Es bleibt dem Blumenkurier, der im Zentrum für Pflege und Betreuung Reusspark in Niederwil einen Blumenstrauss abliefern soll, nichts erspart. Eine achtteilige, auch humorvolle Soap, die zum 125-Jahr-Jubiläum realisiert wurde, zeigt, dass die Institution ein unverkrampftes Verhältnis zu Themen wie Alter, Krankheit, Demenz und Tod hat – trotz allem. Der Hauptdarsteller der Videos unter dem Titel «Blumen für M...», der Murianer Kabarettist Philipp Galizia, findet, dass man keine Witze reissen soll über den Tod eines bestimmten Menschen. «Aber der Tod gehört zum Leben. Und nur solange wir leben, haben wir auch die Möglichkeit, dem Tod eine lange Nase zu machen.» Die Serie startet – kein Witz – am 1. April. Die erste Folge der acht Videoclips von je rund zwei Minuten Länge wird am 1. April auf der Website (www.reusspark.ch) und auf verschiedenen Social-Media-Kanälen wie Facebook aufgeschaltet. Die weiteren Episoden folgen im Wochentakt.

«Wir mögen zwar eine Insel sein, aber wir waren schon immer offen für Neues», erklärt Direktor Thomas Peterhans den Mut zu dieser aussergewöhnlichen Präsentation. Und Caroline Schneider, Kommunikationsverantwortliche, unterstreicht: «Wir wollen die Menschen, die sich für uns interessieren, nicht mit einem trockenen Firmenporträt langweilen, sondern mit einer ebenso humorvollen wie informativen Geschichte überraschen.» Das ehemalige «Gnödeli», wo einst die Ärmsten der Region unter einfachsten Bedingungen gepflegt wurden, ist längst ein modernes Zentrum für Pflege und Betreuung mit spezialisierten Abteilungen für Geriatrie, Demenz, Gerontopsychiatrie und Palliative Care geworden.

Der Blumenkurier (Philipp Galizia) hat den Lieferschein verloren. Jetzt sucht er im Reusspark verzweifelt nach M, um ihr den Blumenstrauss zu übergeben, und erlebt dabei vieles – Szene aus den Dreharbeiten im Reusspark Niederwil.

  

Glaubwürdiger Darsteller

«Blumen für M . . .» vermittelt einen unverkrampften Einblick in all diese Themen. «Auch dank einem rundum glaubwürdigen Hauptdarsteller», hält Christoph Zufluh fest, der für das Buch und die Regie verantwortlich zeichnet: «Philipp Galizia bewegt sich derart selbstverständlich durch die Reusspark-Welt, als ob er hier zu Hause wäre.» Als Blumenkurier flattert ihm auf der Fahrt ins Gnadenthal aus lauter Schusseligkeit der Lieferschein aus dem Autofenster. Alles, woran er sich erinnert, ist das M, mit dem der Vorname der Jubilarin beginnt, die das Blumenbouquet bekommen soll. Im Reusspark angekommen, macht er sich auf die Suche nach ihr. Und erlebt vieles: Er landet etwa im hauseigenen Schwimmbad, wird beim Stibitzen von Tomaten erwischt, er sucht Hilfe bei der Mutter Gottes, verirrt sich im Dementengarten und begegnet schliesslich dem Tod.

Humor gibts auch im Heim

In den Reusspark-Clips kommt viel Humor vor, «aber nicht einfach, weil Galizia draufsteht», unterstreicht der Hauptdarsteller, «sondern weil es in jedem Alltag lustige Situationen gibt». Den richtigen Ton finde man in einer solchen Institution wie dem Reusspark, indem man demütig genug sei, die Situation der Leute wirklich verstehen zu wollen. «Man darf nicht mit der Einstellung kommen: Ich bin gesund, du bist krank. Sondern mit der Haltung: Ich möchte verstehen, bitte erklär mir das.» Besonders haften geblieben ist Galizia, als im Demenzgarten eine demente Frau der Produzentin die Tasche stibitzte und behauptet, es sei ihre. «Für diese Frau war das ihre Wahrheit. Meine Wahrheit hingegen war, dass dies Nicole Laubachers Tasche ist. Da standen sich plötzlich zwei Behauptungen gegenüber.» Und schliesslich nimmt Galizia die Erkenntnis aus dem Reusspark mit, «dass das Leben nicht aufhört, wenn man in eine solche Einrichtung eintritt, sondern dass in diesem Moment ein neuer Lebensabschnitt beginnt.