Wohlen
Sieben Millionen Franken für den Chappelehof?

Die katholische Kirchenpflege zeigt sich offen für einen happigen Beitrag an die Sanierung des Chappelehofs.

Jörg Baumann
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Im Pfarreizentrum Chappelehof steht eine Gesamtsanierung an. to

Im Pfarreizentrum Chappelehof steht eine Gesamtsanierung an. to

Toni Widmer

In den letzten zehn Jahren wurden 1,5 Millionen Franken in Unterhaltsarbeiten im Alters- und Pfarreizentrum Chappelehof in Wohlen investiert. Doch nun stehen viel grössere Beträge auf dem Spiel: Nach einer Kostenschätzung des Architekturbüros Furter Eppler Partner in Wohlen soll die Gesamtsanierung 14,8 Millionen Franken kosten – bei einer Bandbreite von plus/minus 15 Prozent also zwischen 13 und 17 Millionen Franken.

Den Steuerfuss erhöhen?

Die Zeiten der «Pflästerlipolitik» seien endgültig vorbei, sagte Vizeammann Paul Huwiler, Präsident des für den Betrieb verantwortlichen Vereins St. Leonhard, an der Generalversammlung. Der Abbruch des Chappelehofs und ein Neubau seien für den Vorstand tabu. «Damit würden wir auch viel Kapital vernichten.» Für die Beteiligung an der Gesamtsanierung zeigt die Kirchenpflege Verständnis. Kirchenpfleger Eric Roeleven teilte mit, dass der Kirchenpflege ein Beitrag von sieben Millionen Franken vorschwebe. Diesen Betrag würde die Kirchgemeinde bei einer Bank als Darlehen aufnehmen. Um dieses verzinsen zu können, müsste der Steuerfuss der Kirchgemeinde um drei bis vier Prozent erhöht werden. Die Kirchenpflege wolle umsichtig umgehen und die Kirchgemeinde im Sommer 2016 an einem Informationsanlass über das Vorhaben aufklären. Zudem soll der Entscheid der Kirchgemeinde mit einer Urnenabstimmung im Spätherbst 2016 abgesichert werden.

Der Chappelehof entstand vor 50 Jahren im Geist des II. Vatikanischen Konzils unter Papst Johannes I. Unter dem gemeinsamen Dach kombinierte das Wohler Architekturbüro Beriger die Alterswohnungen, den Chappelehofsaal, ein Restaurant, einen Verkaufsladen, die Pfarreiräume für Jugendliche und Erwachsene und sogar eine Kegelbahn. Das Gebäude kostete damals 3,6 Millionen Franken. «Der Chappelehof ist in Wohlen fest verankert», sagte Paul Huwiler. «Der Gemeinnützige Verein St. Leonhard und die katholische Kirchgemeinde tragen dieses Bauwerk gemeinsam.» Der Saal, die Kulturbeiz, der Blumenladen, die der Jugendkultur verpflichtete «Plattform» und die Alterswohnungen entsprächen einem breiten Bedürfnis.

Keine Marktmieten möglich

Dass der Chappelehof zu wenig Ertrag abwirft, sei bekannt, erklärte Huwiler. Aber das Pfarreizentrum stehe auf einer gemeinnützigen Basis. Deshalb könne man von den Nutzern keine echten Marktmieten verlangen. Auch der Immobilienunternehmer Peter Feldmann aus Muri, der als Bauberater zugezogen wurde, bestätigte, dass neben der Gesamtsanierung «noch andere Problemfelder» im finanziellen Bereich bearbeitet werden müssten. Dem Verein St. Leonhard fehlten die Eigenmittel, um die Sanierung des Chappelehofs vorantreiben zu können. Der Ertrag sei zu gering. Ein Nettoertrag von 500 000 Franken wäre laut Feldmann anzustreben, doppelt so viel wie heute. Auch könnten die Räume noch besser genutzt werden. Aber diese Fragen könnten sinnvollerweise erst nach der Sanierung angegangen werden. Huwiler räumte ein, dass man beim Rundgang durch den Chappelehof auf grosse Verkehrsflächen gestossen sei, die man allenfalls besser nutzen könnte.

Aus dem Vorstand des Vereins St. Leonhard trat Claude Benz zurück. Er wurde nicht ersetzt. Der Vorstand wurde für eine neue Amtsperiode wieder gewählt. Vereinspräsident Paul Huwiler wies vorsorglich darauf hin, dass er nicht absehen könne, wie die gross die Arbeitsbelastung im Gemeinderat für ihn noch werde.

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