Jonen/Wohlen
So geht Upcycling: Dieser Tisch war früher 80 Skateboards

Kantischülerin Gloria Kunz aus Jonen schrieb ihre Maturarbeit zu Upcycling und schreinerte aus gebrauchten Skateboards einen Tisch.

Marc Ribolla
Drucken
Teilen

Wenn sie etwas anpackt, dann muss es Hand und Fuss haben. Im Falle ihrer Maturarbeit aber sogar vier Beine. Entstanden ist mit einem selbstgeschreinerten Tisch aus gebrauchten Skateboards ein Unikat. «Es fehlt praktisch nur noch der letzte Schliff», sagt die 19-jährige Jonerin Gloria Kunz, die die vierte Klasse an der Kanti Wohlen besucht. In ihrer Arbeit beschäftigt sie sich mit dem Thema Upcycling. Abfallprodukte werden beim Upcycling in neue nutzvolle Gegenstände verwandelt.

Auf die Idee kam sie Anfang 2020. «Beim Schauen von Skateboardvideos fiel mir auf, dass viele Boards bei den Tricks kaputt gehen. Ich überlegte, was man aus dem Sperrholz machen könnte», erzählt Kunz, die selbst gerne Skateboard fährt. Ein Tisch sollte es sein.

Die Jonerin Gloria Kunz zeigt stolz ihren Tisch, den sie in aufwendiger Handarbeit aus 80 Skateboards geschreinert hat.

Die Jonerin Gloria Kunz zeigt stolz ihren Tisch, den sie in aufwendiger Handarbeit aus 80 Skateboards geschreinert hat.

Marc Ribolla

Sammeln von alten Skateboards war schwierig

Von der Idee bis zum fertigen Möbel brauchte es Zeit. Kunz begann mit der Suche nach gebrauchten Boards. «Das war sehr aufwendig. Ich versuchte es via soziale Medien und auf Plattformen wie Ricardo oder Tutti. Einige Bretter waren zu beschädigt oder aus schlechtem Material.» Am Ende schaffte sie es trotzdem, rund 70 bis 80 noch brauchbare Skateboards zu sammeln. Manche Leute schenkten ihr das Board auch, wenn sie ihnen ein Bild des fertigen Tischs zu zeigen versprach.

Eine Kollegin, die Schreinerin ist, half Kunz bei der handwerklichen Umsetzung ihrer Maturarbeit. Sie durften die Werkstatt der Schreinerei Peterhans Schibli in Fislisbach benutzen. Zuerst galt es aber, in stundenlanger Handarbeit die Gripbänder mit dem Föhn von den Brettern zu lösen. «Dann schnitten wir aus dem mittleren Teil des Skateboards kleine Quadrate für die Tischplatte, und aus den gewölbten Enden pressten wir den oberen Teil der Tischbeine. Und wir schliffen und lackierten alles», schildert Gloria Kunz das Vorgehen. Freunde halfen jeweils in der Freizeit mit.

Legen des Tischmusters war unerwartet grosse Büez

Eine grosse Büez verursachte das Legen des Tischmusters, damit die Farben harmonieren. Rund vier Stunden hätten sie damit verbracht, bis die Anordnung perfekt aussah. «Das anschliessende Leimen der Quadrate war ziemlich stressig. Als Unterlage benutzten wir eine Sperrholzplatte und verwendeten Schaum- und Weissleim.»

Aktuell wohnt sie noch bei den Eltern und wird den Tisch daheim als Pult verwenden können. «Mit den Massen 140 x 90 Zentimeter kann ich ihn später in einer eigenen Wohnung als Esstisch brauchen.» Ihn zu verkaufen kommt für sie nicht in Frage. «Der Tisch bedeutet mir sehr viel, weil ich viel Arbeit investiert habe», stellt die Jonerin klar. Im Januar wird sie ihren Tisch und die dazugehörende rund 40-seitige Maturarbeit an der Kanti präsentieren. «Natürlich hoffe ich auf eine gute Note, das ist wichtig. Aber ich habe auch am Tisch sehr grosse Freude, weil er mir noch lange erhalten bleibt und ein handfestes Resultat darstellt», sagt Kunz.

Sie möchte Leute zum Nachdenken anregen

Sie hofft auch, dass die Leute merken, dass man mit Upcycling vieles erreichen kann. Als Inspiration las Kunz auch das philosophische, kapitalismuskritische Buch «Haben und Sein» von Erich Fromm. «Meine Maturarbeit soll ein Ansporn sein. Es muss ja nicht grad ein Tisch sein. Viele Menschen überlegen nicht mehr und kaufen gleich etwas Neues, wenn etwas kaputt ist. Diese Einstellung finde ich problematisch», hält Gloria Kunz fest, bevor sie vor dem Kantigebäude anpackt und ihren Tisch nach dem Foto wieder auseinanderschraubt.