Jonen
Sind Jungbürgerfeiern im Freiamt Auslaufmodelle?

Der Gemeinderat streicht die Joner Jungbürgerfeier 2012 wegen zu weniger Anmeldungen. Doch Jonen scheint eher die Ausnahme und nicht die Regel zu sein. In anderen Freiämter Gemeinden finden die Feiern durchaus Anklang.

Lukas Schumacher
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Beispiel Jungbürgerfeier 2011 Niederwil: Nicht grossartig besucht, aber mit 10 von 31 Jungbürgern recht anständig. AR/GN

Beispiel Jungbürgerfeier 2011 Niederwil: Nicht grossartig besucht, aber mit 10 von 31 Jungbürgern recht anständig. AR/GN

Früher war bestimmt nicht alles besser, aber vieles anders. Vor rund 20 Jahren gehörte die Teilnahme an der Jungbürgerfeier der Wohngemeinde zum guten Ton. Praktisch alle Feiern für die volljährig und mündig gewordenen jungen Leute waren vorzüglich besucht. Das war einmal. Mutieren Jungbürgerfeiern allmählich zu Auslaufmodellen?

Jonen: Nur jeder Fünfte willig

Bloss knapp jede(r) fünfte Jugendliche der Jahrgänge 1993 und 1994 wollte an der Jungbürgerfeier Jonen vom 22. Juni teilnehmen. Von den 45 angeschriebenen jungen Leuten meldeten sich lediglich 8 an. 7 weitere Jungbürger meldeten sich ab. «8 sind zu wenig», befand der Gemeinderat Jonen, «mindestens ein Drittel, also 15, sollten an der Feier präsent sein.» Der Gemeinderat sagte den Traditionsanlass ab.

Um dem stetig sinkenden Interesse der Jugendlichen entgegenzuwirken, hatten die Joner Gemeindebehörde und -verwaltung den Jungbürgern im Vorfeld der Feier ein bequemes elektronisches Anmelde- und Auswahlprozedere angeboten. So konnten sie sich auf der Website der Gemeinde nicht nur an- oder abmelden, sondern auch aus fünf Programmvorschlägen den passendsten wählen. Der Vorschlag mit den meisten Stimmen wäre dann an der Jungbürgerfeier umgesetzt worden.

Andernorts im Freiamt beliebt

Jonen scheint eher die Ausnahme und nicht die Regel zu sein. Aus einer kleinen Umfrage bei Freiämter Gemeindeschreibern geht jedenfalls hervor, dass die Jungbürgerfeiern auch heute durchaus Anklang finden, wenn sie in einem zeitgemässen, lockeren Rahmen ausgerichtet werden.

Bremgarten veranstaltet seit ein paar Jahren, in Zusammenarbeit mit dem Wassersport-Club, Bootsfahrten auf der Reuss mit anschliessendem Grillplausch und einem kleinen Wettbewerb. Laut Stadtschreiber Rolf Küng nehmen am «geselligen, ungezwungenen Anlass» jedes Jahr jeweils 15 bis 20 junge Leute teil. Nächster Jungbürgertag: 14. September.

Auch in Oberlunkhofen kommt die Jungbürgerfeier recht gut an. Sie findet alle zwei Jahre für jeweils zwei Jahrgänge statt. «Auch wir bemühen uns um ein reizvolles Programm», sagt Gemeindeschreiber Erwin Eichenberger, «wir waren mal beim Hornussen und mal beim Curling-Spielen». Diesmal findet die Feier am 30. Juni auf heimischem Boden statt, sie wird ins «Open Eye» integriert, ins Oberlunkhofer Open-Air-Festival. Bis Ende April müssen sich die jungen Leute anmelden.

Zufriedenstellende Besucherzahlen vermeldet Wohlen. Gemeindeschreiber Christoph Weibel: «Die Jungbürgerfeier 2011 bei der Stützpunkt-Feuerwehr Wohlen und die Feier 2010 im Kanti-Forum mit Komiker Fabian Unteregger zogen recht viele Junge an.» Bei der Feier, die im Zeichen der Stützpunkt-Feuerwehr stand, waren 41 Junge dabei.

Sonderfälle Zufikon und Boswil

Nach schwach besuchten Jungbürgerfeiern liess Zufikon die Feier 2011 sausen. «Daher werden wir im September 2012 erstmals eine Feier für zwei Jahrgänge organisieren», sagt Gemeindeschreiber Felix Etterlin. Vizeammann Daniel Juchli soll ein griffiges Programm zusammenstellen, das möglichst viele Junge anspricht.

Anders ist die Ausgangslage in Boswil. Die dortige Feier mit Besichtigungstour – letztes Jahr besichtigte man die Obermühle, vorletztes Jahr die neue Halle der Firma Swisspor – steht mit jeweils rund 20 teilnehmenden Jugendlichen recht hoch im Kurs. Die Feier im Herbst 2012 weist möglicherweise einen regionalen Touch auf. Sybille Muster, die Gemeindeschreiber-Stellvertreterin von Boswil: «Es ist beabsichtigt, dass fortan eine gemeinsame Feier für die Jungbürger von Boswil, Kallern und Bünzen stattfindet. Der Entscheid ist aber noch nicht gefallen.»

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