Sie hat Mode im Goldenen Schnitt gezeichnet und das Gemälde der berühmten Mona Lisa analysiert: Livia durfte am Programm für die Begabtenförderung in Wohlen teilnehmen. Sie hat sogar ein Gerät kreiert, mit dem sie ihre Assistentin (eine Mitschülerin) vermessen und feststellen konnte: «Ihr Bauchnabel ist im Goldenen Schnitt.» Als Goldener Schnitt wird das Teilungsverhältnis einer Strecke oder anderen Grösse bezeichnet, bei dem das Verhältnis des Ganzen zu seinem grösseren Teil (Major genannt) dem Verhältnis zum kleineren Teil (Minor) entspricht. In der Kunst, in der Mathematik, der Geometrie, der Musik und sogar in der Informatik kennt man diesen Begriff.

Wie Livia präsentierten auch die anderen zehn Schülerinnen und Schüler aus dem Begabtenförderungsprogramm ihre während eines Jahres entstandenen Projekte. Die rund 50 Eltern, Geschwister und Schulfreunde, die zur Vorstellung der Arbeiten erschienen sind, bestaunten literarische Werke, ein Flugzeug samt Flughafen im Modell, eine Computerspiel-Analyse, chemische Experimente, Altertumsforschung, eine nachgebildete Landschaft im Kleinformat und Beispiele japanischer Waffen in hölzerner Ausführung.

«Alles harte Arbeit»

Den Projektunterricht der Begabtenförderung hat Nicole Müller begleitet. Sie ist Lehrerin an der Bezirksschule Wohlen und hielt in ihrer Begrüssungsrede fest: «Auch wenn diese Werke aussehen, wie aus einem Guss – es war alles harte Arbeit.» Für die begabten Schulkinder bedeutete dies: Zwei bis drei Lektionen pro Woche, wobei sie auch sehr viel Zeit für ihre Arbeiten neben dem normalen Unterricht aufwenden mussten.

Themenwahl als Knacknuss

Wie zu erfahren war, bildete die Themenwahl zu Beginn des Schuljahres die eigentliche Knacknuss für alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Schliesslich nahm das Projekt Fahrt auf. Am Schluss äusserten sich alle positiv über ihre Erfahrungen und präsentierten mit berechtigtem Stolz ihre Werke.

Für die Teilnahme an diesem vom Kanton unterstützten und finanzierten Projekt der Begabtenförderung, können sich Schülerinnen und Schüler ab der 4. Klasse bewerben. Je nach Eignung werden sie von der Klassenlehrperson empfohlen. «Sie müssen schon einen besonderen Effort leisten, damit sie auch den normalen Schulstoff bewältigen können», betonte Nicole Müller gegenüber der Aargauer Zeitung.

Eine Schulnote für die fleissigen Talente gebe es bei der Begabtenförderung nicht. Dafür jedoch ein Arbeitszeugnis, also einen Leistungsausweis, der dem Zeugnis beigelegt wird. Nach den Sommerferien starte wieder ein neues Projekt der Begabtenförderung an der Schule Wohlen mit elf Schülerinnen und Schülern.