Hier wurde in den letzten zwei Jahren das Hochwasser-Rückhaltebecken «Schloss» gebaut. Der Schutzdamm ist 15 Meter hoch, 90 Meter breit und hält am Erusbach im Notfall 132 000 Kubikmeter oder 132 Millionen Liter Wasser zurück. So ist Villmergen künftig wirksam vor Hochwasserereignissen geschützt, die statistisch alle 100 Jahr einmal eintreten. Am Hinterbach, der auch durch Villmergen fliesst, besteht seit 2005 das Rückhaltebecken «Drachtenloch», das sich beim Hochwasser von 2007 bestens bewährt hat.

Innert vier Jahren realisiert

Projektleiter Silvio Moser betonte bei der Einweihung des Rückhalte-beckens, es handle sich um ein «sehr bedeutsames Bauwerk für Villmergen.» Gemeindeammann Paul Meyer erinnerte an die Überschwemmungen der Jahre 1994, 1999 und 2007, die in Villmergen Millionenschäden verursachten. «Das imposante Bauwerk, das wir heute einweihen können, wird seine Aufgabe vollumfänglich erfüllen und unsere Gemeinde schützen», freute sich Meyer.

Positiv bewertete er die kurze Realisierungszeit: «Nur vier Jahre nach dem letzten Hochwasser steht der Damm, das zeigt, dass bei diesem Projekt die Praktiker die Oberhand hatten.» Meyer lobte die gute Zusammenarbeit zwischen Gemeinde, Kanton und Wasserbaufachleuten: «Es hat sich gezeigt, dass mit allseitigem Willen auch Projekte möglich werden, die am Anfang schwierig aussehen», erklärte er. Der neue Damm sei eine wirkungsvolle, unkomplizierte Lösung, stellte der strahlende Villmerger Gemeindeammann fest.

Schutzdefizit im Dorf behoben

Norbert Kräuchi, Leiter Abteilung Landschaft und Gewässer, erklärte, mit dem neuen Rückhaltebecken sei das bestehende Hochwasserschutz-defizit in Villmergen behoben. «Im Ernstfall reduziert sich die Wassermenge, die pro Sekunde durch den Erusbach fliesst, um 14 Kubikmeter pro Sekunde», sagte er. Dies entspricht 14 000 Litern, und Kräuchi verglich: «Mit einer Zuleitung dieser Menge könnte man ein 50m-Becken im Schwimmbad in drei Minuten füllen.» Durch das Rückhaltebecken wird der Erusbach künftig bei Hochwasser auf einen Abfluss von 6000

Liter pro Sekunde gedrosselt - diese Wassermenge verursacht am Unterlauf im Dorf keine Schäden. Dort wurden laut Kräuchi weitere Massnahmen ergriffen. «Wir haben unter anderem Brücken erhöht, die Bachsohle abgesenkt, eine neue Blocksteinmauer gebaut und einen Rechen zum Auffangen von Geschiebe eingesetzt», zählte Kräuchi auf. Zusammen mit dem Rückhaltebecken sei damit ein «nachhaltiger Hochwasserschutz für Villmergen» geschaffen worden, fasste Kräuchi zusammen.

In seiner Ansprache wies er auch auf das positive Kosten-/Nutzenverhältnis der Schutzbauten hin. «Wir haben insgesamt 8,6 Millionen Franken investiert, damit reduzieren wir das Schadenpotenzial in Villmergen um 18 Millionen», rechnete er vor. Und Kräuchi fügte hinzu, der Baukredit von 8,6 Millionen Franken sei eingehalten worden, «obwohl der Baugrund unerwartet schwierig war.» Die Kosten für den neu erstellten Hochwasserdamm werden zwischen Bund (39 Prozent), Kanton Aargau (24 Prozent) und Gemeinde Villmergen (37 Prozent) aufgeteilt.

Fontänen bei der Einweihung

Zusammen mit Meyer nahm Kräuchi anschliessend den offiziellen Einweihungsakt vor. Vier grosse Fontänen, gespeist aus einem Tanklöschfahrzeug der Feuerwehr Rietenberg, stiegen aus einem Amphibienteich beim Hochwasserdamm auf. Unter dem Applaus des Publikums begleiteten die Alphornspieler der Wendelinshörner aus Sarmenstorf die Einweihung von der Dammkrone aus.

Danach hatte das zahlreich Publikum die Möglichkeit, das Bauwerk zu besichtigen. Wasserbaufachleute erklärten die einzelnen Elemente,
Infotafeln orientierten über wissenswerte Details, und die Besucher konnten auch das Innenleben des Damms erkunden. Der Bachdurchlass stand offen und die Villmerger nutzten die seltene Gelegenheit.

Auf der anderen Seite des Dammes war ein Festzelt aufgebaut, wo die Besucher mit Würsten, Suppe mit Spatz und Getränken verköstigt wurden. Behördenvertreter, Wasserbauspezialisten, Fischenzpächter, Landbesitzer und die Villmerger Bevölkerung stiessen dort gemeinsam auf das gelungene Werk an.