Wohlen

Sie hatten 6 Jahre Arbeit für 99 Minuten Film

Freuen sich auf die Uraufführung: Violaine Stehli und Michael Wettstein.

Freuen sich auf die Uraufführung: Violaine Stehli und Michael Wettstein.

Der neue Streifen des Wohler Filmemacher-Duos Michael Wettstein und Violaine Stehli kommt am 25. Februar des nächsten Jahres ins Kino.

Es war eine ganz spezielle Stimmung. Ich sass mutterseelenallein im Kino Rex. Es war dunkel, vorne auf der Leinwand lief unser Film und ich mischte mit einem iMac über die Dolby-Surround-Anlage den Sound ab.» Ein Lächeln huscht über das Gesicht des Wohler Filmemachers Michael Wettstein (41). «Ich habe den Film schon so viele Male gesehen. Verleidet ist er mir aber immer noch nicht.»

Seine Partnerin Violaine Stehli (34) schmunzelt. Die Szene im Wohler Kino, welches ihn immer stark unterstützte, ist nur eine der unzähligen Episoden, die Wettstein in den vergangenen Jahren erlebt hat. Am 9. September 2010 begannen die Drehaufnahmen zu seinem neuen Film «Transcending: The Beginning of Josephine». Und am Donnerstag, 25. Februar 2016, können sich die Filmfreunde den Streifen im Kino anschauen. Sicher ist bis jetzt lediglich, dass er im Wohler Kino Rex läuft. «Andere Orte werden folgen», so Stehli.

«Transcending»: Der Trailer zum Freiämter Kinofilm.

«Transcending»: Der Trailer zum Freiämter Kinofilm.

Fertiggestellt wurde der 99 Minuten lange Film bereits vor einiger Zeit. Dass er erst im kommenden Februar in die Kinos kommt, ist unter anderem der Tatsache geschuldet, dass Wettstein/Stehli «Transcending: The Beginning of Josephine» in Eigenregie vermarkten und vertreiben. Grund: Eineinhalb Jahre lang haben sie ihren Film den verschiedensten Festivals eingereicht – letztlich ohne Erfolg. «Der Markt ist total übersättigt», sagt Wettstein. Dann erzählt er von einem Festival, an welchem 12 000 Kinofilme eingereicht wurden – zu je 100 Dollar Einschreibgebühr – und schliesslich gerade mal deren 100 gezeigt werden konnten. «In der Filmbranche brauchst du entweder einen grossen Namen oder Vitamin B. Hast du beides nicht, ist es unglaublich schwierig, an die wichtigen Leute zu kommen.» 

Entmutigen liessen sich die beiden nie, aufgeben kam schon gar nicht infrage. «Wir ziehen unser Ding immer durch», so Stehli. Dass sie von Filmförderungsfonds keine Unterstützung erhielten, spornte die beiden nur noch mehr an. «Wir stellten den Film durch Sponsoring und jede Menge Herzblut auf die Beine.» Über Finanzen spricht Wettstein nicht gerne. «Es ist schwierig, ein Budget in Franken anzugeben.» Die Ausgaben dürften sich in einem tiefen sechsstelligen Bereich bewegen. Apropos: Um die finanziellen Ausgaben so tief wie möglich zu halten, wird «Josephine» in englischer Sprache gezeigt. Weil der Film international besetzt ist, wurde er auf Englisch gedreht. Aus kostentechnischen Gründen müssen wir zur Zeit auf eine Deutsche Synchron Fassung verzichten und zeigen den Film mit Deutschen Untertitel, so Stehli, «Aber das Thema ist universell und viele Leute lieben Filme in originaler Sprache.»

Gedreht wurde der Film in den USA und der Schweiz. Die Kontraste könnten kaum grösser sein. Eine Szene spielt in der stickigen Luft eines Arbeiterviertels von New Jersey, eine andere im idyllischen, ruhigen Park der Wohler «Isler-Villa». Bevor das mystische Haus zum neuen Strohmuseum umgebaut wurde, durften Wettstein/Stehli dort Innen- und Aussenaufnahmen drehen. «In diesem Haus herrschte eine besondere Präsenz, als stünde die Zeit still», so Wettstein.

Still stehen wird die Zeit glücklicherweise nicht. Bis zum Kinostart in rund drei Monaten haben die beiden Wohler Filmemacher noch viel zu organisieren. «Uns geht die Arbeit nicht aus», sagt Wettstein. Und schiebt mit einem Augenzwinkern nach: «Das Drehbuch für einen nächsten Film habe ich fixfertig zu Hause in einer Schublade.»

Meistgesehen

Artboard 1