Waltenschwil/Islisberg

So wenig Birnelverkäufe wie noch nie

Birnel kann zum Süssen diverser Speisen oder auch als Brotaufstrich verwendet werden.

Birnel kann zum Süssen diverser Speisen oder auch als Brotaufstrich verwendet werden.

Zehn Mostbirnen werden zu einem Kilogramm Birnel verarbeitet. Doch der Verkauf des Birnendicksafts stockt. Von Gemeinde zu Gemeinde ist der Verkauf sehr unterschiedlich - woran liegts?

«Früher erhielten wir auch viele Birnel-Bestellungen von Einwohnern aus anderen Gemeinden. So hatten wir zum Teil eine Nachfrage von über 100 Kilogramm», sagt Frank Koch, Gemeindeschreiber von Waltenschwil, bei dem man sich den Birnendicksaft bestellen kann, über den hohen Anstieg des Birnelverkaufs in den letzten paar Jahren.

Leider ist seit dieser Hochkonjunktur viel Zeit vergangen, sodass diesen Herbst ein herber Rückgang an Birnelverkäufen zu verzeichnen war. «So wenig Nachfrage wie dieses Jahr hatten wir noch nie», so Koch, «nur 13 Kilogramm wurden diesen Oktober bestellt und verkauft, obwohl wir mit anderen Gemeinden im Birnelverkauf zusammenarbeiten.»

Günstig und gesund

Die Gründe für diesen Rückgang sind für Frank Koch unerklärbar. Denn Birnel ist relativ preisgünstig zu erwerben. Es ist gesund, da es viele Mineralstoffe beinhaltet, darunter vor allem die Substanzen Kalium und Magnesium, die für den menschlichen Körper und dessen Wohlbefinden eine besonders wichtige Rolle spielen.

Zehn Mostbirnen werden zu einem Kilogramm Birnel verarbeitet. Dieses honigähnliche Produkt, das auch von Diabetikern eingenommen werden kann, wird zum Beispiel als Süssungsmittel beim Kochen eingesetzt.

Die Bewohner der Gemeinde Islisberg jedoch scheinen über die Vorteile des Birnels Bescheid zu wissen. «Das Interesse an Birnel ist gross. Obwohl wir eine kleinere Gemeinde sind, macht der Dorfladen einen hohen Umsatz», sagt Gemeindeschreiberin Ursula Marfort.

«Das liegt bestimmt auch daran, dass die Ladenbesitzerin die Ware das ganze Jahr lang zur Verfügung stellt, und sie so von den Einwohnern mehr gekauft wird.» Das Birnel wird allerdings kaum noch in Kesseln verkauft, wie das früher üblich war. «Es wird fast nur noch in Gläsern oder Dispenser verkauft, da den Kunden das Abfüllen von Kesseln in Gläser zu klebrig ist», erklärt Marfort.

Sobald der Verkauf eine bestimmte Menge unterschreite, würde auch Islisberg mit anderen Gemeinden zusammenarbeiten.

Früchte von Hochstammbäumen

Bei der Winterhilfe Schweiz, von der die Gemeinden ihr Birnel erhalten, weiss man auch nicht wirklich, woran die Diskrepanz zwischen der Nachfrage der verschiedenen Gemeinden kommt.

«Der Verkauf von Birnel kann ansteckend wirken. Sobald jemand damit in Verbindung kommt, spricht es sich herum und wird zum Beispiel weitergeschenkt. So erfahren immer mehr Leute davon. Es liegt aber wahrscheinlich auch an den Bemühungen der einzelnen Gemeinden, wie sie für Birnendicksaft werben», vermutet Esther Güdel von der Winterhilfe.

Schliesslich wäre es ja eine gute Sache, da die Hochstämme, von denen man die Birnen erntet, erhalten bleiben und somit auch der Lebensraum vieler Vögel geschützt wird und durch die Einnahmen Menschen in Not geholfen wird.

Schicken Sie uns Ihr Birnel-Rezept an freiamt@aargauerzeitung.ch!

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