Isabelle Süess ist das neue Talent des Förderprogramms JOFuture des Jugendorchesters Freiamt (JOF). Beim Konzert «El Sur» des Jugendorchesters debütiert die 18-Jährige als Solistin an der Marimba. Sie ist gerade zurück aus Japan, der Heimat ihrer Mutter.

Die 18-Jährige lebte ein halbes Jahr lang bei ihrer Grossmutter in Osaka. Sie besuchte die Highschool und konnte regelmässig mit dem Schulorchester proben. Und sie nahm Unterricht bei einer Lehrerin, die einst bei Keiko Abe studiert hatte, der berühmtesten Marimbaspielerin überhaupt. So bekam Süess die einmalige Möglichkeit, einen Tag lang den Unterricht der Grande Dame der Marimba in Tokio besuchen zu dürfen. Ein Erlebnis, das sie tief beeindruckt hat.

Ich treffe Isabelle Süess im Musiksaal der Kanti Wettingen, wo sie zur Schule geht. Wir müssen zuerst Notenständer, Stühle und verschiedene Instrumente wegräumen, um die riesige Marimba in den Raum rollen zu können. Die Schülerin spielt das guatemaltekische Nationalinstrument seit zehn Jahren. Da die Marimba für die Wohnung und auch fürs Portemonnaie zu gross ist, übt sie hier.

Das ist aber nur ein- oder zweimal pro Woche in Randstunden möglich. Hinzu kommen zwei Unterrichtsblöcke pro Woche für Perkussion und Marimba bei ihren Lehrern. Isabelle Süess bedauert, dass sie nur viermal pro Woche üben kann: «Eigentlich sollte ich jeden Tag üben.» Für die junge Frau steht fest: Die Marimba ist ihr Leben.

Wie kamen Sie zur Marimba?

Isabelle Süess: Früher spielte ich Klavier. Meine Schwester spielte Trompete in einem Orchester. Ich wollte auch in diesem Orchester spielen, das ging mit dem Klavier natürlich nicht. Meine Mutter sagte: Wenn du Klavier spielen kannst, kannst du auch Xylofon spielen. Das Prinzip der beiden Instrumente ist ähnlich. So stieg ich um, und bereits zwei Wochen später nahm ich am Xylofon mit dem Orchester an einem Wettbewerb teil. Marimba, Vibrafon und Glockenspiel kamen später automatisch dazu.

Was macht für Sie den Reiz der Marimba aus?

Die Marimba hat einen unglaublich schönen Ton, vor allem in den tiefen Oktaven. Man kann alles spielen auf ihr, ganz ruhige, in sich gekehrte Musik, aber auch rassige, schnelle Lieder.

Und was ist die besondere Herausforderung beim Marimbaspiel?

Zuerst spielt man mit einem Schlägel in jeder Hand. Je besser man wird, kommen ein oder sogar zwei weitere Schlägel pro Hand dazu. Die Koordination von vier Schlägeln in zwei Händen ist enorm schwierig. Und dann will ich natürlich auch noch den perfekten Ton treffen.

Was sagen Ihre Freundinnen und Freunde zu Ihrer Leidenschaft?

Den meisten musste ich zuerst einmal erklären, was eine Marimba überhaupt ist. Wenn ich dann noch erwähnte, dass ich klassische Musik spiele, kamen Reaktionen wie: «So siehst du aber gar nicht aus ...» Aber ich habe viele tolle Freunde, die mittlerweile begeistert meine Konzerte besuchen.

Sie sind gerade zurück aus Japan. Was haben Sie von dort für sich mitgenommen?

In Japan wird beim Einstudieren der Stücke ein noch viel grösserer Perfektionismus betrieben, als bei uns in der Schweiz. Das habe ich für mich ganz neu entdeckt. Das Streben nach der absoluten Präzision und Perfektion. Ich habe innerhalb weniger Monate enorme Fortschritte gemacht. Darum spiele ich auch mit dem Gedanken, in Japan Marimba zu studieren. Das Instrument ist dort sehr populär.