Muri
Singkonvent Freiamt überrascht von Neuem

Bettagskonzerte mit späten Mozart-Werken begeisterten das Publikum in der ausverkauften Klosterkirche.

Walter-Karl Walde (Text) und Andreas Frei (Fotos)
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Singkonvent Freiamt überrascht mit Mozart-Werken
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Singkonvent Freiamt überrascht mit Mozart-Werken

Aargauer Zeitung

Dirigent David Schneider, seit 1989 künstlerischer Leiter der Bettagskonzerte in der Klosterkirche Muri, hat sich in diesem Jahr mit dem «Requiem in d-moll» von W. A. Mozart kein einfaches Programm vorgenommen. Auch das wohl berühmteste Instrumentalkonzert des grossen Wiener Klassikers, das Klarinettenkonzert A-Dur, das dem Requiem vorangestellt wurde, hat seine Tücken.

Der Grund liegt bei beiden Werken in der Rezeptionsgeschichte der Kompositionen, beide in Mozarts Todesjahr 1791 entstanden. Kein grosser Klarinetten-Virtuose, der das A-Dur-Konzert nicht in seinem Repertoire führt, kein bekannter Chor, der nicht immer wieder das Requiem zur Aufführung bringen würde. Entsprechend vielschichtig die Wiedergaben dieser Werke auf Schallplatten, resp. Compact Discs, und das reizt dazu, Vergleiche anzustellen.

Solo mit historischem Instrument

Beide Werke sind ja nicht aus einem Guss entstanden, der erste Satz (Allegro) des Klarinettenkonzerts war schon etwa 1787 fertiggestellt, damals noch in G-Dur, erst 4 Jahre später vollendete Mozart das 3-sätzige Werk. Bestimmt war es für Mozarts Freund, dem damals berühmten Bassetthorn- und Klarinetten-Virtuosen Anton Stadler. Die Solistin Nicola Boud hat in Muri das Konzert auf
einem Bassetthorn gespielt, einem historischen Instrument, das in den hohen Lagen weicher tönt als die
Klarinette und eine wunderschön
bewegliche Tiefe zulässt. Der zweite Satz, das berühmte Adagio, geriet denn auch zu einem Höhepunkt der diesjährigen Bettagskonzerte.

Nicola Boud versteht es vorzüglich, die Spannungsbogen bei langen, langsamen Sequenzen zu halten, ihr Spiel kommt völlig unaffektiert und authentisch daher. Das Münchner
Barockorchester «L’Arpa Festante», auch auf historischen Instrumenten aufspielend, war ein ebenbürtiger, teils etwas verhaltener Begleiter, auch wenn die beiden Naturhörner im Ansatz teilweise etwas schroff tönten. Den Vergleich mit andern Klarinetten-Solisten braucht Nicola Boud nicht zu scheuen.

Die Krux mit dem Requiem

Viele Geschichten und Unwahrheiten ranken sich um die Entstehungsgeschichte von Mozarts Requiem, der berühmte Milos-Forman-Film «Amadeus» hat da auch nichts zur Klärung beigetragen, im Gegenteil. Sicher war dieses Requiem ein Auftragswerk, Mozart verstarb 35-jährig im Dezember 1791, nur ein Teil war aus der Hand des Meisters fertiggestellt, von zwei Mozart-Schülern wurde das Werk vollendet.

Dirigent und Chorleiter David Schneider hat nun durch die Wahl des Begleitorchesters (auf historischen Instrumenten) auch eine möglichst historisierende Aufführungspraxis angestrebt, dies ist aber mit dem Singkonvent Freiamt nur bedingt möglich. Schneider wählt durchs Band sehr gute Tempi, aber der Chor ist schlicht zu gross für eine transparente Interpretation. Die polyphon gesetzten Teile, vor allem das «Domine Jesu Christe» (Offertorium) und die Doppelfuge am Schluss des Communio erinnerten eher an spätromantische Klangwolken, wie sie bei Oratorienchören des 19. Jahrhunderts erlebbar sind.

Aber dieses Requiem ist von Mozart wie von seinem Schüler Franz Xaver Süssmayr, der die Komposition vollendete, ganz in der Schlichtheit und Einfachheit der Wiener Klassik angedacht. Die eingangs dieser Besprechung geäusserte Meinung, David Schneider habe für seinen Chor kein leichtes Programm ausgewählt, ist auch belegbar durch das Missverhältnis der Frauen- zu den Männerstimmen, wobei die Chortenöre und -bässe mit ein paar ganz schönen Einsätzen überzeugen.

Solistenquartett überzeugend

Kenner von Mozarts Requiem sind immer gespannt auf das Zwiegespräch zwischen dem Bass-Solisten und der Posaune beim Tuba mirum (Andante). Thomas Gropper hat genau die richtige Färbung in seiner Stimme für diese anspruchsvolle Sequenz. Das nachfolgende Solistenquartett bestätigte diesen ersten Eindruck. David Schneider konnte ein sehr homogen zusammenwirkendes Quartett für die Solopartien gewinnen, nebst dem Bassisten Gropper überzeugte vor allem die Sopranistin Barbara Zinniker durch ihre auffallend präzise Artikulation, auch Nina Amon (Alt) und Mauro Peter (Tenor) verfügen über das stimmliche Material um diese Mozartpartien überzeugend zu gestalten.

Das Konzert (die Klosterkirche Muri war bis auf den letzten Platz besetzt) wurde zum Schluss vom Publikum stürmisch applaudiert, der Singkonvent Freiamt hat in seiner Vereinsgeschichte in diesem Jahr eine grosse Leistung gezeigt und die Konzertbesucher dürfen gespannt sein, was im kommenden Jahr zum traditionellen Bettagskonzert auf dem Programmzettel steht.

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