Eine von der Aargauischen Industrie- und Handelskammer (AIHK) in Auftrag gegebene Studie zeigt: Bei den Unternehmen herrscht gute Stimmung. Eine Erholung vom Frankenschock habe sich auf breiter Front eingestellt, fasst Studienverfasser Christoph Vonwiller von Fahrländer Partner die Ergebnisse zusammen.

Zwar hinkt die aargauische Wirtschaft seit dem Frankenschock der schweizerischen Entwicklung hinterher, holt jetzt aber auf. Im kantonalen Durchschnitt erwarten die Firmen, die sich an der Umfrage beteiligt haben, für das laufende Jahr 2018 einen Stellenzuwachs von 1,7 Prozent. Das entspricht rund 800 zusätzlichen Arbeitsplätzen. Setzt man die erwähnten 1,7 Prozent in Relation zur gesamten Aargauer Wirtschaft, zählen also auch jene Firmen dazu, die sich an der Umfrage nicht beteiligt haben, wären es sogar 1700 Stellen.

Das Freiamt ist dabei

Das Freiamt mit den Bezirken Bremgarten und Muri kann bei dieser Prognose mithalten. Aus dem Bezirk Bremgarten haben sich 42 Firmen an der Umfrage beteiligt, die zusammen 1473 Arbeitsplätze repräsentieren. Sie rechnen für das laufende Jahr mit einem Wachstum von 1,6 Prozent beziehungsweise rund zwei Dutzend neuen Stellen. Damit liegt der Bezirk Bremgarten leicht unter dem kantonalen Schnitt.

Im Bezirk Muri haben sich 22 Firmen mit zusammen 933 Arbeitsplätzen an der Umfrage beteiligt. Hier wird ein deutlich höheres Wachstum erwartet. Die Unternehmen rechnen mit 4,2 Prozent, was rund drei Dutzend neuen Stellen entspricht. Wie die AIHK auf Anfrage erklärt, sind die Prognosen für die Freiämter Firmen allerdings mit Vorsicht zu geniessen, weil die Datenbasis relativ schmal ist.

In beiden Bezirken rechnen die Firmen für das laufende Jahr mit einer besseren Auslastung ihrer Produktionskapazität. Im Bezirk Bremgarten wird ein Anstieg von 89 auf 92 Prozent prognostiziert, im Bezirk Muri geht man von einem Plus von 2 Prozent, von 87 auf 89 Prozent, aus. Auch die Erwartungen an die Ertragslage zeugen von einer positiven Erwartungshaltung. In beiden Bezirken geht man von einem deutlichen Anstieg aus. Entsprechend wollen die Firmen in diesem Jahr auch mehr investieren.

In der prognostizierten Lohnsumme widerspiegelt sich der erwartete wirtschaftliche Aufschwung laut den Umfrage-Ergebnissen allerdings in beiden Bezirken nur bedingt. Zwar rechnet man sowohl im Bezirk Bremgarten als auch im Bezirk Muri mit einem Anstieg. Im Bezirk Muri wird sich laut der Umfrage die Lohnsumme gegenüber dem Vorjahr aber nur leicht erhöhen, im Bezirk Bremgarten wird sie sogar etwas tiefer ausfallen als 2017.

Exportanteil unterschiedlich

Sehr unterschiedlich ist weiterhin, für wen die Unternehmen in den beiden Bezirken produzieren. Im Bezirk Bremgarten liegt der erwartete Exportanteil für dieses Jahr bei 13,5 Prozent und somit knapp 1 Prozent über dem Vorjahr. Im Bezirk Muri hingegen wird mit 47,5 Prozent fast die Hälfte der Produktion exportiert, 2017 waren es mit 44,8 Prozent nur leicht weniger.

Qualifiziertes Personal fehlt

In beiden Bezirken sind die Firmen mit der Qualität des Kantons als Unternehmensstandort zufrieden. Die Bewertungsskala in der Umfrage reicht von -2 (sehr schlecht) bis 2 (sehr gut). Im Bezirk Muri vergaben die Unternehmen mit 0,9 ein knappes, im Bezirk Bremgarten mit 1,4 ein deutliches gut. Unterschiedlich wird in den beiden Bezirken auch die steuerliche Belastung beurteilt: Im Bezirk Bremgarten ist man mit einer Bewertung von 0,5 etwas besser, in Muri mit 0,1 etwas weniger zufrieden.

Auch die Verfügbarkeit von qualifiziertem Personal wird unterschiedlich bewertet. Im Bezirk Bremgarten vergeben die Firmen 0,5 (befriedigend bis gut), im Bezirk Muri 0,0 (befriedigend). Auch damit liegt das Freiamt kantonal im Trend. Die Unternehmen bekunden allgemein Mühe, genügend qualifiziertes Personal rekrutieren zu können.

Als ein Beispiel für die gute Entwicklung der Wirtschaft im Aargau wird im Kommentar zur Erhebung der AIHK übrigens Dottikon ES besonders hervorgehoben: «Obwohl gerade arbeitsintensive Produktionsschritte im harten globalen Preiswettbewerb zunehmend einen schweren Stand haben, ist die Lage der Aargauer Industrie nicht so schlecht wie teilweise dargestellt oder die Hiobsbotschaften über grosse Entlassungen suggerieren.

So gibt es neben Abbau auch Aufbau: Der aargauische Spezialitätenchemie-Hersteller Dottikon ES berichtete in den letzten zwei Jahren von einem kontinuierlichen Personalaufbau und hohen Investitionen in den Entwicklungs- und Produktionsstandort in Dottikon», schreibt die Industrie- und Handelskammer.