Flachsee
Sie schauen, dass in den Naturschutzgebieten Regeln eingehalten werden

Jeden Tag ist eine Aufsichtsperson in den Naturschutzgebieten am Flachsee unterwegs, um gegen fehlbare Personen vorzugehen.

Dominic Kobelt
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Thomas Burkard (links) und Niklaus Peyer sorgen dafür, dass im Naturschutzgebiet die Regeln eingehalten werden.

Thomas Burkard (links) und Niklaus Peyer sorgen dafür, dass im Naturschutzgebiet die Regeln eingehalten werden.

Dominic Kobelt

In den Vereinigten Staaten würde man sie Ranger nennen. Aufsichtspersonen, die in Naturschutzgebieten dafür sorgen, dass sich die Besucherinnen und Besucher an die Regel halten. In den 40 Naturschutzgebieten, die sich rund um den Flachsee erstrecken, sind dies insbesondere: Die geschützten Gebiete nicht betreten, keine Pflanzen ausreissen, nur an den Feuerstellen Feuer entfachen, die Fahrverbote beachten und die Hunde an der Leine führen.

Am häufigsten müsse man Hundehalter ermahnen, sagt Niklaus Peyer, der an diesem Morgen mit dem Velo von Rottenschwil Richtung Ottenbach unterwegs ist. Zwei Hundehalter kreuzen seinen Weg, beide haben ihren Vierbeiner an der Leine. «Die Meisten sind letztlich einsichtig, mit manchen muss man diskutieren», sagt er. Dass ihr Hund ihnen aufs Wort gehorche, davon seien fast alle überzeugt. «Das Problem ist, dass wir keine Ausnahmen machen können. Ich appelliere dann jeweils an die Vorbildfunktion.» Manche Vögel fühlten sich sehr schnell gestört, wenn Hunde in ihrer Nähe seien. Besonders im Frühling kann das verheerend sein.

Keine Verfügungsgewalt

Die Aufsichtspersonen fahren jeweils nicht das ganze Gebiet ab, sondern suchen meistens gut besuchte Orte auf. Freundlichkeit ist die oberste Regel, wenn die Aufseher jemanden auf ein Vergehen ansprechen. Eine polizeiliche Verfügungsgewalt haben sie nämlich nicht. Wenn die Aufforderung nicht fruchtet, dann wird die Person schriftlich verwarnt, im schlimmsten Fall wird die Polizei eingeschaltet – zum Beispiel, wenn jemand mehrmals mit seinem Auto ins Fahrverbot fährt.

Ein Foto des Fahrzeugs hilft, den Sünder zu identifizieren. «Das ist aber nur sehr selten nötig. Die meisten Leute haben akzeptiert, dass es sich um ein Naturschutzgebiet handelt und deshalb gewisse Regeln beachtet werden müssen», sagt Thomas Burkard, der Leiter der Gruppe. Seinen Ruf musste sich der Aufsichtsdienst erst aufbauen. Entstanden ist er 1974 auf freiwilliger Basis, professionalisiert wurde er 2005. 13 Leute, Rentner, Studenten und Teilzeitangestellte wechseln sich auf den Touren ab.

«Unsere Arbeit zeigt ihre Wirkung über die Jahre. In den beiden Zürcher Gemeinden, die erst vor kurzem dazugekommen sind, ist das Bewusstsein noch nicht gleich vorhanden», erklärt Burkard. Das habe auch damit zu tun, dass das dortige Wegkonzept noch nicht so ausgereift sei, wie das in den Aargauer Gemeinden. «Es ist wichtig, dass zum Beispiel in einem Gebiet, in dem Velofahrverbot herrscht, sämtliche Strassen auch so signalisiert sind.»

Ein Vorschlag für eine geeignete Signalisation, die die Stiftung Reusstal erarbeitet hat, befindet sich in den Zürcher Gemeinden in der Vernehmlassung.

Steigende Besucherzahlen

Die Besucherlenkung ist das zweite Aufgabengebiet der Aufsichtsgruppe. So wurde auf der einen Seite des Flachsees das Fahren mit Fahrrädern verboten, um den Besucherstrom zu entflechten. «Die Velofahrer und die Fussgänger kommen sich so weniger in die Quere, das merkt man besonders, wenn es viele Besucher hat», sagt Burkard.

Nehmen die Besucherzahlen zu? «Tendenziell schon, aber wir messen das nicht. Damit ergibt sich für uns auch ein Klinsch: Wir möchten zwar den Menschen die Natur näherbringen, aber ein Naturschutzgebiet verträgt nur eine gewisse Menge Besucher», sagt Burkard. Die Obergrenze ist schon fast erreicht. «Wir haben aber Glück, dass 1975 grosszügig und weitsichtig geplant wurde.»

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