Oberwil-Lieli

So gelingt das Online-Meeting: Der Rhetorik-Europameister aus Oberwil-Lieli gibt Tipps

Allein in seinem Arbeitszimmer statt auf der grossen Bühne: Thomas Skipwith tritt normalerweise vor Livepublikum auf.

Allein in seinem Arbeitszimmer statt auf der grossen Bühne: Thomas Skipwith tritt normalerweise vor Livepublikum auf.

Online-Meetings sind in Zeiten von Corona und Homeoffice wichtiger denn je. In seinem Buch gibt der Oberwil-Lieler Rhetorik-Europameister Thomas Skipwith Tipps. Dass sein Ratgeber gerade jetzt erscheint, ist kein Zufall.

Spätestens seitdem der Bundesrat seine dringliche Empfehlung wiederholt hat, ist das Wort Homeoffice wieder in aller Munde. Pünktlich dazu veröffentlicht der Oberwil-Lieler Rhetoriker und Präsentationscoach Thomas Skipwith sein neuestes Buch: «Online-Meetings». Die AZ trifft den Halbamerikaner zum Interview in seinem eigenen «Heimbüro».

Dass sein Ratgeber gerade jetzt, mitten in der zweiten Welle der Coronapandemie, erscheint, ist kein Zufall. Die Idee dazu kam Skipwith während des Lockdowns im Frühling, wo schlagartig sämtliche geschäftlichen Meetings und Konferenzen in die virtuelle Welt verlegt werden mussten. Videokon-
ferenzen wurden zur Tagesordnung.

Schlechtes Bild, mangelhafte Tonqualität, störende Hintergrundgeräusche oder langweilige Online-Präsentationen aber ebenso. Genau das wollte Skipwith mit einem Handbuch ändern und suchte sich mit Berliner Thorsten Jekel, einem befreundeten IT-Manager und Digital-Dolmetscher, einen Co-Autor mit dem nötigen technischen Know-how. Entstanden ist innerhalb eines halben Jahres ein kompakter Ratgeber mit knapp 100 Seiten.

Online muss sich auch der Bühnenprofi einschränken

«Das oberste Gebot der Rhetorik heisst: Du darfst nicht langweilen», sagt Skipwith. «Das gilt für Vorträge vor Publikum genauso wie für Online-Meetings.» Der professionelle Rhetoriker weiss, dass zur perfekten Rede auch der perfekte Auftritt gehört. Seit nunmehr 25 Jahren ist der studierte Betriebs-
wirt und Unternehmensberater hauptberuflich als Präsentationscoach tätig.

In normalen Zeiten besucht er Firmen oder Privatleute vor Ort und gibt seine Techniken weiter. Corona war auch für den 51-Jährigen, der es gewohnt war, vor Livepublikum zu sprechen, eine Umstellung, benutzte er doch selbst die Videotelefonie bis anhin selten. «Live kann ich sämtliche Sinne der Zuhörer aktivieren und die Bühne regelrecht bespielen. Online bin ich viel eingeschränkter», sagt er.

Zugutekam ihm, dass er durch seinen Youtube-Kanal, für den er regelmässig Videos fabriziert, bereits technisch gut ausgerüstet war. Green Screen, Kamera und Mikrofon sind denn auch jetzt seine wichtigsten Helfer. Skipwith empfiehlt, in eine qualitativ hochwertige Kamera und ein externes Mikrofon zu investieren, da im Gerät eingebaute Komponenten oftmals minderwertig seien.

Doch auch abgesehen von der Technik gibt es im Online- Meeting einiges zu beachten. «Wie im Fernsehen muss beim Online-Meeting alles im Stern der Attraktivität stehen», sagt der Präsentationsexperte.

Bildausschnitt und Position gelegentlich wechseln

Keinesfalls dürfe man den Kameraausschnitt so wählen, dass nur der Kopf erkennbar ist. «Die Zeit der ‹Talking Heads›, wie wir sie aus früheren Zeiten der ‹Tagesschau› kennen, sind definitiv vorbei», meint er. Mindestens bis zur Gürtellinie soll man sich im Video zeigen. So ist es auch möglich, zusätzlich die Gestik zu benutzen, um seine Nachricht zu übermitteln. Wichtig sei es dabei, Körperposition und Bildausschnitt ab und zu zu wechseln.

Auch Beleuchtung und Hintergrund wollen sorgsam gewählt sein. «Man soll sich die Frage stellen: Wie setze ich den ganzen Raum richtig ein?» Viele der Online-Programme bieten die Möglichkeit, einen virtuellen Hintergrund einzusetzen. Viel sympathischer wirke hingegen der reale Einblick ins heimische Wohn- oder Arbeitszimmer. Gerade bei Online-Bewerbungsgesprächen rät Skipwith jedoch zu einem möglichst neutralen Hintergrund.

«Auch ein vermeintlicher Fehler kann sympathisch wirken»

Schreiende Kinder im Hintergrund oder die Katze, die auf den Laptop springt: Während eines Online-Meetings kann einiges schiefgehen. Was den Betroffenen die Schamesröte ins Gesicht treibt, sieht Skipwith, selbst Vater von vier kleinen Kindern, gelassen: «Auch ein vermeintlicher Fehler kann sympathisch wirken und die Zuhörer näher zueinander bringen. Gerade in diesen Zeiten, wo physische Treffen zwischen den Mitarbeitern kaum mehr stattfinden, kann das zur Teambildung beitragen.»

Weitere Massnahmen, wie das sogenannte «Unpacking», wo Teamkollegen im Online-Meeting zusammen ein vorab verschicktes Päckli auspacken, oder ein gemeinsames Bier nach der Besprechung können den Teamgeist zusätzlich stärken.

Nicht jede Nachricht lässt sich virtuell übermitteln

Pünktlichkeit ist das A und O jeder Besprechung. Gerade im Online-Meeting mache es gar Sinn, sich bereits einige Minuten vorher einzuschalten. «Im Small Talk vor dem eigentlichen Meeting findet oftmals ein wichtiger teaminterner Austausch statt», sagt Skipwith. «Kamera an!», heisst denn auch seine Devise für alle Beteiligten. «Einerseits trägt dies ebenfalls zum ‹Wir- Gedanken› des Teams bei, anderseits ist es eine Wertschätzung gegenüber dem Leiter und den anderen Teilnehmern des Meetings.»

«Das Online-Thema wird auch nach Corona nicht mehr weggehen», ist sich Skipwith sicher. Viele Firmen hätten mittlerweile auch die Vorteile davon entdeckt. Dennoch habe die Online-Kommunikation auch ihre Grenzen, meint er. «Kommt es zu schwierigen oder gar emotionalen Themen, wie etwa einer Kündigung, empfehle ich, wenn immer möglich, das persönliche Gespräch zu suchen.»

«Online-Meetings» von Thomas Skipwith und Thorsten Jekel, erhältlich im Buchhandel.

«Online-Meetings» von Thomas Skipwith und Thorsten Jekel, erhältlich im Buchhandel.

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