Jonen
Sieben Kilo Saatgut für acht Tonnen Raps

Wer in früheren Zeiten Raps erntete, sass noch auf einem alten Mähdrescher und war schutzlos Lärm, Staub und Sonne ausgeliefert. Heute ist vieles komfortabler, wie ein Besuch bei Robert Haas im Freiamt zeigt.

Yvonne Steiner
Drucken
Raps-Anbau im Freiamt
7 Bilder
 Die Rapspflanzen werden unterhalb der Schoten geschnitten. (Bilder: Yvonne Steiner)
 Eine Handvoll frisch gedreschter Rapskörner.
 Die Ernterückstände werden gehäkselt und sogleich wieder auf dem Feld verteilt.
 Innert Kürze werden die Rapskörner vom Mähdrescher in den bereitgestellten Transportanhänger umgefüllt.
 Landwirt Robert Haas ist mit seinem Raps bei der Getreidesammelstelle in Villmergen eingetrofffen.
 Bei der Getreidesammelstrelle in Villmergen beobachtet Robert Haas wie sein Raps langsam in die Grosse gekippt wird.

Raps-Anbau im Freiamt

Ein herrlicher Sommertag. Ideales Wetter zum Einbringen der Ernte. Die Mähdrescher von Landwirt Robert Haas stehen im Dauereinsatz. Heute soll der Raps auf dem zwei Hektaren grossen Feld gedrescht werden.

Das Fahren mit dem 3,5 Meter breiten Mähdrescher verlangt von Haas volle Konzentration. Glücklicherweise kommt kein Fahrzeug entgegen. Ein Kreuzen auf der schmalen Strasse wäre unmöglich.

Raps-Jahr

Im vergangenen September säte Landwirt Robert Haas auf einer Fläche von zwei Hektaren Raps an. Dafür benötigte er lediglich sieben Kilogramm Saatgut. Nach wenigen Tagen stiessen bereits Keimlinge aus dem Boden. Der sonnige und warme Frühling liess den Raps in die Höhe schiessen und bereits Mitte April - zwei Wochen früher als üblich - standen die Felder in voller Blüte. Trotz anhaltender Trockenheit erreichten die Pflanzen eine Höhe von rund 1,6 Metern. Nach der Blüte wuchsen Schoten mit zahlreichen Körnern, in welchen sich das Öl bildete. Der Raps wird nach der Ernte in der Getreidesammelstelle Villmergen getrocknet und gelagert, bis im Herbst aus den Körnern eines der wertvollsten Speiseöle gepresst wird.(yst)

Haas hat das Schneidwerk angekoppelt und nimmt die letzten Einstellungen für das Dreschen von Raps von der Führerkabine aus vor. Dann setzt er das schwere Gefährt langsam in Bewegung. Was für Haas in dieser Jahreszeit zur täglichen Arbeit gehört, lässt den Beobachter staunen: In einem Arbeitsgang wird der Raps unterhalb der Schoten geschnitten, die winzigen Körner ausgedrescht, mit Luft gereinigt und in den Körnertank geleitet.

Gleichzeitig werden die Ernterückstände gehäckselt und hinten aus dem Mähdrescher aufs Feld gestreut. Der Lärm ist in der klimatisierten und isolierten Führerkabine nicht zu hören.

Die Rehkitze sind schon weg

Robert Haas fährt die Maschine mit durchschnittlich 5 km/h über das Feld. «Der Raps steht super», freut er sich. «Dafür haben wir ein Jahr gearbeitet.» Auf Tiere stösst er beim Dreschen selten. Diese halten sich kaum im Raps auf, eher im Getreide. Und Rehkitze sind in dieser Jahreszeit bereits weg.

Der Staub, der beim Dreschen entsteht, ist ein Zeichen, dass der Raps reif und trocken ist. In der Führerkabine ist man davor geschützt, doch war dies nicht immer so. «Früher waren die Fahrer von alten Mähdreschern Lärm, Staub und Sonne völlig ausgeliefert», erinnert sich Haas.

In der Führerkabine zeigt ein Signal an, dass der Tank mit den schwarzen Rapskörnern beinahe voll ist. Haas fährt mit dem Mähdrescher neben den Transportanhänger am Feldrand, schwenkt das Einfüllrohr aus. Per Knopfdruck wird der Raps innert Kürze umgeladen. Nach rund anderthalb Stunden ist das zwei Hektaren grosse Feld gemäht und Haas mit seinem schweren Gefährt zurück auf dem Hof. Der Transportanhänger mit dem geernteten Raps wird über Nacht in die Scheune gestellt.

Das abgemähte Rapsfeld bleibt nun vier Wochen sich selbst überlassen, damit die Ausfallkörner zum Keimen kommen. Erst dann beginnt Robert Haas mit der Bodenbearbeitung. In der Fruchtfolge steht Weizen auf dem Plan, denn gemäss Richtlinien der ÖLN (Ökologischer Leistungsnachweis, siehe Box) darf frühestens in drei Jahren wieder Raps auf diesem Feld angebaut werden.

Die Jahreszeit ist arbeitsintensiv

Für Robert Haas ist der Arbeitstag noch lange nicht beendet. Als Inhaber eines Landwirtschaftlichen Lohnunternehmens ist diese Jahreszeit für ihn sehr arbeitsintensiv. «Das Einbringen der Frucht ist eine schöne Arbeit, aber auch stressig, denn das Wetter muss stimmen.» Deshalb ist er an diesem schönen und trockenen Sommertag bis spät in die Nacht mit dem Mähdrescher unterwegs.

Früh am Morgen des nächsten Tages fährt Haas mit Traktor und Anhänger bei der Sammelstelle des Getreidecenters Freiamt AG vor. Die Ernte wird in die Gosse gekippt, gereinigt, gewogen und der Feuchtigkeitsgehalt wird bestimmt. In der Regel liegt dieser bei der Anlieferung um 10,5 bis 12 Prozent. Da Raps jedoch mit einem Feuchtigkeitsgehalt bis maximal 6 Prozent lagerfähig ist, gibt es für höhere Werte einen Abzug beim Gesamtgewicht. Bei Haas' Raps zeigt das Messgerät 8,1 Prozent an. Ein hervorragender Wert. Auch mit der eingebrachten Menge ist Haas zufrieden. Die zwei Hektaren erbrachten ein Gewicht von 8,4 Tonnen – und dies mit lediglich 7 Kilo Saatgut.

Ein gutes Raps-Jahr

Bevor der Raps von Robert Haas nochmals gereinigt, getrocknet und mit weiterem Raps gelagert wird, entnehmen die Verantwortlichen bei der Sammelstelle eine kleine Menge der Körner. In einem Beutel, vermerkt mit Herkunft und Sorte, werden diese aufbewahrt, so wie es das «Suisse Garantie»-Label verlangt.

Inzwischen hat Haas den Annahmeschein für seine Lieferung erhalten und begibt sich mit Traktor und leerem Anhänger auf den Heimweg – zufrieden und dankbar für ein gutes Raps-Jahr.

Aktuelle Nachrichten