Hägglingen/Fahrwangen
Sie wandert aus – um im Senegal einen Kindergarten aufzubauen

Marielle Furter aus Hägglingen wollte eigentlich nur zwei Monate durch Senegal reisen. Doch sie verliebte sich in Land und Leute. Weil sie Bevölkerung helfen will, gründete sie einen Unterstützungsverein und wandert nach Afrika aus.

Andrea Weibel
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Kindergärtnerin und Tanzpädagogin Marielle Furter

Kindergärtnerin und Tanzpädagogin Marielle Furter

AW

Marielle Furter ist gerne Kindergärtnerin. Sie weiss, was für Kinder im Vorschulalter wichtig ist, wie sie gefördert werden können und was ihnen Spass macht. Und sie weiss, dass es dafür wenig braucht.

Aber ein einziger kahler, leerer Raum, wo hundert Kinder zusammen mit einer Betreuerin stundenlang sitzen und tanzen, wenn die Lehrerin auf den Trommeln spielt, ist schlicht nicht kindgerecht. Doch das hat sie auf einer Reise im November 2012 im Süden des Senegals kennen gelernt. Und das will die gebürtige Häggligerin nun ändern.

Verliebt ins Land

Angefangen hat alles damit, dass die Kindergärtnerin und Tanzpädagogin nicht mehr so lange Arbeitswege auf sich nehmen wollte. Deshalb nahm sie im Januar 2013 eine Festanstellung in Fahrwangen an, wo sie seit sechs Jahren lebt. Davor wollte sie aber spontan zwei Monate weg, am liebsten nach Afrika, am liebsten sofort.

Ein Freund gab ihr den Tipp mit Senegal, und gleich wurde gebucht. «Es war wunderbar, ich fühlte mich so herzlich aufgenommen», erinnert sich Furter.

In den zwei Monaten lernte sie viel über das Land und die Menschen, vor allem jene im armen Süden, der durch den geografischen Einschub Gambias vom wohlhabenderen Norden getrennt ist. «Dort unten ist die Infrastruktur viel schlechter, genauso wie die Schulen», sagt sie.

«Gymnasien und Universitäten sind nicht das Problem, die werden vom Staat gestützt. Aber wenn den ärmeren Bevölkerungsschichten keine Kindergärten und Primarschulen zugänglich sind, nützen Hochschulen nichts.»

Da hat sich die 50-Jährige verliebt. «Das ist immer eine der ersten Fragen, die man mir hier stellt: Bist du verliebt?», sagt sie lachend. «Ich antworte immer mit Ja, denn ich habe mich verliebt, in das Land und die Menschen.» Es sei eben keine typische Liebesgeschichte wie aus dem Film.

«Ich möchte etwas verändern in meinem Leben und den Menschen, die es nicht so gut haben wie ich, etwas Gutes tun.» Den Ort dafür hat sie im kleinen Dorf Niaguis in der Region Casamance gefunden. «Ich sah den Ort und dachte, hier könnte es sein, hier gehöre ich hin.» Ob es ein Auswandern für immer sein wird, weiss sie nicht.

«Aber sicher für einige Jahre, ich breche alles hinter mir ab und werde fortan gelegentlich Ferien bei meinen Eltern und Geschwistern in der Schweiz machen, denn mein Zuhause wird in Afrika sein.»

75 000 Franken fehlen noch

In Niaguis hat die Häggligerin vor, einen neuen Kindergarten mit drei Klassenzimmern, sanitären Anlagen und einem Spielplatz zu bauen. Dazu kommt eine Küche, in der für die Schüler Frühstück und Mittagessen zubereitet wird. Marielle Furter arbeitet mit der Federation Dimbaya zusammen, die vor Ort die gleichen Ziele verfolgt wie sie.

«Für den Bau sind 80 000 Franken nötig, davon haben wir erst rund 5000 zusammen», sagt die Kindergärtnerin, «aber ich habe auch erst im Sommer mit dem Sammeln begonnen.» Sowohl am Gauklerfestival in Lenzburg als auch an einem Kinderfest in Villmergen hat sie mit ihrem Märchenzelt für das Projekt geworben.

Daneben versucht Furter, neben Privatpersonen auch Firmen anzusprechen, die den Kindergarten mitfinanzieren würden. Dazu gründete sie einen Verein namens kindergardens4senegal. «Denn es soll am Ende nicht nur bei einem Kindergarten bleiben. Aber mit einem wollen wir anfangen», erklärt sie.

Was ihr Vorhaben von anderen Projekten abhebt, bei denen oft kaum die Hälfte der Gelder dort ankommen, wo sie gebraucht werden, ist, dass Furter persönlich vor Ort sein wird. «Ich habe den alleinigen Zugriff auf das Konto und werde die Arbeiten und das Material immer direkt bezahlen und überwachen, damit wir zügig vorankommen.»

Darüber hinaus will Furter das Lehrpersonal fördern, Weiterbildungen organisieren und teilweise selbst durchführen. Mit den Bürgermeistern und anderen Verantwortlichen hat sie bereits gesprochen. «Vom Dorf erhalten wir das Bauland, das ist ihr Beitrag», freut sie sich.

Über die Baufortschritte wird sie in einem Blog auf der Vereinswebsite immer wieder informieren. «Im nächsten Sommer sollte der Kindergarten fertig sein. Das wäre unser grosses Ziel. Aber dafür brauchen wir erst noch Geld.»