Es ist halb eins Uhr mittags, vom blassgrauen Himmel fällt Nieselregen, es ist kalt. Der Bauarbeiter Huseyn Kidic steht zwischen den Gleisen im Schotter auf der Bremgarter Reussbrücke, das Wasser tropft ihm vom Helm. Er und seine Arbeitskollegen leuchten in ihren orangen Sicherheitswesten bunt zwischen dem Graubraun der Umgebung hervor. Ein Bagger auf der Brücke schaufelt den faustgrossen Splitt zwischen den nass glänzenden Gleisen aus dem Brückentrog heraus. Die Baumaschinen vor der malerischen Kulisse des Reussstädtchens sind ein ungewohntes Bild, doch der hoch aufragende Hals des speziellen Gleiskrans lässt unschwer darauf schliessen, dass die Sanierung der Reussbrücke begonnen hat.

Dringende Sanierung

Dass die 100-jährige Brücke eine Ausbesserung benötigt, war bereits vor drei Jahren klar. «Der Beton ist durch Kalkablagerungen nicht mehr dicht», erklärt Walter Oettli, Leiter Infrastruktur der BDWM Transport AG. «Wenn es regnet, tritt an den Pfeilern Wasser aus.» Nach einer ersten Überprüfung 2008 und der Planungseingabe 2009 erteilte das Bundesamt für Verkehr letztes Jahr die Bewilligung zur Sanierung. Seit Februar deuteten die Gerüste auf den nahenden Baubeginn hin.

Kidic und seine Kameraden sind schon seit 9 Uhr morgens auf der Baustelle, sie haben viel Arbeit vor sich. «90 Meter Gleise und Brücke müssen saniert werden«, sagt Kidic. Die Bauarbeiten werden in zwei Etappen durchgeführt, die erste dauert bis Sonntagabend. Die Sanierung muss wegen der Behinderung des Schienenverkehrs zügig vorangehen. Gearbeitet wird deshalb durchgehend, «auch nachts», wie Öttli mitteilt.

Für die Bauleute bedeutet dies Schichtarbeit, nach neun Stunden wechselt man sich ab. Die Arbeit auf der vom Regen glitschigen Baustelle erfordert Konzentration, doch die Bauarbeiter wissen, was zu tun ist. «Zuerst musste die Fahrleitung verschoben werden», sagt Kidic und deutet nach oben auf die bereits ordentlich zur Seite gebundenen schwarzen Leitungen. «Da fliesst natürlich kein Strom mehr durch.»

«Die Nässe verzögert den Bau etwas»

Jetzt beginnt laut Kidic die eigentliche Arbeit: Der Schotter müsse raus, die Geleise ebenfalls, und nachher würden die neuen Brückenelemente eingebaut. Kidic zeigt auf einen Stapel Baumaterial in der Tiefe. «Das sind die Schwellen, die unter die Gleise gelegt werden.» Die Arbeit mehrere Dutzend Meter über Wasser und der Zeitdruck machen ihm wenig aus, bloss das Wetter ist nicht nach seinem Geschmack. «Die Nässe verzögert den Bau etwas», sagt er. Beunruhigt ist er deswegen aber nicht, er zündet sich im Regen lieber eine Zigarette an.