«Mittel- und langfristiges Ziel ist es, die Wohler Steuerkraft ins Mittelfeld der Aargauer Gemeinden zu führen», sagte Walter Dubler am 7. Januar bei der Präsentation des neuen Standortmarketings. Wohlerinnen und Wohler sollten als Botschafter für die Gemeinde gewonnen und so deren Image verbessert werden. Stolz präsentierte der Gemeindeammann ein neues Gemeindelogo und einen neuen Slogan: «lebendig & mittendrin». «Lebendig», sagte Dubler damals, stehe für den kleinstädtischen Charakter, die gut durchmischte Altersstruktur und für ein friedliches Miteinander in einem multikulturellen Umfeld. «Mittendrin» betone die Bedeutung des zentralen Wohn- und Wirtschaftsstandorts und die Lage nahe an den Zentren Zürich, Basel, Aarau, Luzern und Zug.

Einwohnerrat hat im Mai 2013 450 000 Franken bewilligt

In den neuen Auftritt hat die Gemeinde Wohlen kräftig investiert. Das moderne Logo und die von Grund auf überarbeitete Website sind Teil des Standortmarketing-Konzepts. 450 000 Franken hat der Einwohnerrat am 27. Mai 2013 dafür beschlossen. Dagegen hatte sich die geschlossene SVP-Fraktion ausgesprochen und – etwas überraschend – Stefan Suter von der SP und Beat Wüthrich von den Grünen. Moniert wurden von den Gegnern fehlende Zielsetzungen: «Die vorgeschlagenen biederen und braven Massnahmen wirken vornehmlich nach innen», hatte Beat Wüthrich erklärt.

Inzwischen sind die ersten Massnahmen umgesetzt. Die Einführung des neuen Logos und der neuen Website haben vor allem die Verwaltung tüchtig auf Trab gehalten und vom Personal viel zusätzlichen Aufwand erfordert. Man kann sich allerdings füglich fragen, ob es wirklich ein teures Standortmarketing-Konzept braucht, um herauszufinden, dass Logo und Website einer Gemeinde ab und zu etwas Pflege beziehungsweise eine Anpassung an die Zeit brauchen.

Und man darf sich auch fragen, warum eigentlich für die Erarbeitung eines Standortmarketing-Konzepts partout auswärtige Spezialisten herangezogen werden müssen, wenn es solche auch in der Region beziehungsweise sogar in Wohlen selber geben würde. Jenes Büro, das – beispielsweise – die Urlaubsregion Arosa-Lenzerheide in der ganzen Welt erfolgreich vermarktet, durfte nicht einmal eine Offerte einreichen. Weder als es um die Erarbeitung des Konzepts ging noch jetzt, wo die Umsetzung läuft.

Gehört es nicht auch zum Standortmarketing, dass eine Gemeinde Firmen, die vor Ort erfolgreich wirken, Arbeitsplätze schaffen und Steuern zahlen, ebenso pflegt wie ein Logo und eine Website? In Wohlen offensichtlich nicht. Denn der Gemeinderat hat mit einem simplen Buebetrickli sogar verhindert, dass die Arbeiten für die Umsetzung des Konzepts öffentlich ausgeschrieben werden mussten.

Der bewilligte Gesamtbetrag von 450 000 Franken wurde in Tranchen zu je 150 000 Franken auf drei Jahre verteilt, und schon war man vom Gesetz her nicht mehr zu einer öffentlichen Ausschreibung verpflichtet. Was der Gemeinderat mit der Etappierung veranstaltet hat, ist legitim. Die Frage, die sich stellt, ist jedoch: «War das auch klug?»

Über die Vorzüge von Wohlen hat kein Medium berichtet

Zurück zum Anfang: Ein halbes Jahr nach dem mit neuen Stelen, überarbeiteten Broschüren, neuem Logo und benutzerfreundlicherer Website gefeierten Aufbruch in ein neues Marketing-Zeitalter darf man fragen: Und, was hat es gebracht?» Ist das Image von Wohlen gestiegen? Sind vermehrt potenzielle neue Steuerzahler auf die grösste Freiämter Gemeinde aufmerksam geworden? Haben die Medien Notiz genommen?

Tatsächlich: Wohlen AG war vor den Sommerferien tagelang in aller Munde. Die grössten Schweizer Zeitungen haben ebenso über die Gemeinde berichtet wie alle namhaften Radio- und TV-Stationen. Allerdings hat niemand den «kleinstädtischen Charakter mit der gut durchmischten Altersstruktur» oder das «friedliche Miteinander in einem multikulturellen Umfeld» erwähnt. Auch «die Bedeutung des zentralen Wohn- und Wirtschaftsstandorts» oder die zentrale Lage nahe an den Zentren Zürich, Basel, Aarau, Luzern und Zug» waren kein Thema.

Inhalt der Berichterstattung waren die Eskapaden von Gemeindeammann Walter Dubler, der es in finanziellen Dingen offenbar nicht so genau nimmt, sich in eigener Kompetenz höhere Pensionskassenbeiträge «genehmigt» und auch beschuldigt wird, Spesen und Entschädigungen aus nebenamtlichen Tätigkeiten nicht nach Reglement abzurechnen.

Noch bevor das Standortmarketing-Konzept vollends umgesetzt ist, hat es Walter Dubler ad absurdum geführt. Der Image-Schaden für Wohlen, den er mit seinem unsäglichen Verhalten angerichtet hat und mit seinem bockbeinigen Ausharren im Amt immer noch anrichtet, ist immens. So nützt auch das beste und teuerste Standortmarketing gar nichts. Die für das Standortmarketing bewilligten 450 000 Franken hat Wohlen definitiv in den Sand gesetzt.