Bezirk Bremgarten

Smart City: Das ist, wenn Mülleimer Mails schicken und die Energiezählung automatisch abläuft

Ralph Martin, Bereichsleiter Liegenschaftsunterhalt Bremgarten, stellte den Gemeindeammännern des Bezirks Smart City vor.

Ralph Martin, Bereichsleiter Liegenschaftsunterhalt Bremgarten, stellte den Gemeindeammännern des Bezirks Smart City vor.

Vor der Gemeindeammännervereinigung des Bezirks Bremgarten wurde das Entwicklungskonzept Smart City der Stadt Bremgarten vorgestellt. Zudem diskutierten die Ammänner über die Abschaffung der Schulpflegen und den Kinder- und Erwachsenenschutzdienst.

An der Zusammenkunft der Gemeindeammännervereinigung kommt normalerweise jemand vom Kanton vorbei und hält einen kurzen, informativen Vortrag über irgendein Thema. Diesmal nicht. «Ich dachte, es müsse nicht immer jemand vom Kanton sein, mit denen haben wir schliesslich genug zu tun», begründete Raymond Tellenbach, Stadtammann von Bremgarten und Präsident der Vereinigung, scherzhaft.

Stattdessen hatte er einen Vortrag zu einem Thema organisiert, auf das Bremgarten besonders stolz ist: Ralph Martin, Bereichsleiter Liegenschaftsunterhalt der Stadt, stellte Smart City vor. «Das ist ein Sammelbegriff für gesamtheitliche Entwicklungskonzepte, die darauf abzielen, Städte und Gemeinden effizienter, technologisch fortschrittlicher und grüner zu gestalten», erklärte er gleich zu Beginn.

Nie mehr halbleere Container abholen

Ein Beispiel: «Bisher mussten die Hauswarte bei den gemeindeeigenen Liegenschaften die Strom- oder Wasserzähler ablesen, schrieben die Zahlen auf Zettel und gaben sie später im Computer ein oder schickten sie schlimmstenfalls an mich und ich musste das dann machen», sagte Martin schmunzelnd. «Das geht viel effizienter.»

Er zeigte auf, wie durch Sensoren an den einzelnen Energiezählern (Wärme, Elektrizität und Wasser) und einem Empfangsgerät, das Gateway genannt wird, alle Daten automatisch online zusammengetragen werden. «Wir können wählen, wie häufig diese Signale gesendet werden, zum Beispiel alle 15 Minuten oder nur einmal im Jahr», hält er fest.

Dabei sei Bremgarten eine Pilotgemeinde. In einem Versuch testet die Stadt Abfallfüllstandsüberwachungen, durch die die Firma, die für die Stadt beispielsweise Alu und Weissblech entsorgt, jeweils ein Signal erhält, wenn die unterirdischen Container nahezu voll sind.

«So müssen sie nie wieder halbleere Container abholen. Das spart Fahrten und somit Treibstoff und Geld», ist Martin begeistert. Durch dieses Pilotprojekt kann Bremgarten als Vorreiter nun auch anderen Gemeinden als Beispiel dienen.

Schulpflege abschaffen – aber wie argumentieren?

Nach dem Vortrag gingen die Gemeindeammänner zum geschäftlichen Teil über. Insbesondere diskutierten sie das Argumentarium zur neuen Struktur der Volksschule, «oder eben die Abschaffung der Schulpflege», verdeutlichte Tellenbach. Ihm selbst ist wichtig, dass der finanzielle Aspekt nicht zu hoch gewichtet wird, denn darum gehe es nicht.

Arsène Perroud, Grossrat und Wohler Gemeindeammann, hielt fest, dass die Vorlage im Grossen Rat eine deutliche Zustimmung erhalten habe. Ihm ist es wichtig, dass bei der Argumentation keine Schuldzuweisungen gemacht werden. «Es geht darum, dass Strukturprobleme bereinigt werden.»

Die Ammänner waren sich einig, dass es keinerlei Demokratieabbau sei, wenn die Schulpflege abgeschafft werde, im Gegenteil: Wenn Kommissionen aus Gemeinderat, Schulleitung und schulinteressierten Privatpersonen – zum Beispiel ehemaligen Schulpflegern – künftig anstelle der Schulpflege die Belange der Schule diskutieren würden, wären sie auch stärker handlungsfähig, aber trotzdem direkt vom Volk gewählt.

Am Ende war es Rolf Roth, Gemeindeammann von Islisberg, der sagte: «Wir haben das Problem jetzt schon gelöst. Die jeweiligen Schulpflegepräsidentinnen sind bei uns schon seit Jahren Gemeinderätinnen.» Das sei in grösseren Gemeinden nicht praktikabel, allerdings käme das der Lösung einer Kommission anstatt der Schulpflege sehr nahe. «Machen wirs wie Islisberg», hiess es am Schluss.

KESD-Vorstand nahm Ratschläge ernst

Natürlich wurde auch die neue Führung des Kindes- und Erwachsenenschutzdienstes (KESD) nochmals diskutiert. Die Gemeinden Niederwil, Villmergen (abwesend) und Zufikon waren gegen eine interne Lösung und fühlten sich nun, da sich der Vorstand doch dafür entschieden hat, vor den Kopf gestossen.

Diesem Unmut machte Christian Baumann, Ammann von Zufikon, auch Luft. Doch wurde er sich mit Arsène Perroud, der zudem Vorstandspräsident des KESD ist, nicht einig. Der hielt fest: «Wir haben eure Ratschläge ernst genommen und diskutiert. Aber der Vorstand ist zu einem anderen Schluss gekommen. Wir sind in erster Linie dem Funktionieren des Dienstes verpflichtet, darum haben wir uns so entschieden.»

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