis heute 40 Anmeldungen vor», erklärt Prorektor Waldemar Feller, der an der Schule Physik und Mathematik unterrichtet.

Die Begeisterung, einmal interdisziplinär zusammenarbeiten zu dürfen, ist gross, obwohl die Schülerinnen und Schüler nicht einfach zweckfrei experimentieren dürfen, sondern für ihre Leistungen auch Noten erhalten. Naturwissenschaftliche Experimente haben für Feller ihre Berechtigung. «Die Technik bestimmt heute unseren Alltag», sagt der Prorektor. «Praktisch alle Schüler haben ein Handy oder ein iPhone und profitieren von der Technik.» Tatsächlich steckt die Technik aber nicht bloss im Handy, sondern schon in einer einfachen Handzahnbürste oder einer Nagelschere - also in Produkten, in denen man sie nicht vermutet.

Naturwissenschaftler gesucht

Eine altbekannte Tatsache: Der Schweiz gehen die Naturwissenschafter aus. Nur jeder Fünfte ergreift ein naturwissenschaftliches Studium. Der Nachwuchsmangel bei den Ingenieuren, Technikern, Chemikern und Physikern ist gross. «Enatech ist die Wohler Antwort auf das Problem», bemerkt Feller. «Wir können den Nachwuchsmangel nicht allein beseitigen, aber wir wollen unseren Beitrag leisten.» Für genügenden Nachwuchs könnten schon die Bezirksschulen sorgen, sagt Feller. Ginge es nach ihm, müsste man schon in den oberen Volksschulklassen mehr auf die naturwissenschaftlichen Fächer setzen. Aber davon ist man nach Fellers Vorstellungen noch zu weit entfernt.

Es kursiert das Klischee, dass sich Frauen weniger für die Naturwissenschaften begeistern als die Männer. An der Kantonsschule Wohlen spürt man davon nichts. Von den 31 Schülern, die am Enatech-Unterricht teilnehmen, sind die Hälfte Frauen - und das an einer Schule, in der die Frauen zwei Drittel aller Schüler ausmachen.

Trinkwasser Wohlen ist sauber

Chemielehrer Hansjörg Künzler hat eine ganze Batterie von reinen und trüben Wässerlein aufgebaut, die die Schülerinnen und Schüler untersuchen sollen. Schnell zeigt sich der Befund: Das Wohler Trinkwasser ist sauber, das Wasser aus dem Teich neben dem Schulhaus ist stark verschmutzt, jenes aus der Bünz hat fast Trinkwasserqualität.

Auf jeden Fall tummeln sich in der einst dreckigen Bünz seit Jahren wieder Fische und Krebse. Im Biologieunterricht bei Erich Bühlmann blicken die Schülerinnen Vanessa Janknecht und Laura Wertli durch die Mikroskope. «Huu, was ist das?», ruft Vanessa Janknecht aus. Sie hat ein paar Tropfen Wasser aus dem Teich auf den Objektträger geträufelt und betrachtet ein Heer von Kleinstlebewesen. Bühlmann: «Im belasteten Wasser ist die Planktonvielfalt klein, im nicht belasteten viel grösser. Das sehen die Schüler nun im vergrösserten Massstab.»

Im Enatech-Unterricht proben die Schülerinnen und Schüler den Alltag eines Naturwissenschafters: «Chemie findet nicht dort statt, wo es «tätscht und chlöpft», betont Hansjörg Künzler. «Naturwissenschaftliche Untersuchungen sind oft langwierig und brauchen viel Geduld.» Die Messungen müssten oft wiederholt werden, erklärt Erich Bühlmann. «Es braucht viel Geduld, wenn man eine Entwicklung verfolgen will.» Wer sich mit den Naturwissenschaften befasse, dürfe nicht zahlengläubig sein, sagt Künzler. «Es gibt immer wieder Messfehler. Man muss mit einem klaren Verstand arbeiten und sich immer wieder fragen: Kann das Resultat, das ich bekommen habe, überhaupt stimmen? Mir geht es darum, den Schülern ein realistisches Bild vom Berufsleben eines Naturwissenschafters zu vermitteln.»

Nach den Grundlagenforschungen steigen die Schüler in die praktische Anwendung ein: «Im nächsten Schuljahr fertigen wir 16 Biogasanlagen im Miniaturformat an», verrät Erich Bühlmann. Jede Anlage soll auf ihre Funktionsfähigkeit getestet werden und einen bis anderthalb Liter Biogas produzieren können. Nach dem gelungenen Experiment soll das Gas in die Luft abgelassen werden. «Das ist für die Umwelt unbedenklich», betont Bühlmann.

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