Wohlen

Sie sind seit 70 Jahren verheiratet – und noch immer glücklich

Es war Liebe auf den ersten Blick: Paul (96) und Rosa (93) Meier-Dobler wussten 1941 vom ersten Tag an, dass sie einander heiraten wollten. Angefangen hat alles unter einem Regenschirm. Trotz dem Alter sagt Paul: «Rösli ist eine hübsche Frau».

Die Geschichte von Paul und Rosa Meier ist eine Liebesgeschichte wie aus dem Bilderbuch. Dass sie 70 Jahre verheiratet sind und sich noch immer gern haben, erwärmt das Herz in der heutigen schnelllebigen Zeit voller Scheidungen umso mehr.

Dabei war es so einfach: «Ich wusste vom ersten Tag an, dass ich das Rösli heiraten würde», erinnert sich Paul Meier noch ganz genau.

Damals diente der gelernte Müller aus Villmergen als Müllersoldat und hatte eine eigene Mühle gefasst. Strahlend erzählt er von seinem ersten Diensturlaub: «Das war 1941. Ich arbeitete elf Wochen in der Mühle in Ramiswil.

Man sagte mir, dass am Montag die Schneiderin auf Stör käme und ich in Balsthal einiges einzukaufen hätte.» Diese Schneiderin war niemand anderes als Rosa Dobler. «Am Abend regnete es und Rösli wollte die 500 Meter alleine heimgehen, denn sie hatte einen Schirm», weiss er noch.

«Aber ich sagte, mein Schirm sei grösser, da passe man gut zu zweit darunter.» Also brachte der junge Müller die Schneiderin nach Hause. «Und auf dem Rückweg sagte ich mir, diese Frau werde ich heiraten.» Spitzbübisch fügt Rosa an: «Wusste die Frau das dann auch schon?» Doch sofort setzt sie hinzu: «Natürlich wollte ich das auch.»

Hochzeitsreise im Diensturlaub

Am Sonntag ging Rosa stets zur Kirche, das wusste Paul. «Also habe ich danach draussen auf sie gewartet und sie auf einen Spaziergang auf den Passwang eingeladen. Das machten wir dann jeden Sonntag, die ganzen elf Wochen lang.»

Bald stand fest, dass sie wirklich heiraten wollten. Paul fuhr jedes zweite Wochenende zu seiner Rosa – sein Posten als Chef der Müllerei der 5. Division machte das möglich.

Im nächsten Urlaub nahm er eine Stelle in der Mühle Jonen an. «Dort hatten sie so viel zu tun, dass mir der Gemeinderat zu einer sechsmonatigen Kriegsdispens verhelfen musste.

Dazu kamen mehrere Wochen Urlaub pro Jahr. «Auch unsere Hochzeitsreise ins Tessin machten wir während meines Urlaubs», erzählt Paul grinsend. Die Hochzeit wurde übrigens an einem Dienstag gefeiert, wie alle Hochzeiten während des Kriegs. Denn: «Wegen der Rationierungen durfte man nur dienstags und sonntags Fleisch essen.»

Nähmaschine mit Zickzackstich

Paul und Rosa Meier bekamen fünf Kinder: zwei Mädchen und drei Buben. Bis heute sind sieben Enkel und bereits zehn Urenkel dazugekommen. Das Paar wohnt heute im Alterszentrum Bifang, er im Altersheim, sie im Pflegeheim.

«Von meinem Fenster aus sehe ich immer, wenn sie frühstückt. Dann gehe ich hinüber und wir verbringen den Tag zusammen», so Paul Meier.

Und noch immer können sie sich Komplimente machen: «Paul war ein wirklich guter Verkäufer», erinnert sich Rosa. Nach der Müllerei war er in den Aussendienst gegangen und dort sehr erfolgreich.

«Ich war ein Spezialist für Milchvieh», sagt er stolz. So fehlte es der Familie an nichts. Die junge Schneiderin Rosa besass sogar die allererste elektrische Nähmaschine, die den Zickzackstich nähen konnte. «Die habe ich ihr an der Mustermesse in Basel für 1000 Franken gekauft», freut sich Paul. Und damit schneiderte sich Rosa auch gleich ihr eigenes Brautkleid.

«Rösli war eine sehr hübsche Frau. Und das ist sie noch immer, trotz ihrer bald 94 Jahre», attestiert Paul liebevoll.

Man könnte den beiden den ganzen Tag zuhören, so viele Geschichten voller Witz und Charme haben sie zu berichten. Gibt es einen Trick, wie man so lange so glücklich bleiben kann? Rosa lacht: «Nein, das muss jedes selber herausfinden.»

Am Sonntag feiern die beiden nun ihren 70. Hochzeitstag mit der ganzen Familie. Etwas verspätet, weil Paul schwer erkrankt war. Glücklicherweise ist er wieder wohlauf. «Wir sind sehr zufrieden und hoffen, dass wir noch lange gemeinsam leben können», hält er fest. Rosa nickt zustimmend, lächelt glücklich und drückt seine Hand in ihrer.

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