Bei 30 Grad Celsius mit dem Velo den Berg hinauf, das machen nur Profis, die dafür bezahlt werden – könnte man zumindest denken. Die gestrige Etappe der Tour de Suisse bewies das Gegenteil. Die Profis absolvierten den Rundkurs vier Mal, angefeuert von vielen hundert Fans, die sich am Strassenrand einfanden. Zwischendurch, wenn die Strecke wieder für den normalen Verkehr freigegeben wurde, machten es aber viele Velofahrer ihren Vorbildern nach und fuhren Teile der Strecke ab. Die meisten wohl nicht im gleichen Tempo. Und die Profis hielten auch nicht in der Festwirtschaft, um sich ein Bier und eine Wurst zu gönnen. Trotzdem waren erstaunlich viele Besucher mit dem Fahrrad auf den Freiämter Hausberg gekommen, um dort die Tour de Suisse live mitzuverfolgen.

Tour de Suisse

Tour de Suisse 2017 auf dem Horben

Grossandrang in der Wirtschaft

Vier Runden drehten die Velorennfahrer, etwas mehr als eine Stunde verging jeweils, bis die Zuschauer sich wieder von der Festwirtschaft zur Rennstrecke begaben, um die nächste Durchfahrt zu beklatschen. Schon von Beginn weg hatte sich eine Spitzengruppe abgesetzt. Wenn diese Fahrer vorbeigerauscht waren, dauerte es meist rund drei bis vier Minuten, bis das restliche Feld kam, und dann war das Spektakel auch schon wieder vorbei.

Die Fans genossen es trotzdem, denn die Zeit zwischen den Durchfahrten konnten sie sich gut vertreiben. Die Kinder spielten auf dem Rasen oder sprangen Trampolin, während die Erwachsenen in der grossen Gartenbeiz fachsimpelten. Im Restaurant Horben herrschte Grossandrang. Das Team der Wirtschaft hatte sich extra verstärkt, zusätzliche Grill- und Getränkestände sorgten dafür, dass die Besucher stets mit Speis und Trank versorgt waren. Die Blue-Note-Band und die Bläsergruppe Six Päck sorgte für musikalische Unterhaltung.

Zuschauer sind gut informiert

«Wir möchten die Leute gut informieren, deshalb haben wir Lautsprecher entlang der Bergpreisstrecke aufgestellt und berichten, was gerade auf der Strecke läuft», erklärt Andi Villiger, der das Fest mitorganisiert hat. Damit die Speaker selbst auf dem Laufenden waren, bekamen sie Infos aus dem vordersten Auto, vom Internet-Ticker, und wenn sie etwas wissen mussten, dann konnten sie den ehemaligen Profi-Radrennfahrer Beat Breu anrufen, der ebenfalls in einem der Autos unterwegs war.

Der Zuger Regierungsrat Beat Villiger, der sich dafür eingesetzt hat, dass die Tour de Suisse über den Horben führt, zeigte sich begeistert: «Ich muss den Freiämtern ein Kompliment machen. Es ist toll, wie sie die Radfahrer anfeuern.» Dass er sich für den Anlass engagiert hat, liegt auch daran, dass er selber eine enge Verbindung zum Velosport hat. Villiger ist Mitglied im Veloclub Sins – auch wenn er momentan etwas ausser Form sei, wie er selbst sagt. Das Tour-de-Suisse-Spektakel auf dem Horben hat sicher nicht nur ihm Motivation gegeben, selbst wieder öfter in die Pedale zu treten.