Arni

Sie tauschen Wohnung gegen Wohnmobil - und bereisen die Welt

Kurt Notter und Iolanda Lombardi (hier in Patagonien) wollen 2017 mit ihrem Wohnmobil auf eine mehrjährige Weltreise aufbrechen. zvg

Kurt Notter und Iolanda Lombardi (hier in Patagonien) wollen 2017 mit ihrem Wohnmobil auf eine mehrjährige Weltreise aufbrechen. zvg

Ab Mitte 2017 wollen Kurt Notter und Iolanda Lombardi für ein paar Jahre die Welt bereisen. Die beiden Träumen davon, unter anderem auch die Antarktis bereisen zu können.

Ihr Credo ist ganz einfach: «Wir müssen nicht mehr sparen, sondern dürfen leben.» Das haben Kurt Notter (64) und Iolanda Lombardi (59) aus Arni für sich entschieden. Darum machen sie ihren Traum vom Weltreisen wahr, denn «es gibt ein Leben nach der Pensionierung, und das will gelebt sein», sagt Notter. Mitte 2017 wird das Paar seine 170 m2 grosse Wohnung mit der unglaublichen Aussicht bis auf die Alpen, die sie seit etwa 15 Jahren bewohnen, aufgeben und stattdessen in ein Wohnmobil mit knapp 10 m2 Fläche umziehen. Doch im selben Massstab, wie die Wohnfläche abnimmt, wächst die Aussicht, je nachdem, wo sie ihr Wohnmobil gerade parken. Viele Leute könnten sich einen solchen Schritt nicht vorstellen – viele andere träumen davon. «Und für uns ist jetzt die Zeit gekommen, wo wir diesen Traum wahr machen», sagt Kurt Notter mit einem breiten Grinsen im Gesicht. Haben sie denn genug Geld beieinander? «Nein, natürlich nicht», sagt er schulterzuckend. «Aber wir bekommen beide jeden Monat eine Rente, und die dürfen wir auch benützen.»

Antarktis wäre ein Traum

Bis vor seiner Pensionierung gab Notter verschiedene Kurse in der Finanzplanung. Seit zwei Jahren ist er in Frührente, ist viel draussen in den Bergen oder mit dem Motorrad unterwegs. Seine Frau Iolanda Lombardi ist Werkstattleiterin in einer Epilepsieklinik und will sich im Frühling ebenfalls frühpensionieren lassen. «Wir haben immer sparsam gelebt, so sind wir eben aufgewachsen. Der einzige Luxus, den wir uns seit vielen Jahren leisten, ist unsere grosse Wohnung und das Reisen», sagt er. Nun wollen sie noch einen Schritt weiter machen. Lombardi musste allerdings erst auf den Geschmack kommen: «Nachdem wir zusammen ihre Cousins in Südamerika besucht hatten, habe ich einmal ‹zufällig› ein Reisebuch auf dem Diwan liegen lassen. Es hiess Panamericana. Meine Frau blätterte darin, und irgendwann fand sie, dass sie vielleicht doch auch ein Jahr früher in Pension gehen könnte.» Aus einem Jahr wurden vier.

Die Ideen wuchsen immer weiter, die angedachten Reiserouten wurden immer länger. Nun sieht die Planung so aus: «Am 13. Juli 2017 werde ich mein letztes Seminar geben. Ende Juli verschiffen wir dann unser Wohnmobil in Hamburg, fliegen selber nach Montevideo in Uruguay und bessern dort, während wir aufs Wohnmobil warten, unser Spanisch auf», beschreibt Notter. Sie wollen Lombardis Verwandte besuchen – sie selber stammt allerdings aus Italien – und via Südbrasilien und und Paraguay hinunter Richtung Patagonien.

«Wenn wir Glück haben, sollten wir unterwegs auch Wale sehen, die sich dort ungefähr im Oktober paaren oder ihre Jungen gebären. Das möchte meine Frau sehr gerne. Ausserdem wäre es ein Traum von uns, die Antarktis zu sehen. Aber das überlegen wir dann vor Ort.» Nach Feuerland soll es über Chile und Argentinien wieder hinauf Richtung Zentralamerika und dann in die USA gehen. Auch Kanada könnte auf der Liste stehen. «Und falls es irgendwie möglich ist, hatte meine Frau die Idee, dass wir anschliessend auch hinüber nach Russland und China weiterreisen könnten – wieder mit dem Schiff natürlich.» Wenn die Gesundheit hält, sollte das Paar also für die nächsten sechs bis sieben Jahre ausgebucht sein.

Checkliste mit 325 Zeilen

Ein wichtiges Thema sind auch ihre Mütter: «Sie sind beide über 90 Jahre alt, und es ist möglich, dass wir sie nach unserer Reise nicht mehr sehen werden», sagt er ernst. «Aber wir haben uns bisher viel um sie gekümmert, und meine Mutter freut sich sehr, dass wir das jetzt machen. Es stimmt so für uns.»

Für ihren zum Wohnmobil ausgebauten Mercedes Sprinter mit 4×4-Antrieb mussten sie extra den Lw-Führerschein machen. Doch nach langer Suche haben sie ihr Traumauto gefunden. Nun sind sie mitten in der Planung: «Versicherungen, Lebensmittelvorschriften, Korruption, Solarausrüstung, Kleidung und die Platzverhältnisse im Wohnmobil – unsere Checkliste umfasst 325 Zeilen, die es noch zu beackern gilt. Aber bis nächsten Juli sind wir bereit, so viel steht fest», freut sich Notter.

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