Mit Schutzanzug

So rücken Aargauer Sanitäter bei einem Coronafall aus

Auch das Rettungsdienstwesen arbeitet wegen des Coronavirus anders wie das Beispiel des Rettungsdiensts Neeser in Wohlen zeigt.

Mit Blaulicht und eingeschaltetem Horn braust ein Rettungswagen des Rettungsdienst Neeser die Bremgarterstrasse in Wohlen runter, nimmt die Linkskurve vor der Kirche und verschwindet nach ein paar Sekunden wieder aus Blickfeld. Es herrscht wieder Stille.

Manchem Augen- oder Ohrenzeugen mag der Gedanke durch den Kopf schiessen: Rücken die Sanitäter wegen einem Coronavirus-Patienten aus? Abwegig ist es nicht. Die Fallzahlen steigen auch im Aargau weiter täglich an. Markus Woppmann, Leiter des Wohler Rettungsdienst Neeser, spürt zusammen mit seinen Mitarbeitern den Anstieg allmählich.

„Zurzeit verzeichnen wir im Schnitt alle zwei bis drei Tage einen Coronaverdachtsfall oder einen bestätigten Fall“, sagt Woppmann. Ausgelöst wird die Ambulanz-Alarmierung stets via der kantonalen Notrufzentrale. Dadurch reduziert sich bereits eine erste Anzahl unnötiger Einsätze und schont so die Ressourcen des Rettungsdiensts.

Woppmann ist dafür dankbar und lobt: „Die Kollegen in der Notrufzentrale leisten eine Top-Arbeit mit ihrer guten Triage. Sie entscheiden als erste Anlaufstelle, wo eine Ambulanz nötig ist und wo nicht.“ Teilweise gebe es Personen, die für einen Coronavirus-Testabstrich den Rettungsdienst aufbieten möchten.

Plakat mit Überschrift "Sperrzone!" warnt

Die neuartige Situation mit Corona stellt aber auch die Sanitäter vor neue Herausforderungen bezüglich der Schutzmassnahmen. „Wir sind uns eigentlich gewohnt, dass wir das ganze Jahr hindurch immer wieder Patienten mit Verdacht auf Infektionen transportieren. Doch so speziell war es noch nie. Für uns ist wichtig, dass wir unseren Auftrag erfüllen können und bei Notfällen ausrücken können. Unser oberstes Ziel ist es deshalb, gesund zu bleiben“, sagt Woppmann.

Aus diesem Grund hat er verschiedene Massnahmen ergriffen. In einem Nebengebäude wurde eine spezielle, komplett abgeschirmte Garage gebaut. Draussen klebt das Schild: „Sperrzone! Kein Zutritt für Unbefugte“. Nach der Rückkehr eines Coronavirus-Einsatzes wird dort drin das ganze Fahrzeug inklusive Sanitäter komplett desinfiziert, ebenso die Schuhe. Anschliessend begeben sich die beiden Sanitäter in einen Extra-Container, wo sie die komplette Kleidung wechseln. Erst danach dürfen sie sich verpflegen. Der ganze Desinfizierungsprozess nimmt gegen eineinhalb Stunden Zeit in Anspruch.

Angepasst hat Rettungsdienstleiter Woppmann auch die Dienstpläne der 14 Mitarbeiter. „Diejenigen in Ausbildung sollen vorläufig zuhause bleiben und dort lernen. Denn auch die Schulen sind zu. Ich kann aber bei Bedarf auf sie zurückgreifen“, sagt Woppmann.

Spezielle Maske neu angeschafft

Tagsüber sind jeweils vier Sanitäter mit zwei Fahrzeugen auf Pikett, in der Nacht jeweils zwei Sanitäter mit einem Fahrzeug. Während der Wartezeit wird darauf geachtet, dass man sich in den Aufenthaltsräumen wie der Küche nicht zu nahe kommt und einen gewissen Abstand einhält.

Wird ein Coronavirus-Einsatz ausgelöst, ziehen sich die Sanitäter vor der Abfahrt einen Schutzanzug mit Schutzbrille, Handschuhe und Maske an. „Die Masken sind eine neue Investition, die wir jetzt getätigt haben und sie können bis zu neun Stunden am Stück getragen werden“, erklärt Woppmann. Die Maske, die angenehm zum Tragen ist, das Gesicht komplett abschliesst und Frischluftzufuhr hat, kostet rund 900 Franken.

Sollten die Corona-Fallzahlen in den nächsten Tagen und Wochen stark zunehmen, hat der Rettungsdienst Neeser eine weitere Option bereit. „Trifft dies zu, können wir das zweite Team tagsüber an einem anderen Standort in der Region platzieren und von dort ausrücken lassen. Diese Zusicherung haben wir“, sagt Woppmann. In normalen Zeiten deckt Neeser durchschnittlich fünf bis sechs Einsätze täglich ab. Das Einsatzgebiet erstreckt sich von Bremgarten bis Egliswil und von Tägerig bis Meisterschwanden.

Meistgesehen

Artboard 1